Ein hinteres Mittelfeld, welches keins ist – Die große Saisonanalyse der VFC 2021 – Teil 2

Im zweiten Teil der VFC-Saisonanalyse wirft Redakteur Jörn Dicks einen Blick auf die Teams des hinteren Mittelfelds. Dies sollte man aber mit Vorsicht genießen, denn ein wirklich hinteres Mittelfeld gab es nie, dafür mischte sich bei jedem neuen Grand Prix das Feld kräftig durch. Gerade die Punkteausbeute der Teams spiegelt oftmals nicht die Realität der VFC-Saison 2021 wider.

R-cademy


Das kleine Schwesterteam von Razor GP ging 2021 das insgesamt dritte Mal (das erste Mal als selbstständiges Team) an den Start, unter anderem aus dem Grund, damit die Fahrer des doch relativ üppig besetzten Razor-Kaders einen Platz in der VFC-Saison 2021 haben konnten. Ein überschaubares Budget aber ein guter Designer sollte dabei den neuen Fahrern unter die Arme greifen. Und die waren auf dem Papier ein starkes Nachwuchsgespann. Der heißspornige Italiener Lorenzo de Ciutiis wurde von Teamchef Bastian Paisler von Razor nach R-cademy geschickt während man den vielversprechenden Alexander Kraft verpflichtete, der schon 2020 sein Talent zeigte.


Und gleich zu Beginn der Saison zeigte sich, dass Paisler auf das richtige Pferd gesetzt hatte. Bereits im ersten Rennen in Australien stellte Kraft sein Können unter Beweis und fuhr auf Platz 10 die ersten Punkte ein. Und das während Razor GP, das Mutterteam von R-cademy, chancenlos im hinteren Feld herumfuhr. In San Marino, drei Rennen später, gelang erneut ein starkes Punkteergebnis, wieder vor den Razors, jedoch denkbar knapp, denn Paisler und Kraft fuhren nebeneinander über die Linie. Und auch hier sammelte Alexander Kraft wieder eifrig die Punkte und das nach einer starken Leistung im Rennen. Schon jetzt konnte man sehen, dass der R-cademy ein gutes Fahrzeug mit einem starken Nachwuchsfahrer war. Lorenzo de Ciutiis fiel hingegen mit seinen üblich-harten Aktionen auf, die oftmals schiefliefen. Für den Italiener lief die erste Saisonhälfte gar nicht gut, oftmals glänzte dieser eher mit Abwesenheit oder erst einem Join kurz vor dem Start der Qualifikation.


Das Potenzial von R-cademy ließ sich dazu nicht immer ausnutzen. Mit Alexander Kraft besaß man zwar einen großartigen Fahrer, der das Team oftmals alleine nach vorne trug. Aber gerade in der ersten Saisonhälfte trainierte der Deutsche oftmals nicht genug, da er sich auf andere Simracing-Projekte konzentrierte. Ab Belgien wurde dies aber anders, Kraft trainierte öfters und setzte dies in den kommenden Rennen um. In den letzten sechs Rennen fuhr der Teamleader viermal in die Punkte, der beste Platz war dabei ein Sechster in Japan, wodurch man sich noch den neunten Platz in der Team-WM sicherte. Dabei hätte man sogar noch fast das Mutterteam von Razor geschlagen, doch gerade im letzten Rennen wurde dies durch die doppelte Punkteausbeute von Paisler und Brendel vereitelt. Ansonsten hätte man die Saison wohl mit Toro Rosso aus 2008 vergleichen können.


Nach dieser Saison wird es einen Umbruch bei R-cademy geben. Kraft fand keinen Platz beim Hauptteam und geht zu Manziel GP, während de Ciutiis nach zwei Punkten aus 2021 die VFC verlässt. Heiko Kolvenbach, der öfters den Ersatzfahrer für R-cademy spielte und gute Kontakte mit Paisler hat, übernimmt das Team unter dem neuen Namen Buttler-Pal. Mit seinem Kumpel Alex Woitala verspricht das ganze eine interessante Kombi zu werden.

Aktive Fahrer 2021: Alexander Kraft (P12 – 36 Pkt., 33 davon mit R-cademy) – Lorenzo de Ciutiis (P28, 2 Pkt.) – Heiko Kolvenbach (P26 – 0 Pkt. R-cademy) – Alexander Hess (P19 – 0 Pkt. R-cademy) – Rouven Meschede (P35 – 0 Pkt. Punkte)

Platzierung in der Teamwertung: P9

Beste Rennplatzierung: P6 (Alexander Kraft)

Siege: 0

Podien: 0

Pole: 0

Schnellste Runde: 0

Punkte: 35

Ausfälle: 5


Razor GP


Groß waren die Ambitionen bei Razor GP. Nach einer starken Saison 2020 mit zwei Siegen, mehreren Podien und dem dritten Platz in der Fahrer- und vierten Platz in der Team-WM hatte man sich einiges vorgenommen, vor allem Bastian Paisler. Dieser verpflichtete dann auch für 2021 dann auch den starken Tim Brendel für 2021, der noch im Jahr davor die meisten Poles geholt hatte. Der Designer war auch nicht schlecht, alles deutete auf eine gute Saison hin.


Und dann schlug die Realität dem Razor-Team buchstäblich mit der Faust ins Gesicht. Das Auto entpuppte sich als Fehlkonstruktion, zu langsam war es in den ersten drei Rennen, was auch am sehr schwachen V4-Motor lag. Die unterlegene 0er-Bremse, der zu große, kaum genutzte 90L Tank und eine schlechte Power-to-Drag-Verteilung taten da ihr Übriges. Und so fuhr man in den ersten drei Rennen hinterher, bis man schließlich in Imola die erste Punkteausbeute holte, dazu gleich eine Doppelte. Und von da an lief es oftmals. Man fuhr bis auf zwei Rennen von da an immer in die Punkte, die Entwicklung des Autos zeigte sich langsam aber stetig und gerade auf den kurvigen Stecken konnten die Fahrer von Razor Akzente setzen. In Monaco konnte Paisler mit sechs Punkten seine beste Ausbeute des Jahres einfahren und sogar Ersatzfahrer Alexander Kraft gelang in Monza trotz der fehlenden Motorenpower ein zehnter Platz.


So gelang es dem Razor Team dann am Ende der Saison, dass ganz große Debakel zu verhindern, zumindest punktetechnisch. Der Absturz von P4 auf P9 ist nicht anzuzweifeln und Bastian Paisler dürfte sich darüber sehr ärgern, gerade nach seinen zwei Siegen. Aber gerade gegen Ende der Saison war man regelmäßig konkurrenzfähig um die Punkte. Und so schaffte man es auch im letzten Rennen, das Schwesterteam R-cademy und den großen Konkurrenten Beta Giulia zu schlagen und so den achten Platz in der Team-WM zu behaupten. Eine gute Zusammenarbeit und das fahrerische Können der beiden Fahrer sicherte Razor mit neun Punkten in Japan dieses Resultat.


Bastian Paisler setzt währenddessen auf Kontinuität für 2022. Seine Fahrerpaarung mit sich und Brendel bleibt bestehen, dazu behält man den Designer. Alles nach dem Motto "Gut Dinge will Weile haben".

Aktive Fahrer 2021: Bastian Paisler (P15 – 25 Pkt.) – Tim Brendel (P18 – 12 Pkt.) – Alexander Kraft (P12 – 36 Pkt., drei mit Razor)

Beste Rennplatzierung: P7 (Bastian Paisler)

Siege: 0

Podien: 0

Pole: 0

Schnellste Runde: 0

Punkte: 40

Ausfälle: 2


Equipo Saldo


Wie schon zu Beginn des Artikels angemerkt, eigentlich sind die hier aufgezählten Teams definitiv nicht Teil des hinteren Mittelfelds, weil es schlichtweg keines gab. Und das trifft so auch auf die Equipo Saldo zu. Nach einer starken Saison in 2020 wollte Teamchef Luca Zorn diesen Trend fortsetzen. Dafür holte er sich seinen Kumpel Jannik Maleika ins Team und baute ein extrem vielseitiges und starkes Allrounderauto. Damit wollte man die Großen ein wenig ärgern.


Und das gelang den Fahrern und dem spanischen Team mit VM-Power sofort. Im ersten Rennen gab es noch Anlaufschwierigkeiten, doch schon in Südafrika war man gut unterwegs. Dort gelang ein sechster und siebter Platz und die schon da beste Punkteausbeute des Jahres, 13 Punkte in einem Rennen. Und das nach einer überraschenden Pole von Maleika. Doch obwohl das Auto so gut war und die Fahrer gut harmonierten gab es immer zwei Stolpersteine, die Saldo hatte: Luca Zorns oftmalige Abwesenheit aufgrund von Verpflichtungen im Real Life sowie der volle Simracing-Kalender am Sonntag, wodurch beide Fahrer nicht oft zum Trainieren kamen. Zumindest letzteres konnte man durch Maleikas Talent einigermaßen wettmachen, wodurch der Berliner aber auch gerne mal den Alleinunterhalter für Saldo spielte.


Maleika schaffte es aber regelmäßig in die Punkte zu fahren, wodurch Saldo bei 17 von 18 Rennen eine Punkteausbeute erzielte. Und in fast jeden Rennen gelang es dem Berliner, sich in Szene zu setzen. Gerade in der zweiten Saisonhälfte war es Maleika, der Cesario-Fahrer Lukas Schmidt und auch Teamchef Gonzalez Cattivo zum Verzweifeln brachte. Fast immer tauchte der spanische Bolide vor dem Auto von Schmidt nach seinem ersten Boxenstopp auf und immer verteidigte sich Maleika aufopferungsvoll. Gerne gerieten die beiden auch mal aneinander. Es waren diese Szenen, die die Saison des Berliners bestimmten: Immer am Kämpfen, immer die Großen ärgern.

Doch auch Luca Zorn sollte man nicht vergessen, der immer im Rahmen seiner Möglichkeiten fuhr, in Zusammenarbeit mit Maleika starke Rennen ablieferte und tolle Bilder wie das aus Brasilien in Turn 1 lieferte. Und auch Ersatzfahrer Morgan Freeway ist zu erwähnen, der in Monaco förmlich ins Auto geschmissen wurde und ohne Training und rustikalen Setup einen zehnten Platz auf eine der schwierigsten Strecken im Kalender einfuhr. Oder auch die überraschende Pole von Maleika beim Südafrika GP ist zu erwähnen. Es sind diese Rennen, die Saldos Saison beschreiben.


Für 2022 gibt es den großen Umbruch. Jannik Maleika geht aufgrund von Zeitproblemen in die D2 zu Volksmobil, Luca Zorn hört daher mit dem Fahren auf. Als neue Fahrer wurden der erfahrene Fabian Jungbluth und der vielversprechende Leif Nordic verpflichtet. Damit verspricht es eine herausfordernde aber auch interessante Saison für die Spanier zu werden. Vielleicht ärgert man auch wieder die Großen.

Aktive Fahrer 2021: Jannik Maleika (P11 – 61 kt.) – Luca Zorn (P17 – 19 Pkt.) – Morgan Freeway (P27 – 3 Pkt.) – Christian Dittmer (P36 – 0 Pkt.)

Beste Rennplatzierung: P5 (Jannik Maleika)

Siege: 0

Podien: 0

Pole: 1

Schnellste Runde: 1

Punkte: 83

Ausfälle: 2



Autor: Jörn Georg Dicks