D2-History: Großer Preis von Großbritannien 2014 – Als Steven Lexow die Insel dominierte

In der Geschichte der GSO gab es schon immer den Großen Preis von Großbritannien, von der VFC bis hin zur D2. Doch der letzte GP der D2 ist schon etwas länger her: Zuletzt fuhr man 2014 in Silverstone und noch dazu in rFactor 1! Die damalige Zeit und die damalige Liga, nämlich die rFF, ist heutzutage kaum noch mit der GSO zu vergleichen. Alles war unordentlicher, weniger kompetitiv und qualitätstechnisch anders. Es ist die Wild-Western-Zeit der GSO. Aber sie legte den Grundstein für die heutige Liga.

Wie schaute also die damalige D2-Saison aus die? Man ging in seine dritte Saison und das Fahrerfeld war, zumindest zu Beginn der Saison, recht hoch. Fahrer wie Henry Hermsen, Max Riedmüller oder auch bekannte Namen wie Julian Kopp oder Dennis Schneider fuhren, zumindest zu Beginn der Saison, regelmäßig mit. Und auch manch ein FWC-Fahrer stieg unter einem Pseudonym in die D2-Autos. Andere junge Fahrer wie Marcel Ludewig, Sebastian Schletter oder auch Alvaro Hernandez fuhren zum ersten Mal in einer Formelliga mit. Gefahren wurde mit einer Formel 2 Mod, mit welcher man maximal 260 km/h erreichte.

Zum Ende der Saison wurde das Fahrerfeld spürbar kleiner. Beim Großen Preis von Großbritannien, dem zwölften Rennen der Saison, waren nur noch 11 Fahrer dabei, darunter der ein oder andere FWC-Fahrer unter Pseudonym. Gefahren wurde darüber hinaus die alte Silverstone-Strecke. Henry Hermsen hatte zu diesem Zeitpunkt schon überlegen die Meisterschaft gewonnen, sein Team Hermsen Engineering hatte ebenso die Team-WM deutlich gewonnen. Bis dato hatte immer nur ein Hermsen Engineering gesiegt, was sich aber zu diesem Grand Prix ändern sollte.


Denn Henry Hermsen und seine wechselnden Teamkollegen (Riedmüller, Schneider, Wilhelmi) waren alle nicht anwesend, wodurch erstmals ein anderes Team definitiv das Rennen gewinnen würde. Seine dominante Stellung nahm in diesem Rennen aber Steven Lexow ein, der seinen Lotus in der Qualifikation souverän auf den ersten Platz setzte, sechs Zehntel vor dem Scuderia Italia von Nils Taddigs. Stephan Gottwald im Richardson startet vor seinem Teamkollegen Nick Hayman (aka Max Hayman) auf Platz 3, dahinter reihte sich Marcel Ludewig im Voltage ein. Auf den restlichen Plätzen folgte ein FWC-Fahrer unter dem Pseudonym Jabari Parker (Ligier), Jack McKane (ART), Michael Sanchez (Scuderia Italia), Alvaro Hernandez (NissanIRL), Sebastian Schletter und schließlich Alf Ronso (beide RussiaGP).

Das Rennen startete, wie man es in der damaligen D2-Saison gewohnt war, sehr wild. Lexow behielt die Führung vor Taddigs und Hayman, der seinen Teamkollegen Gottwald überholte. Weiter hinten kam es zu einer Kollision, in deren Folge Hernandez und McKane ausschieden. Parker hatte Ludewig in Kurve 1 angegriffen, jedoch schmiss der Voltage Fahrer die Tür zu und wurde hierdurch umgedreht. Sanchez und McKane versuchten auszuweichen, Hernandez konnte nicht schnell genug reagieren und verlor durch den ausweichenden McKane den Vorderreifen. Zwei Fahrer waren also schon nach Runde 1 draußen.


Doch die restlichen neun Fahrer zeigten trotz der Dünne des Feldes ein gutes Rennen. Während sich Lexow dominant absetzte, entfachte dahinter ein Kampf um die Podestplätze. Taddigs machte früh einen Fehler in der alten Bridge-Section und verlor den zweiten Platz, welcher Nick Hayman erbte. Hayman konnte sich hierbei glücklich schätzen, denn er war in Taddigs bei dessen Dreher gekracht und konnte ohne sichtbaren Schaden das Rennen fortsetzen.

Dahinter kämpften Gottwald und Parker um Platz 3. Gerade dieses Duell hatte eine aggressive Note, da Gottwald mit Controller oder sogar Tastatur fuhr und seine Lenkbewegungen ziemlich ruckartig waren. Doch Parker konnte ihn in Runde 4 in Copse überholen. Dieser macht sich nun daran, Hayman zu schnappen, doch schnell machten sich Motorenprobleme durch eine falsche Kühleinstellungen bemerkbar, weshalb der Motor zu rauchen begann.


Währenddessen arbeitete sich der auf Platz 7 zurückgefallene Taddigs vor und konnte durch Überholmanöver und Dreher von Parker den dritten Platz zurückerobern. Er holte auf Hayman auf und überholte ihn schließlich in Runde 10, kurz vor den Boxenstopps. Hayman erhielt den Platz aber durch ein Manöver (welches den letzten VFC-Rennen erstaunlich ähnlich war) zurück. Taddigs musste dazu eine Stop and Go-Strafe aufgrund überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse absitzen. Sein Rennen war somit gelaufen und der Scuderia Italia-Pilot beendete das Rennen auf Platz 6. Ludewig stellte währenddessen nach einem Dreher in Runde 12 ab.



Zwei Runden später fiel dann Parker aufgrund der Sache aus, die sich schon länger angekündigt hatte: Der Motor brannte ab. Dadurch fuhr Schletter auf Platz 3 vor, nachdem er sich aus allem rausgehalten hatte und konstant seine Runden abspulte. In diesen letzten Runden wurde es deutlich ruhiger, da nur noch sieben Fahrer im Rennen waren.

Am Ende gewann Steven Lexow nach 19 Runden überlegen im Lotus, dahinter Nick Hayman auf Platz 2 und Überraschungsmann Sebastian Schletter auf Platz 3. Stephan Gottwald fuhr nach ein paar Drehern ein einsames Rennen und fand sich auf Platz 4 wieder, dahinter Michael Sanchez und der von Pech-verfolgte Taddigs auf P6. Alf Ronso war das ganze Rennen über hinweg kaum zu sehen und fuhr auf Platz 7.


In solch einem Rennen zeigte sich vor allem der Klassenunterschied der D2. Henry Hermsen oder Steven Lexow waren schon damals deutlich schneller als der Rest und auch ein Nils Taddigs war sehr viel schneller, wenn er den wollte. Dahinter ging es in den meisten Fällen unruhiger und aggressiver zu, was vor allem an der Jugendlichkeit oder Erfahrungsmangel mancher Fahrer lag. Dies glich aber auch das leere Feld häufig aus, wodurch einige interessante Rennen entstanden.



Autor: Jörn Georg Dicks