Dicks' Dreier - Die Tops und Flops des VFC-Malaysia GP 2021

Vor allem der Regen prägte diesen Grand Prix von Malaysia, aber auch eine wahrlich dominante Leistung von Pascal Pohlenz oder auch eine folgenhafte Entscheidung an der Boxenmauer. Jörn Dicks präsentiert seine Tops und Flops.


Tops


Yannik Barwig

Wer hätte damit gerechnet? Vor dem Rennen regte sich Yannik Barwig als Lautester über die Strecke von Kuala Lumpur und ihre Gegebenheiten auf, fluchte teilweise so stark, dass man es im ganzen Fahrerlager hörte. Der Wurm war vor der Qualifikation und dem Rennen augenscheinlich drin.

Und dann plötzlich die Überraschung. In der Qualifikation setzte Barwig eine schnelle Runde, die im ersten Moment sogar besser war als die seines in letzter Zeit sehr starken Teamkollegen. Am Ende waren es nur 19 tausendstel, die Wollborn vor Barwig lag. So knapp war es nach dem Spanien GP schon lange nicht mehr zwischen den beiden Newman-Fahrern.

Das Rennen verlief für Barwig dann ähnlich gut. Im ersten Stint konnte Barwig Sven Schubert die ganze Zeit hinter sich halten, nach der Boxenstoppserie konnte er durch einen Overcut und konstant schneller Fahrweise sich vor Kevin Peters und Marc Schlüter behaupten. Und im Regen wurde diese Konstanz fortgesetzt und es hätte wohl zum Podium gereicht, wenn nicht ein bestimmter Russia-Pilot eines seiner besten Rennen im Regen hatte. Dazu hatte sich der Heidelberger mit dem Sprit vertan. Barwig verdient trotzdem auf jeden Fall den Platz in der Topliste.



Marc Schlüter

Wo wir gerade bei Russia-Piloten sind: Auch Marc Schlüter verdiente sich durch seine Leistung im Rennen einen Platz in der Topliste. Die letzten Rennen von Schlüter zeigen eine positive Entwicklung, vom schnellen aber unvorsichtigen Fahrer zum schnellen und konstanten Piloten. Einzig das Rennen vor Malaysia in Silverstone ist da sozusagen ein Schandfleck, der aber eher mit der Hardware zusammenhängt.

Nun aber zu Malaysia. In der Qualifikation alles rausgeholt, startete Schlüter von P5 und konnte gleich zeigen, dass er mit den Fahrern vor sich gut mithalten konnte. Das setzte den Grundstein für das Podium; durch den Beam von Sven Schubert gewann Schlüter einen Platz und konnte sich voll und ganz auf Yannik Barwig konzentrieren. Doch dann kam Schlüters vermeintlich größter Gegner, seine persönliche Achillesferse: Der Regen zur Mitte des Rennens. Und zur Überraschung vieler Fahrer und der Presse, die ihn vorher noch als keinen Regenfahrer einstufte, fuhr Schlüter weiter vorne mit, kam mit dem Regen klar und wurde schneller. Dadurch konnte er Druck auf Yannik Barwig erzeugen und ihn schließlich zehn Runden vor Ende überholen. Das Schlüter so im Regen ablieferte war für viele überraschend, was dem Russia-Piloten vor allem in den Interviews Genugtuung verschaffte. Der Platz in der Topliste ist somit verdient.

Pascal Pohlenz

Eine Machtdemonstration. Pascal Pohlenz und Clipper sind zurück auf dem obersten Treppchen und dominieren dabei jeden. Das kündigte sich vom Anfang an so an. Mit neuem Motor und Updates kam Pohlenz mit den Anspruch nach Malaysia, den zweiten Sieg in dieser Saison einzufahren und nochmal anzugreifen. Und das spiegelte sich in der Zeit im Qualifying deutlich wieder: Fast fünf Zehntel drückte Pohlenz seinem nächsten Konkurrenten auf, sicherte sich seine vierte Pole in dieser Saison.

Und diese Art der Machtdemonstration setzte "Polle" nach Start des Rennens genauso fort; nach zwei Runden hatte er schon zwei bis drei Sekunden Vorsprung und baute diesen weiter aus. Das ging jedoch auf Kosten der Reifen, was man bei Clipper aber voll eingeplant hatte. Selbst mit einer Vier-Stop-Strategie und einem trockenen Rennen hätte Pohlenz wohl gewonnen.

Der Regen war dann ebenfalls kein Problem. Keine Risiken wurden eingegangen, früh ging man auf die Regenreifen und traf so die beste Entscheidung gegenüber der Konkurrenz. Von da an fuhr Pohlenz das Rennen sicher nach Hause und schlug dazu den Regenmeister Jannis Wollborn in seiner Paradedisziplin. Der Platz in der Topliste ist also absolut verdient.



Honorable Mentions = Cooper McAllister, Alexander Kraft

Flops


Johannes Greulich

Johannes Greulich ist nicht oft in dieser Art von Listen. Schließlich weiß man, dass der Bayer nicht der schnellste und erfahrenste Fahrer ist und sich mit dieser VFC-Saison nur einen kleinen Traum und Wunsch erfüllt. Dementsprechend ist Greulich selten ein Top oder Flop. Dieses Mal ist es aber anders.

Das hat vor allem mit der Leistung während der Regenfälle zu tun. Zu Beginn des Rennens startete Greulich auf dem harten Reifen und blieb lange unauffällig. Hier und da ein kleiner Fehler, eine kleine Anbandelung mit anderen Fahrern, jedoch nichts besonderes. Das änderte sich mit dem Regen: Jede Runde war dabei fast über fünf Sekunden langsamer auf den nächsten Fahrer vor ihn, teilweise sogar bis zu zehn. Dazu machte Greulich sehr oft viele und auch gefährliche Fehler, die bei einigen Fahrern fast zum Ende des Rennens bzw. zu einer Reperatur geführt hätten.

Gegen Ende des Rennens wurden die Rundenzeiten dann nochmals langsamer und er fuhr teilweise 15 Sekunden langsamer pro Runde. Somit beendete Greulich das Rennen auf dem letzten Platz, mit über vier Runden Rückstand. Deutlich zuviel für einen VFC-Fahrer.

Scuderia Cesario bzw. Gonzalez Cattivo

Alles war angelegt für die letzte große Offensive auf den Fahrertitel und die Verteidigung des vierten Platzes in der Team-WM, vielleicht sogar die Attacke auf den dritten Platz gegen Cliffort Royal Racing. Doch am Ende war es für Cesario kein zufriedenstellender Grand Prix. Dabei begann das Rennen für die Scuderia nicht schlecht. In der Qualifikation das Maximum vorne rausgeholt und hinten mit Larry Fischer eine ordentliche Ausgangslage geschaffen, was für ein paar Punkte hätte reichen sollen. Mehr wollte man nicht.

Und auch die ersten paar Runden begannen vielversprechend. Larry Fischer fuhr sofort in die Punkteränge, Lukas Schmidt blieb an der Konkurrenz dran und kämpfte um den dritten Platz auf dem Podium.

Doch mit dem aufkommenden Regen traf Gonzalez Cattivo an der Boxenmauer eine folgenschwere Entscheidung: Während die Strecke nasser und nasser wurde, sollten beide Fahrer auf Trockenreifen draußen bleiben, man spekulierte nur auf einen kurzen Schauer. Die Bedingungen wurden von Runde zu Runde jedoch schwieriger, aber man blieb bei der Taktik. Das führte dann später bei Larry Fischer zu einem traurigen Rekord: Die längste Runde in dieser VFC-Saison, ganze fünf Minuten war sie lang. Als man schließlich Lukas Schmidt und Fischer reinholte, war es zu spät. Fischer fiel auf P20 zurück, Schmidt auf P11, er konnte sich aber noch den achten Platz sichern. Cattivo zu der Entscheidung später: "Wir sind mit Lukas ein Risiko gegangen und waren uns einig, es einzugehen. Larry hätten wir auf jeden Fall reinholen sollen, es tut mir wahnsinnig leid, dass er dieses Mal nicht punkten konnte." Noch ist auf jeden Fall nichts verloren. Doch leider ist die Scuderia bzw. Gonzalez Cattivo einer der Flops in diesem Rennen.

Fabian Jungbluth / Daniel Bentenrieder

Ein richtiger Flop sind Jungbluth und Bentenrieder nicht, eher eine kleine Enttäuschung. Bei Jungbluth war es die nicht optimale Qualifikation, in welcher er seinen Russia-Boliden auf Platz 14 stellte. Im Vergleich zu seinen Teamkollegen Marc Schlüter, der den Wagen auf P5 setzte, war dies eine magere Leistung. Der Start war dann ebenfalls nicht gut, Jungbluth kam überhaupt nicht weg, der Wagen übersteuerte und er verlor viele Positionen. Im Versuch, diese Positionen zurück zu gewinnen, führte Jungbluth ein sehr optimistisches Manöver in Kurve 4 durch, was in einem Dreher und das Zurückfallen auf den letzten Platz mündete. Er konnte sich zwar auf P14 zurückkämpfen, aber man hätte deutlich mehr aus diesem Grand Prix machen können.

Bentenrieder auf der anderen Seite hatte vor allem mit einem durch die Kollisionen zu Beginn des Rennens mit einem krummen Auto zu kämpfen. Doch der Bayer machte das beste draus und fuhr konstant auf P11 vor seinem ersten Stopp vor. Ohne den Regen hätte ein gutes Ergebnis gewunken, doch dieses "Hätte" trat nicht ein, was vieles änderte: In den Bedingungen kam Bentenrieder nicht zurecht, machte viele Fehler und gefährdete andere auf der Strecke. Später musste er dann nochmal wegen einer Reperatur an die Box und beendete das Rennen durch eine schwache, zweiten Phase auf P17. Nach dem starken Rennen in Silverstone mit Sicherheit eine Enttäuschung.



Autor: Jörn Georg Dicks