Julian's Kopp - Folge 2: Spaghetti ohne Sauce



Haste Dreck am Schuh dann haste Dreck am Schuh. Was heute als ausgelutschtes Sprichwort gilt erfüllt immer noch seinen zeitlosen Zweck. Anders sind die Ereignisse der letzten beiden Rennen für Motorsport4All wohl kaum zu erklären. Nach dem schon nicht idealen Ungarn Grand Prix wollte der Rennstall mit neuer Wucht aus der Sommerpause kommen. Denny Weller war schließlich noch punktgleich mit Konkurrent Kevin Peters an der Spitze. Was folgte war ein etablieren der Pleiten, Pech und Pannen. Wieder plagten Denny Weller in Spa Lenkradprobleme und wieder landete der Wagen mehrfach halb auf dem Schrottplatz. Scheinbar war der Schrotthändler aber noch nicht abbezahlt denn in Monza offenbarte Weller ungeahnte Flugkünste. Ein Totalausfall. Als wenn das noch nicht alles schlimm genug gewesen wäre blieb auch dem Bruder Rene das Glück fern. So steht es nun mal, dass MS4All eine wahrscheinlich einmalige als auch vielversprechende Saison in den Sand gesetzt hat. Mit viel Pech von außen wohl gemerkt. Aber noch ist nichts verloren. Setzt Weller bei den letzten vier Rennen seine neuen Flügel effektiv auf den Strecken ein, dann gibt es noch die Chance auf ein Comeback.

Selbiges hat nun Kevin Peters erfolgreich vollzogen. Nach Monaco fast schon abgeschrieben sitzt der Deutsche nun auf einem komfortablen Punktepolster. Doch gerade das könnte der größte Feind von Peters in den letzten Rennen sein. Wie sehr der FSR-Fahrer am Ende ins Schwitzen kommt bleibt abzuwarten. Die hungrigen Wölfe lauern im Rudel. Schließlich hat auch ein Jannis Wollborn noch Bock auf einen Back-to-Back Weltmeistertitel und Sven Schubert darf man auch nicht vergessen. Ergebnistechnisch fährt der Schwabe im unterlegenen Volksmobil eine überragende Saison und ist nun sogar in einer guten Ausgangslage. Das Team schraubt weiter fleißig an den Verbesserungen des Boliden um in den letzten Rennen eine tollwütige blaue Kampfbestie auf die Konkurrenz loszulassen. Die Gefahrenschilder hat man bei den anderen Teams bereits aufgestellt. Aber auch ein Bastian Paisler darf nie vergessen werden. Während andere Teams in Silverstone und Suzuka noch an ihren Gummis zu knabbern haben werden, könnte Paislers sanftes Reifenstreicheln abermals für Überraschungen sorgen. Wir warten mal ab was da in Silverstone so auf uns zukommt.

Apropo Überraschungen. Dafür wollte auch Cesario beim Großen Preis von Italien sorgen. Was blieb war ein weiterer vom Pech verfolgter Auftritt. Durchaus ratlos sah man Gonzalez Cattivo an der Boxenmauer. Zwar wurde das selbstgesteckte Ziel des Podiums während des Rennens nie realistisch, aber dennoch waren zwischenzeitlich fette Punkte für die Italiener drin. Am liebsten wäre der Teamchef der Rennleitung wohl an die Gurgel gegangen als die letzte SC-Phase ausgerufen wurde. Sie beraubte Barwig der Top-5 Platzierung und dank eines Crashes auf den letzten Metern sogar der eigentlich verdienten Zähler. Egal ob man bei Cesario Fehler macht oder nicht. Am Ende kommt der Motorsportgott und tut sein Übriges für die nächste Pleite. Daher scheint man teamintern die aktuelle Saison nun abgehakt zu haben. Bezeichnend dabei war das Bild was sich mir am Abend in einem kleinen italienischen Restaurant in Monza bot. An der Piazza Giosue Carducci saß Cattivo und sein engster Kreis am Abend beisammen ehe das Essen gebracht wurde. Doch statt der geforderten Bestellung bekam der Mexikaner nur eine Portion Spaghetti ohne Sauce vorgesetzt. Die Reaktion wirkte wie ein Sinnbild der laufenden Saison. Fassungslos und resigniert. Immer fehlte irgendetwas für den nötigen Erfolg.



Autor: Julian Kopp