Division 2 – Rennbericht Großbritannien GP: Kolvenbach verschenkt den Sieg kurz vor Schluss


Groß war die Vorfreude auf die Eröffnung der britischen GSO-Woche gewesen. Trotz rein taktischer Phasen bot der Großbritannien GP der D2, aber einiges an Action und Dramatik. Nachdem Heiko Kolvenbach (Buttler-Pal) lange wie der sichere Sieger aussah, wurde Jan Winter in der Schlussphase überraschender Führender und gewann schließlich das Rennen in Silverstone. Mit seinem dritten Saisonsieg ist der Meisterschaftstitel für den Kostec Piloten nun zum Greifen nah. Die Chancen auf den Titelgewinn beim nächsten Rennen in Japan nicht gerade klein. Die Konkurrenten von Afelian Racing erlebten dagegen ein eher frustrierendes Rennen. Sie verloren durch Rang drei und vier weiter an Boden in der Meisterschaft.

Dass es für das Team an diesem Abend schwer werden würde, deutete sich bereits in der Qualifikation an. Wenig überraschend sicherte sich Heiko Kolvenbach nach Trainings-bestzeit auch hier mit einer 1:34.027 den Platz an der Sonne. Unerwartet war hingegen die Zeit von Jan Winter, der Kolvenbach um nur fünf Tausendstel verpasste. Die Afelian Piloten hingegen kamen nicht ganz an die Zeiten heran und positionierten sich in der zweiten Startreihe. Erstaunlich schnell zeigte sich auch Morgan Freeway. Der KFZ-Service-Schubert Manziel GP Pilot fand sich nur sechs Zehntel hinter den Top-4 wieder und wurde so vor Philipp Feckeler (Cliffort) zum Best of the Rest. Debütant und Rückkehrer Simon Core (Team GSO) wurde Zölfter während sich Freeways Teamkollege Stefan Schubert überraschend auf Rang 11 qualifizierte.

Direkt zum Rennstart fiel dann wieder einer der Manziels positiv auf. Während an der Spitze die Reihenfolge gleich blieb, überholte Morgan Freeway durch ein spektakuläres Manöver auf der Außenbahn beide Afelians und konnte sich so erst einmal auf Rang drei positionieren. An der Spitze begann sich Heiko Kolvenbach indessen direkt abzusetzen. Durch den langsameren Freeway konnte so auch Jan Winter Puffer zwischen sich und seine beiden Kontrahenten Jörn Dicks und Alexander Hess bringen.

Diese bissen sich indessen die Zähne aus und selbst kleine Fahrfehler Freeways sorgten vorerst nicht dafür, dass Dicks an ihm vorbeikam. So kam irgendwann der Punkt, dass man teamintern bei Afelian die Positionen tauschte. Alexander Hess übernahm das Verfolgungsruder und wurde kurze Zeit später belohnt. In Runde 8 Gelang ihm das Manöver gegen den Manziel. Jedoch viel zu spät. Jan Winter (Kostec) hatte zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Sekunden Vorsprung herausgefahren. Ein herankommen auf der Strecke schien beinahe unmöglich. Der Meisterschaftszweite Dicks hingegen hing auch im Anschluss noch eine Weile an Morgan Freeway, dessen Reifen nun radikaler abbauten. So kam auch Dicks nach mehreren Versuchen endlich vorbei und hatte dadurch ebenfalls schon fünf Sekunden auf den eigenen Teamkollegen verloren.

Doch auch im Mittelfeld gab es tolle Fights zu bestaunen. Gerade die beiden Falcon Piloten lieferten sich sehenswerte Manöver gegen Dominik Wiesner (Kostec) um Rang sieben. Philipp Feckeler (Cliffort), welcher zu Beginn noch Anschluss an die Spitzengruppe hielt musste mit der Zeit abreißen lassen und fuhr souverän sein eigenes Rennen, welches ihm bis zum Ende auch den sechsten Platz einbrachte.

Bis auf ein paar Dreher hielten die Piloten die Fahrzeuge überraschend gut auf dem Kurs. Zumindest bis Runde 21. Der wiedergekehrte Tobias Dorsch bewies nach magerem Trainingspensum Unsicherheit auf dem Curb in der Cops Kurve. Die Folgen waren fatal. Dorsch verlor die Kontrolle über den WR Racing und flog in Verstappen Manier in den Reifenstapel. Den kaum wiederzuerkennenden Wagen musste der alt eingesessene Routinier somit abstellen. Das hatte die erste und einzige Unterbrechung zur Folge, welche auch den Kampf um den Sieg entscheiden sollte. Die Rennleitung rief eine Full-Course-Yellow Phase aus, welche dem Führenden Heiko Kolvenbach nicht zu Gute kommen sollte. Zuerst wandte der Buttler-Pal Pilot die FCY Regel falsch an, bremste den Boliden ab, statt ihn ausrollen zu lassen und verlor dadurch bereits drei Sekunden Vorsprung auf seinen Verfolger Jan Winter.

Noch kurioser: Kolvenbach entschied sich in die Box zu gehen um neue Reifen aufzuziehen. Damit stand der im vorderen Feld alleine da. Eine Entscheidung, welche unter normalen Umständen wohl noch weiterhin die Führung bedeutet hätte oder zumindest den direkten Anschluss zu Winter. Stattdessen ging alles schief. Kolvenbach unterschätzte die abgekühlten Reifen und verpasste seinen Boxenplatz. Erst nach dem rücksetzen wurde er endlich hochgebockt. Im Anschluss kam er 2 Sekunden hinter dem Kostec Fahrer heraus und sah sich so in den letzten fünf Runden auf einmal mit einer nötigen Aufholjagd konfrontiert.

Diese sollte aber nicht mehr von Erfolg gekrönt werden. Das Überholen war mit den D2 Autos an diesem Abend in Silverstone keine einfache Sache und so gelang es Kolvenbach zwar noch die Lücke zu schließen, ein ernsthafter Überholversuch war aber nicht mehr um-zusetzen. Damit sicherte sich Jan Winter den dritten D2 Erfolg der laufenden Saison und baute so seinen Vorsprung auf beruhigende 10 Zähler vor Kontrahent Jörn Dicks (Afelian) aus. Dieser wurde am Ende Vierter hinter seinem Teamkollegen Alexander Hess und ist nun auf potenzielle Fehler Winters in den letzten beiden Saisonrennen angewiesen.

Wäre das Drama an der Spitze nicht schon genug gewesen ereignete sich noch eines im Mittelfeld. Als Christian Dittmer (Falcon) und Dominik Wiesner (Kostec) im Fight um Platz sieben auf den überrundeten Stefan Schubert (Manziel) aufliefen, kam es zum großen Knall. Schubert blieb auf der Ideallinie statt zur Seite zu fahren und so fuhr Dittmer mit voller Kraft auf. Die Folge war der Verlust des Frontflügels und ein ebenfalls auffahrender Dominik Wiesner, welcher die Situation ebenfalls unterschätzt hatte. So verlor Dittmer noch seinen Heckflügel. Auch Wiesner musste seine Nase reparieren lassen und so kamen beide in die Box.

Nutznießer dieser Szene wurde am Ende Stefan Cerne. Der zweite Falcon Pilot zeigte sein bis dato stärkstes Saisonrennen und beendete selbiges letztlich auf dem siebten Platz vor Dominik Wiesner. Dahinter holten sich die ebenfalls kämpfenden Patrick Newman (Archer GP) und Simon Core (Team GSO) die letzten Punkteplätze.

Autor: Julian Kopp Hier geht’s zur Wiederholung des D2-Großbritannien GP 2021:

Das komplette Rennergebnis:

Der aktuelle WM-Stand: