Italien Analyse – Cesario: Heimrennen sind Druckrennen



Der Belgien Grand Prix sollte eigentlich bei der Wende helfen. Der Wende, welche Gonzalez Cattivo und seinem Team zum Saisonendspurt noch einmal helfen sollte. Bis 20 Uhr Ortszeit sah auch alles danach aus, als ob der Coup gelingen würde. Yannik Barwig hatte sich bereits im Qualifying mit Rang zwei eine gute Ausgangssituation verschafft und meisterte den Start bravourös. Trotz Drucks von hinten unterlief ihm kein grober Fehler und so konnte er seinen vierten Rang lange verteidigen.

Dann die Wende. Fehlerhafter Weise entschied Barwig sich für die Slicks und hatte zudem bei der Boxeneinfahrt die Linie überfahren. Die Quittung kam dann ebenfalls im Doppelpack. Er saß seine Durchfahrtsstrafe ab, ehe er auf den rutschigen Trockenreifen neben die Linie kam und den Cesario in die Wand setzte. Ähnliches Bild bei Larry Fischer. Verlief die erste Rennhälfte noch vielversprechend, verlor auch er am Ende noch einmal wichtige Positionen. Grund hierfür war ein übereifriger Tim Brendel (FSR), der statt in der Bus-Stop-Schikane, schon in der Blanchiment überholen wollte. Dabei kam es zur Kollision und zum Abflug. Fischer konnte zwar weiterfahren, sein Wagen war danach allerdings krummer als eine Banane. Es folgten weitere Ausflüge abseits der Strecke. Am Ende schleppte der Deutsche den Cesario auf Rang zwölf ins Ziel.


Wieder also war die Mischung aus eigenem Unvermögen bzw. Fehlentscheidungen und Eingriffen von außen für die Pleite der Roten verantwortlich. Ein Faden, der sich weiterhin durch die Saison zieht.


In Monza soll aber alles anders werden. „Wir müssen nicht nur in die Top-5 kommen. Das ist unsere verdammte Pflicht. Unser Ziel muss in Italien das Podium sein. Etwas anderes darf es dieses Mal nicht geben.“ sagte der Teamchef Gonzalez Cattivo den Pressevertretern. Grund für das hohe Selbstvertrauen? Das Grand Prix eigene Aero-Update, welches den Roten zu bisher ungeahnten Höhen verhelfen soll. Viel setzt man bei Cesario auf eine Karte in diesem Rennen. Das Update für das Heimrennen wird schließlich in Silverstone wieder verschwinden. Somit ergibt sich für das Team die einmalige Chance ein Ass aus dem Ärmel zu spielen und so den Abstand zu Speedster und Saldo zu verkleinern. Die bisherigen Trainingsrunden bestätigen zumindest den Optimismus. Der Cesario macht einen flotten Eindruck und brachte es auf der Geraden auf knapp 320 km/h. Mit der Euphorie und der Heimstärke kommt aber auch der Druck. Eine weitere Pleite wäre demoralisierend für den Rennstall. Die Saison danach deutlich schwerer vernünftig zu Ende zu bringen.


Es wäre nicht das erste Mal in diesem Jahr das Cesario zwar den Speed hat, aber durch andere Einflüsse wieder gute Ausgangssituationen hergibt. Ob die Piloten und das gesamte Team mit diesem Druck umgehen können wird sich am kommenden Sonntag zeigen.

Die bisherigen Trainingszeiten zum Italien GP findest du hier:

https://www.race-view.com/results?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202020

Autor: Julian Kopp