Die große VFC-Designer-Analyse; von 2020 bis heute: Teil 1

Vieles in der VFC hängt beim Bau des Autos vom Designer und dem Designerteam ab. Sie bestimmen die Ressourcen des jeweiligen Teams beim Autobau und, ob das Fahrzeug eher stark, mittelmäßig oder schwach wird. In den letzten Jahren gab es hierdurch, auch abhängig vom Budget, einige Verschiebungen im Feld und der Stärke der Teams. Es ist daher an der Zeit, 15 Designer vorzustellen, die zwischen 2020 bis heute in der VFC aktiv waren und sind. Dies ist der erste von drei Teilen, die beiden nächsten erscheinen morgen bzw. übermorgen vor dem Test!



Peter Smith (Manziel GP 2021)

Bei den US-Amerikanern von Manziel GP war beim Einstieg in die VFC Saison 2021 von Anfang an das Geld knapp. Und so musste man sich mit dem jungen australischen Designer Peter Smith begnügen, der im Jahr 2020 noch frei auf dem Markt war. Der 30-Jährige konnte mit seinem günstigen Preis vor der Saison und seiner Expertise im Bereich der Hauptkomponente eines Autos punkten, weshalb er dann auch von Teamchef Travis Carter für 2021 verpflichtet wurde.

Wie besagter Peter Smith aber durch das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Australien gekommen ist, bleibt ein Rätsel. Denn mit den Preseason-Tests zeigte sich schnell, dass dem Australier mit dem Manziel kein gutes Auto gelungen war. Und das wurde in den ersten Rennen, trotz einiger Punkteausbeuten, immer klarer. Zu langsam war der Wagen, fuhr sich teilweise wie ein Klotz und verhielt sich für die Fahrer Steinhauer und Carter unberechenbar. Dass Chefdesigner Smith dann auch kaum Erfahrungen mit der Entwicklung durch die Saison hinweg hatte, tat ihr Übriges und machte die Seuchensaison für Manziel perfekt.

Und so verwundert es nicht, dass Teamchef Travis Carter den jungen Australier gerne loswerden wollte und dies auch getan hat. Wahrscheinlich mit einem herzlichen "Get the fuck outta here!" Momentan ist Smith arbeitslos und verbringt seine Tage laut Gerüchten am Strand in Perth.



James Kingsley (Cliffort 2020-2021 / Manziel GP 2022)

Als Ersatz für den gescheiterten Peter Smith hat Travis Carter bei Manziel den deutlich erfahreneren James Kingsley von Cliffort Royal Racing geholt. Der 37-jährige Kanadier ist nach Smith zwar der zweitjüngste Designer in der VFC, aber sein junges Alter scheint Innovationen und neue Ideen zu fördern. Und er wird mit jedem Jahr besser.

Schon 2020 baute Kingsley ein Auto, welches für einige Überraschungen gut war und sich als starkes Mittelfeldauto erwies. Insgesamt 136 Punkte, einen Sieg und vier Podien durch Steven Lexow, Cooper McAllister und Alexander Kraft konnte man verbuchen, die Saison schloss man bei Cliffort auf Platz 6 ab. Teamchef Dominic Röhken war überzeugt und verlängerte mit dem jungen Kanadier, der dieses Vertrauen zurückzahlte. Kingsley baute ein Auto, welches mit seiner guten Kurvengeschwindigkeit komfortabel im vorderen Mittelfeld und teilweise der Spitzengruppe mithalten konnte und dem Team zu zwei Siege und mehrere Podien verhalf. Das einzig größere Manko war zwar der Motor, aber damit hatte Kingsley nichts zu tun.

Trotzdem gab man den Kanadier für 2022 ab, weil man vorne voll angreifen wollte und daher

einen neuen Designer verpflichtete. Und so hat sich Manziel GP Kingsley geschnappt und damit sich die Möglichkeit eröffnet, ein vernünftiges Auto mit guter Entwicklung über die Saison hinweg zu bauen. Und das auch noch relativ günstig. Für den Kanadier dürfte es die Chance sein, sich wieder einmal zu beweisen und ein Hinterbänklerteam ins Mittelfeld zu katapultieren. Für einen jungen Designer wie Kingsley eine weitere Chance, es den großen Teams zu zeigen.



Dean West (Clipper 2020-2021 / Beta Giulia 2022)


Dean West kennt den Erfolg. Der heute 66-jährige Brite war bei Clipper seit 2020 und hat immer Autos gebaut, die den kleinen oder großen Erfolg brachten, selbst, wenn er nicht sofort da war. Wenn man sich die Daten von West ansieht, kann man sofort erkennen: Der Mann hat Erfahrung und das reichlich.

2020 war so etwas wie eine Ausnahme. Das Auto war nicht schlecht, aber die Fahrer konnten das Potenzial des Autos nicht ausnutzen. Dazu fehlte es etwas an Entwicklung und der Motor war ein Desaster. Doch mit dem Wechsel von Pascal Pohlenz zu Clipper änderte sich viel: Ein Sieg in Japan war das versöhnliche Ende einer schwierigen Saison. Pohlenz übernahm für 2021 die Position des Teamchefs und schenkte Dean West erneutes Vertrauen. Und dies zahlte der erfahrene Brite zurück.

Mit der Mischung aus einem wendigen und schon zu Beginn der Saison starken Auto, dem kräftigen Cesario-Motor und Pascal Pohlenz als einen der besten Fahrer in der VFC war der Clipper 2021 ein Wagen, mit dem man immer rechnen musste. Pohlenz holte drei Siege und mehrere Podien und wäre wohl ein Kandidat auf den Titel gewesen, wenn er denn bei jedem Rennen dabei gewesen wäre. Nichtsdestotrotz, der Clipper aus 2021 dürfte Wests ganzer Stolz sein. Die Synergie war da, alles griff ineinander.

Und so überrascht es, dass West für 2022 bei Beta Giulia angeheuert hatte. Waren es persönliche Differenzen mit Pohlenz oder sucht der Brite eine neue Herausforderungen bei der Torino Car Group? Sicher ist eins: Beta Giulia hat einen erfahrenen und starken Designer, der sich immer an neue Gegebenheiten anpassen kann. Mit den Italienern ist also zu rechnen.



Manuel Villa (Equipo Saldo 2020 / Volksmobil 2021 / Scuderia CM Motorsport 2022)

Den Spanier Manuel Villa richtig zusammenzufassen oder sogar einzuschätzen ist schwierig. Nie bleibt der 44-Jährige lange an einem Ort, springt immer von Team zu Team. Dazu hat Villa eine interessante Designphilosophie: Zu Beginn der Preseason baut der Spanier immer ein unglaublich starkes Auto, welches sofort vorne mitfahren kann. Doch diese Energie, die Villa immer vor der Saison aufbringt, ist dann für den Rest des Jahres augenscheinlich verbraucht. Als bräuchte der Spanier eine Siesta, um seine Kapazitäten wieder aufzufüllen. Hin und wieder vielleicht ein wenig Entwicklung und dann auch nicht zu viel. Trotzdem, es funktioniert.

2020 stieg Villa damals bei Saldo ein. Das Auto dürfte Potenzial gehabt haben, aber die Fahrer konnten es teilweise nicht umsetzen. In Frankreich oder Belgien 2020 blitzte dieses Potenzial wiederum auf und das überzeugte Volksmobil, dem Spanier ein Angebot für 2021 zu machen, was Villa dankend annahm. Für 2021 war das Ziel klar, der Titel muss her. Und Villa baute ein Auto, welches bereits zu Beginn der Preseason als OP bezeichnet wurde. In den ersten Rennen war der Wagen auch extrem gut, Podien und Punkte konnte man regelmäßig einfahren. Doch es fehlte an Entwicklung und die sah man ab der Mitte der Saison.

Der VM war schnell, keine Frage, aber im Titelkampf muss man mit der Konkurrenz Schritt halten können. Und das gelang Villa nicht. Die Team-WM konnte erreicht werden, doch mit der kommenden Saison 2022 trennte man sich von Villa, die zukünftige Design-Philosophie passte nicht überein. Gefragt war der Spanier für 2022 aber ohnehin.

Am Ende entschied er sich, nach Angeboten von zwei bis drei Spitzenteams, schließlich für Scuderia CM Motorsport. Er sieht dies laut Berichten als eine neue Herausforderung an, um zu zeigen: Ich kann ein Team, welches '21 im hinteren Feld zu finden war, nach vorne katapultieren. Vielleicht wird sich der Spanier dann nicht nach der Preseason in seine Siesta-Stasis verfallen, die ihm bisher immer zurückgehalten hat.



Jari-Matti Korhonen (Clipper 2022)

Jari-Matti Korhonen. Ein Name wie er finnischer nicht sein könnte. Der neue Chefdesigner für Clipper ist wie viele der Finnen ein eigentlich introvertierter Charakter, dafür blüht er in Gesprächen über Designs am Auto regelrecht auf und kann gar nicht mehr aufhören. Und Korhonen kennt sein Handwerk: Ursprünglich kommt der Finne aus der Langstreckenweltmeisterschaft und hat dort LMP2s exklusiv für Polkka Racing gebaut. Dort feierte er einige Erfolge, bis er dann aus Spaß damit begann, Formel-Autos zu designen. Einige dieser Prototypen von ihm wurden schließlich vom Papier auf die richtige Rennstrecke gebracht und überzeugten die Investoren. Für 2022 bot der entwicklungsfreudige Finne schließlich seine Dienste in der VFC an. Zwar nicht ganz billig, aber schließlich ist Korhonen auch kein Anfänger.

Diese Entwicklungsfreude überzeugte Pascal Pohlenz, der den Finnen für 2022 bei seinem Clipper Team verpflichtete. Dort wird Korhonen wohl auch mit der Designphilosophie herangehen, die ihn schon in der LMP2 ausgemacht hatte: Das Auto konstant und auf einer starken Grundlage weiterentwickeln. Ob das funktioniert, wird sich zeigen.



Autor: Jörn Georg Dicks