Dicks' Dreier - Die Tops und Flops des VFC-Kanada GP 2021

Ein taktisch interessanter Grand Prix von Kanada ist jetzt schon eine Woche her, einen, in dem es viele Verlierer und Gewinner gab. Daher ist es langsam an der Zeit, die Tops und Flops zu bewerten.


Tops


Jannik Maleika


Jannik Maleika dürfte bald als Mr. Konstanz bezeichnet werden. In der Qualifikation holt der Berliner regelmäßig alles aus dem gut fahrbaren Saldo heraus, so auch wieder in Kanada. Mit einer starken Runde setzte sich Maleika an die Spitze des vorderen Mittelfeldes und schlug damit unter anderem den schnellen Clipper von Leif Nordic oder auch Alexander Kraft, der derzeit in einer großartigen Form ist.

Im Rennen blieb Maleika dann von Beginn an bis zur roten Flagge am Top-Feld dran und erarbeitete sich eine gute Ausgangssituation für den Restart. Als das Rennen schließlich von neuem begann, fuhr Maleika konstant und schnell seinen Stiefel herunter und entschied sich für die strategisch richtigen Entscheidungen. Dadurch konnte er an Kevin Peters dranbleiben und diesem bei seinem zweiten, ungeplanten Stop den Platz abnehmen. Und durch die Strafe von Sven Schubert profitierte Maleika erneut. Damit war die maximale Ausbeute erreicht.



Leif Nordic

Die Lautstärke im Clipper-Channel nach dem Rennen war laut Aussagen der Fahrer sehr laut. Das lag aber weniger am Sieger Pascal Pohlenz, der seinen dritten Sieg diese Saison einfuhr. Eher an Leif Nordic, der seinen zehnten Platz feierte wie einen Sieg. Prinzipiell ist ein zehnter Platz für einen Clipper-Wagen keine großartige Ausbeute, eher unterdurchschnittlich. Aber es ist die Vorgeschichte von Nordic, die diesen Platz zum Erfolg machen.

In den Rennen davor war die Ausgangslage für den Esten immer gut, die Qualifikationen waren stark und somit die Aussicht auf Punkte im schnellen Clipper immer da. Doch viel Pech und Pannen sorgten seit Hockenheim nie wieder für den Punkteerfolg, gerade in Malaysia war dies schmerzhaft, wo das Lenkrad plötzlich ausfiel.

Und so fuhr Nordic von Platz 9 auf den zehnten Platz, fuhr sein eigenes Rennen und ging kein Risiko ein. Am Ende setzte er sich auch gegen den schnellen Bentenrieder durch, der in den letzten Runden mit riesigen Schritten an den Esten herankam. Somit stand am Ende der erlösende zehnte Platz und das erste Punkteergebnis seit Hockenheim zugute.



Die Clifforts

Mit dem sechsten und siebtem Platz hatte man bei Cliffort wohl am wenigsten gerechnet. Zu schwach war der Motor und das Auto auf der Strecke in Kanada, die auf Geschwindigkeit ausgelegt ist. Und dementsprechend pessimistisch ging man in den Grand Prix hinein; und dieser Pessimismus schien wohl auch gerechtfertigt, denn die Ergebnisse in der Qualifikation waren alles andere als berauschend. Platz 13 und Platz 14 standen vor dem Rennbeginn zu Buche, eine schwierige Ausgangslage.

Vom Rennstart bis zur roten Flagge lief es dann nicht besser, Cooper McAllister fing sich zum ersten Mal in dieser Saison eine Strafe ein und fand sich zum Restart auf P15 wieder während Fabian Walter nur auf P12 stand. Doch in den verbleibenden Runden folgten durch konstante Fahrweise und die richtigen, strategischen Entscheidungen durch Dominic Roehken eine stetige Plätzeverbesserung, bis man sich schließlich auf dem sechsten und siebten Platz wiederfand. So geht man mit einem besseren Punkteergebnis als erwartet in die USA; eines, welches im Kampf um Platz 3 in der Team-WM entscheidend sein könnte.



Flops


Sven Schubert

Es hätte der Abend des Sven Schuberts werden können, der Abend, an dem der Schwabe gegen Jannis Wollborn zurückschlagen würde und sich seinen ersten Podestplatz seit dem Rennen am Nürburgring und seinen ersten Sieg seit Österreich hätte holen können. Alles war bereit für diesen Sieg auf Sven Schuberts Lieblingsstrecke. Doch es folgte, vor allem ausgelöst durch die rote Flagge, strategisch falsche Entscheidungen und eine zu aggressive Fahrweise.

Bis zum Rennabbruch sah alles gut für Sven Schubert aus, die Taktik einer Zwei-Stopp-Strategie schien auch aufgrund der guten Pace sicher aufzugehen, womit man Pascal Pohlenz schlagen wollte. Doch durch den Rennabbruch wurde vieles durcheinander gewirbelt, auch Schuberts Strategie. Statt auf eine Drei-Stop zu switchen hielt man an der alten Taktik bei, bei welcher Schubert über 20 Runden auf den soften Pironi fahren sollte. Bei Schuberts Reifenverbrauch von anfang an ein schwieriges Unterfangen.

Im weiteren Verlaufe des Rennens ging es dann zumindest noch ums Podium, welches Schubert auf den alten Reifen gegenüber den schnellen Schlüter mit frischen Reifen aggressiv verteidigte. Das mündete dann schließlich in der Kollision in der Wall of Champions, in der Schubert seinen Frontflügel verlor und zur Box abbog. So stand am Ende nur Platz 8 zu Buche, welcher auch nur unter Mithilfe von Kevin Peters eingefahren werden konnte.

An diesem Abend war auf jeden Fall mehr drin.



Larry Fischer

Der neue, alte Cesario-Fahrer ist immer noch nicht wirklich dabei. Während Teamkollege Lukas Schmidt im ersten Cesario weiterhin um die vorderen Plätze mitfährt und sich so einigermaßen im Titelkampf hält, findet Fischer scheinbar einfach nicht so Recht in die Spur zurück. So auch dieses Mal in Kanada: In der Qualifikation setzte Fischer den Cesario auf Platz 20, sogar noch hinter Lorenzo de Ciutiis, der kaum bis gar nicht trainiert hatte. Von dort aus ging es in den Grand Prix hinein, wo Fischer am Start alle Plätze verlor und auf den letzten Platz fiel. In den folgenden Runden heimste sich der Deutsche eine Durchfahrtsstrafe durch Verursachen einer Kollision ein, fuhr gegen Ende der siebten Runde dann in die Wall of Champions rein und riss Bastian Paisler mit und am Ende sollte er durch einen Fehler im ersten Sektor schließlich das Auto in die Wand setzen und die folgenreiche Safety-Car-Phase und später roten Flagge auslösen.

Nun gilt es für Fischer, in den letzten drei Rennen einigermaßen zu überzeugen und die für sich maximale Punkteausbeute zu ergattern, ansonsten dürfte die Scuderia Cesario möglicherweise sogar noch hinter Clipper auf Platz 6 abfallen.



Autor: Jörn Georg Dicks