Die Russen Legende macht Schluss – Ein Abschied der keiner ist

Geld spielte für Wladislav, älterer Sohn der Familie Russinov, nie eine Rolle. Höchstens wenn er die ebenso fehlerhaften wie unorthodoxen Versuche seines jüngeren Bruders Yuri in der Simracing Welt Fuß zu fassen, auslösen musste. Seine Lust am ernsthaften Racing kam und ging, davongetragen von russischen Klängen, hübschen Frauen und dem guten alten Wodka.


Als Wladislav Russinov 2012 auf der Bildfläche erschien, wusste er seine Argumente sofort anzusprechen: „Ich habe Geld, ich will fahren.“

Jahre später würde er reflektieren: „Am meisten Spaß hat mir immer gemacht, andere groß zu machen, ich war es ja schon.“


Russinov gewann mit dem Luxemburger Alain Forain die AMC 2013, hatte beste Kontakte im Fahrerlager und verlor doch immer wieder den Spaß an seinem Hobby. Anderes schien mindestens genauso wichtig. In Russland würde man sagen: „Ohne Ziel, kein Weg.“

So waren es meistens die guten Charaktere, welche er magisch anzuziehen vermochte, die sein Team und seine Karriere am Laufen hielten. Man denke an die legendären Facebook Beiträge von Alf Ronso, die Siege von Forain und den zweiten GSO-Mexikaner: Checo Wilson.

Wenn er ein Rennen mal ernst nahm und nicht im eigenen Umfeld unterwegs war, gewann er. 2013 war der Auftaktsieg der Division 2 Seiner. Er fuhr für das Blue Horns Konstrukt eines Landsmannes, der ebenfalls für seine Sprunghaftigkeit bekannt war: Dominic Röhken. Dabei sollte es bleiben. Kein Wunder: Bei seinem Sieg in Adelaide hatte er sogar Zeit einem Konkurrenten per „push“, in der letzten Runde, von einem Kerb zu helfen.




Er wusste danach ja, dass eigentlich so viel mehr gegangen wäre…

So reihte sich über die Jahre Comeback an Comeback. Als Fahrer und Teamchef. Es scheint ironisch, dass Russinov genau in dem Jahr als Fahrer in Ruhestand geht, in welchem er es als Teamchef endlich mal ernst meint.

Was bleibt am Ende: Die Antwort scheint „Vieles“ zu sein. Russinov hat sich nicht nur in die Historie der GSO, sondern auch in manches Herz manövriert.

Am Ende bleibt ein Teamchef erhalten, der mit seiner Truppe für Furore sorgen wird.



In Russland würde man wohl sagen: „Du musst es so machen, wie in den alten Filmen. Der Held reitet am Schluss dem Sonnenuntergang entgegen.“





Autoren: Michael Kosbau und Nico Postkämper