Die große VFC-Designer-Analyse; von 2020 bis heute: Teil 3

Aktualisiert: 26. Jan.

Der letzte Teil der Designer-Analyse für 2022. Es geht um erfahrene Senseis, den Weltmeister-Designer aus 2020 und einen Neuankömmling aus den USA. Viel Spaß beim Lesen.



Manabu Oda (Razor GP 2020 – 202x)

Bastian Paisler ist ein Freund von Kontinuität und Treue. Seit seinem Einstieg in die VFC nutzt der deutsche Teamchef gerne dieselben Teamfarben fürs Auto, wobei vor allem das Chrom oft durchkommt. Dazu behält Paisler oftmals die Fahrer, die er verpflichtet hat, oft für mehrere Jahre, und gibt ihnen auch neue Chance, sollte kein Platz bei Razor sein, so z.B mit Lorenzo de Ciutiis 2021. Dieses Prinzip der Treue und Kontinuität wendet Paisler auch bei seinem Chefdesigner Manabu Oda an. Der mittlerweile 72-jährige Japaner hat Erfahrung wie kein Zweiter, kennt sich in der Entwicklung eines Autos über die Saison großartig aus und liefert wichtige Updates, die alles kontinuierlich verbessern. Dabei hat sich der Japaner vor allem darauf spezialisiert, mit dem Wagen alles aus einem Reifen herauszuholen, von Haltbarkeit bis hin zur Performance.

Und das funktionierte gerade in 2020 großartig. Im Verbund mit einem extrem starken Bastian Paisler, den Greenfield-Reifen und Manabus Design-Philosophie war die Saison ein großer Erfolg. Zwei Siege, mehrere Podien und Platz 3 in der Fahrer-WM standen am Ende zu Buche. Bei den Rennergebnissen sah man dazu regelmäßig, wie die Razors mit nur einem Stopp durch das Rennen kam.

Darauf wollte Manabu 2021 aufbauen, allerdings machte ihm eine schlechte Vorbereitung und die deutlich weicheren Yasuda-Reifen einen Strich durch die Rechnung. Der Razor war unglaublich langsam, zumindest in den ersten Rennen der Saison. Doch der japanische Chefdesigner gab nicht auf, brachte Rennen für Rennen Updates, die das Razor-Auto langsam in der Performance nach vorne spülten. Ab San Marino gab es bis auf zwei Rennen nun regelmäßig Punkte, man konnte um die hinteren Punkteränge endlich mitkämpfen. Und so schaffte man im letzten Rennen mit der besten Punkteausbeute des Jahres in Japan, Manabus Heimatland, den Sprung auf Platz 8 der Team-WM. Ein halbwegs versöhnliches Ende, was wohl Paisler dazu bewog, den Japaner ein letztes Mal zu verpflichten. Manabu Oda hat nach 2022 seinen Rücktritt angekündigt, aber fürs Erste wird der Japaner versuchen, Razor wieder ein vernünftiges Auto zu bauen.



Gabriel Valley (FSR 2020 / Russia GP 2021 – 202x)

Gabriel Valley stellt sich gerne als der Designer vor, der FSR und Kevin Peters 2020 zum Titel verholfen hatte. Eine gewisse Einbildung ist beim 54-jährigen Briten also da und manche Leute nervt dies natürlich. Das Problem ist dabei, dass Valley weiterhin liefert. Seit FSR 2020 geschlossen wurde und Valley ’21 zu Russia GP ging, hat sich seine Performance in Sachern Entwicklung nicht wirklich verschlechtert. Der Mann hat eher für eine Überraschung gesorgt, als er, entgegen aller Vorsaisonsdaten, ein Auto auf die Strecke stellte, was um Siege mitkämpfte. Aber der Reihe nach.

2020 wurde Valley bei FSR von Teamchef und Fahrer Trim Brendel angeheuert, der ihm und seinem Teamkollegen Kevin Peters ein Auto hinzauberte, was schon zu Beginn solide war und im Verlaufe der Saison immer besser wurde. Regelmäßig gelangen Siege, Podien und hohe Punkteplatzierungen, Tim Brendel trägt dazu den Rekord für die meisten Pole-Positions in einer Saison. Das Auto war im mittleren Saisonteil das Schnellste im Feld, fiel aber etwas hinten heraus ab. Trotzdem, es reichte für beide Titel in der VFC Saison 2020, Peters krönte sich zum Weltmeister. 2021 schloss FSR seine Pforten und Valley wurde von Russia GP angeheuert, dass mit einigen (zwielichtigen) Deals große Summen an Geld zur Verfügung hatte und sich somit Valley leisten konnte.

Und der fuhr da fort, wo er 2020 aufgehört hatte. Der Russia GP war zu Beginn ein schneller Wagen und Marc Schlüter quetschte alles aus ihm heraus. Ab dem zweiten Saisondrittel konnte der Russia dann mithilfe von Valleys Updates als eines der besten Autos im Feld bezeichnet werden, was z.B die Doppelpole in Italien zeigte. Allerdings reichte es nur für einen Sieg in der gesamten Saison, da Pech und Schlüters übereifriger Charakter die ersten zwei Saisondritteln dominierten. Doch das Jahr war erfolgreich und man schloss Platz 4 in der Team-WM ab. Man behielt den etwas eingebildeten Briten für 2022 und hat dabei ein Ziel im Auge: Den Fahrertitel. Sollte Valley wieder ein so gutes Auto wie 2020 und 2021 hinstellen, ist dies im Bereich des Möglichen.



Sultan Bardacki (Equipo Saldo 2021-202x)

Der türkische Designer Sultan Bardacki ist ein Charakter, der die Balance liebt. Der 44-Jährige ist beim Preis relativ günstig zu haben gewesen, steht für großartige Interna bei den Hauptkomponenten des Autos und ist in der Entwicklung über die Saison hinweg sehr versiert. Doch sein großes Problem ist die Preseason; Bardacki scheint immer wieder die Entwicklung vor der Saison zu verschlafen bzw. einiges hinzuschludern. So als halte er die Balance zwischen schlechten und guten Eigenschaften als Designer. Überraschenderweise war der 2021er Saldo aber zu Beginn der Saison gleich bei der Musik, Luca Zorn holte in Australien die ersten Punkte, während Jannik Maleika durch einiges Pech das Rennen auf P23 beendete.

Doch schon im zweiten Rennen konnte man bei Saldo jubeln, als Maleika seine erste Pole-Position in den Mischbedingungen von Kyalami gelang. Bardacki schien mit dem Saldo ein Coup gelungen zu sein, der Wagen war ein extrem starkes Mittelfeldauto, welches sich vor allem an Zorns und Maleikas Präferenz anpasste, wenig zu trainieren. Man brauchte im Saldo schlichtweg kaum Eingewöhnungszeit; das zeigt sich am Beispiel von Morgan Freeway, der in Monaco sprichwörtlich ins Auto geworfen wurde und durch eine konstante Fahrt am Ende in den Punkten stand.

Und so mauserte sich Bardacki zu seinem Ruf, für Überraschungen gut zu sein. Ob ihm dies in der neuen Saison gelingt, ist eher fraglich, dass Auto scheint auf den ersten Blick nicht so stark zu sein, Fabian Jungbluth soll sich laut Berichten öfters beschwert haben. Die ersten Vergleiche mit dem '21er Razor wurde wohl schon gezogen. Das dürfte dann aber Hoffnung machen, schließlich war der Razor gegen Ende der '21er Saison ein passables Mittelfeldauto. Und Bardacki weiß, wie man über die Saison entwickelt, so muss man sich bei Saldo in Geduld üben.



Antonio "Mo" Zarella (Scuderia Cesario 2020 / Beta Giulia 2021)

"Schuster, bleib bei deinen (nationalen) Leisten". So dürfte Antonio Zarellas Lebensmotto sein, wenn es um die GSO und VFC geht. Der mittlerweile 39-jährige Italiener ist nach der 2021er Saison bei Beta Giulia dafür bekannt, bestimmte Konzepte umzusetzen, die ausdrücklich gewünscht werden. Das kann gut funktionieren, muss es aber nicht. Die Karriere von Zarella ist daher Licht und Schatten zugleich. Und die immer italienisch war.

2020 war Zarella bei der Scuderia Cesario unter Vertrag. Und es war wohl der Tiefpunkt der Scuderia schlechthin. Nachdem man den dritten Platz in der Team-WM 2019 geholt hatte und mit Pascal Pohlenz Vizemeister geworden war, fiel man im darauffolgenden Jahr komplett ab. Das Auto war vieles, nur nicht gut. Regelmäßig fuhr man außerhalb der Punkte, nach zwei Rennen sprang sogar Pascal Pohlenz frustriert ab, ein Sinnbild für die Saison der Scuderia. Für viele dieser Probleme stand Zarella selbst, fallen lassen wollte man den Italiener aber nicht; er wurde an Beta Giulia für 2021 übergeben.

Dort wollte Zarella nun die Wünsche des Teamchefs Johannes Greulich genau erfüllen. Greulich stellte die Forderung, das Auto nach einem radikalen Geschwindigkeitskonzept zu bauen, was den Konkurrenten im hinteren und vorderen Mittelfeld auf den Geraden davon fahren würde. Und das setzte Zarella genauso um und baute so ein Auto, welches ein regelmäßiges Ärgernis für viele Fahrer wurde. Die Pace des Betas zeigte sich auch gleich im ersten Rennen, wo Jan Winter, auf einer kurvenreichen Strecke, lange Zeit auf Platz 8 fuhr. Auch die kommenden Rennen wurden sozusagen zur Offenbarung, dass Zarella tatsächlich vernünftige Rennwagen bauen kann. Am Ende war dann nur viel Pech dabei, so dass Beta Giulia nicht höher als Platz 10 in der Team-WM stand. Trotzdem verlängerte man den Vertrag mit Zarella nicht. Das Konzept für 2022 würde ein anderes werden, weshalb man den Italiener freigab.



Tom Connery (Cliffort 2022)

Lange hatte der US-Amerikaner Tom Connery darum geworben, in ein VFC-Team aufgenommen zu werden. 2020 und 2021 noch ohne Vertrag, hat er endlich von sich überzeugen können und findet sich im Cliffort-Team wieder. Die Skepsis gegenüber Connery dürfte bei einigen bisher berechtigt gewesen sein, schließlich kommt er aus den USA und die sind eher für Indycars bekannt anstatt für Formelfahrzeuge, die aerodynamisch und abtriebtechnisch sehr viel komplizierter und sensibler sind.

Doch Connery strafte während der Entwicklung des Clifforts für 2022 bisher allen Lügen. Schon jetzt dürfte das Auto der Briten eines der besten im Feld sein, Cooper McAllister und der damals noch Stammfahrer Kevin Peters konnten einige richtig starke Zeiten auf den Testservern setzen und damit beweisen, dass mit dem Auto zu rechnen ist. Zwar ist statt Peters nun Yannik Barwig dabei, aber die Qaulität des Teams tut das keinen Abstrich, schließlich war Barwig in der letzten Saison ein doch konstanter Fahrer, der gegen Ende immer schneller wurde, auch durch die starke Entwicklung des Newmans 2021.

Connery steht dabei eher für ein umgekehrtes Konzept als der Newman 2021, das Cliffort-Auto soll von Anfang an schnell sein, was Barwig und McAllister zugutekommen dürfte. Möglicherweise dürfte der Cliffort gegen Ende der Saison etwas abfallen, aber vielleicht hat man bis dahin genug Siege und Podien für ein starkes Ergebnis in der Team-WM geholt. Und das dürfte den US-Amerikaner Connery freuen, schließlich muss er sich noch in der VFC beweisen.



Autor: Jörn Georg Dicks