Belgien Analyse – Newman als schlafender Riese?



In der ersten VFC Saisonhälfte 2020 konnte man im Livestream Gewinner und Verlierer bestaunen. Das Newman Racing Team zählt gewissermaßen in beide Kategorien. Bereits in den Vorsaisontests zeigte das Erfolgsduo um Jannis Wollborn und Aleksandr Knezevic erste Probleme mit den Gegebenheiten des Autos. Nach der übermächtigen letzten Saison hatte man sich vom Motor und Gesamtpaket wohl mehr erhofft. Dass der erste Flop in Australien ausblieb hatte man wohl eher dem Regen zu verdanken. Jannis Wollborn siegte und nur durch einen technischen Fehler wurde auch Aleksandr Knezevic gehindert ebenfalls auf dem Podium zu stehen. In der Folge machte sich aber Ernüchterung breit. Zu wenig gab der Motor auf der Geraden her und zu oft wechselten starke Rennen wie in Road America mit Pleiten wie in Brasilien. In Frankreich gelang ein Lichtblick mit einem weiteren Sieg des aktuellen Weltmeisters Wollborn , welcher dann in Monaco beim Big Point Grand Prix durch eine Strafe den Back-to-Back Sieg verlor. Auf Strecken wie Kanada oder Österreich war man allerdings außer Stande mit eigener Kraft aufs Podium zu fahren. Aber nicht nur der unbeständige Wagen war ein Streitpunkt der bisherigen Saison.


Als im Sommer Newman Racing mit Jannis Wollborn als Teamchef auf ungenierte Art und Weise Aleksandr Knezevic für 2021 das Cockpit entzog kippte die Stimmung innerhalb des Teams. Als Ersatz hatte Wollborn Yannik Barwig aus dem aktuellen Cesario Team erkoren. Dass der unkooperative Wechsel zustande kam stieß selbstverständlich bei Aleksander Knezevic auf nicht sonderlich viel Verständnis.


Die Folge war der Bruch auf der Strecke. Der zuvor unmotivierte Knezevic kam zurück, schlug Wollborn in Deutschland und zeigte auch in Österreich und Ungarn starke Leistungen.

Das neu entstandene Feuer dürfte auch in Spa-Francorchamps für ein enges Duell der Kontrahenten sorgen.


Der Funke dafür dürfte von außen kommen. In der Sommerpause schloss Newman einen neuen Vertrag mit seinem Motorenausstatter D&G. Man wolle die bisher erfolgreiche Partnerschaft verlängern. Als schleife auf das neue Paket wurder der Newman Motor mit einer Aufwertung von 25 PS geschnürt.

Eine zusätzliche Waffe für Jannis Wollborn dessen Jagd auf die zweite Weltmeisterschaft immer noch läuft.


Vieles spricht somit für einen starken Auftritt beim GP von Belgien. Die aktuellen Rundenzeiten bestätigen diese Annahme. Die Newman Piloten belegen derzeit Rang drei und vier in der Hotlapliste der Trainings. Gerade im Mittelsektor zeigt der Wagen hier seine Stärke im Abtriebsbereich. Trotz der Motorenaufwertung zeigt das Auto aber immer noch Nachteile im Bereich Topspeed gegenüber den Hotaka bestückten Teams von MS4ALL und FSR. Dennoch steckten beiden Newman Fahrer bisher viel Zeit in die Vorbereitung auf den Grand Prix. Die Motivation und die Chance auf die Podiumsplätze scheinen zurückgekehrt zu sein. Die Chancen dürften mit einem weiteren Regenrennen auch noch dramatisch steigen. Bei den bisherigen Regenrennen konnte Wollborn jeweils Siege einfahren. Der Nachteil des Wagens wird eliminiert.


Inwieweit Jannis Wollborn dann letztlich wirklich noch realistische Chancen auf die Fahrer-WM haben kann wird sich am kommenden Sonntag zeigen. Die Strecke zumindest liegt Wollborn. 2019 fuhr er einen souveränen Sieg in den Ardennen ein.

Hier seht ihr die aktuellen Trainingszeiten vom Belgien GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202020

Autor: Julian Kopp