Mexiko Analyse Teil 1 - Der Kampf gegen die rote Laterne

Aktualisiert: 21. Nov 2020



Am kommenden Sonntag steht der Abschluss einer spannenden und turbulenten 2020er Saison an. In unserem 3-Teiler werfen wir einen Blick auf die Teams und ihre Möglichkeiten zum Schlussakkord in Mexiko. Heute: Der Kampf um die rote Laterne.


Kaum jemand hätte wohl Anfang des Jahres gedacht, dass die rote Laterne ihrem Namen 2020 alle Ehre machen wird. Selbst zur Saisonhalbzeit dachten viele noch an eine schlechte Phase der Scuderia Cesario. Pech, kurzfristig, aber kaum von Dauer. Die Entwicklung der letzten Monate strafen diese Gedanken nun Lügen. Die anhaltenden Regenrennen nach der Sommerpause haben dem Traditionsrennstall nicht gut getan. Zuzüglich nahm Clipper Pilot Pascal Pohlenz in der zweiten Saisonhälfte endlich Fahrt auf und verdrängte die Italiener so in einer One-Man-Show auf den letzten Platz in der Team-WM. Und so ist sie da, die denkbar ungünstigste Situation für Teamchef Gonzalez Cattivo und seine Jungs.


Nur ein Sieg und viel göttlicher Beistand würde das fühlbar unmögliche noch möglich machen. Das Gefühl, dass das Team selbst daran glaubt hat man derzeit nicht. Yannik Barwig scheint in Gedanken bereits bei den zukünftigen Aufgaben beim Newman Racing Team zu sein und Larry Fischer betonte im VFC-Podcast, wie froh er über ein Ende des Albtraumes 2020 wäre. Keine guten Vorzeichen für ein letztes Aufbäumen in Mexiko sondern eher voller Fokus auf 2021. Gerüchte, dass in Mexiko Gonzalez Cattivo einen Gastauftritt beim Heimrennen hinlegen würde dementierte das Team zuletzt. Dementsprechend sah man Barwig bereits mehrmals beim Training auf dem Kurs. Dennoch wird Cesario darauf aus sein in Mexiko zumindest noch einmal in die Punkte zu fahren. Dass das unter trockenen Bedingungen, ohne eigene Fehler oder höhere Gewalt machbar ist, sah man zuletzt in Japan als Barwig neunter wurde und somit sein zweitbestes Saisonresultat einfuhr.



Etwas entspannter wird man es beim Clipper Team angehen lassen meint der Beobachter. Doch der Sieg in Japan hat neue Chancen für das geschundene Team eröffnet. Auf einmal beträgt der Rückstand zu Equipo Saldo dreizehn, zu Speedster gar nur sieben Zähler. Eine Ausgangslage die Hoffnung macht im Idealfall doch noch einen Platz gut zu machen. Gerade Pascal Pohlenz befindet sich seit einigen Rennen in starker Form und bringt im Gegensatz zur ersten Saisonhälfte die Rennen souveräner zu Ende, was sein brilliantes Manöver gegen Jannis Wollborn in der letzten Runde des Japan GP noch einmal unterstrich. Ob die Strecke dem Wagen und den Greenfield Reifen aber ähnlich entgegenkommt bleibt abzuwarten. Sicher ist seit Japan, mit Pohlenz muss zu rechnen sein.


Gerade weil man beim Speedster Team seit einiger Zeit stark schwächelt. Das bisher so zuverlässige Punkteeichhörnchen Fabian Jungbluth scheint sein Baum-Versteck bereits gefüllt zu haben, denn in den letzten sechs Rennen holte Jungbluth nur noch fünf magere Zähler. Zum Vergleich: In den sechs Rennen zuvor waren es noch zwanzig Punkte. Doch das Formtief wäre kein Beinbruch, wenn sich zumindest andere im Team um die Punkte kümmerten. Dort allerdings sind die Vorraussetzungen ähnlich zweifelhaft. Dominik Cybok befindet sich weiterhin in der Lern- und Aufbauphase. Vom Rookie werden Punkte derzeit auch Teamintern nicht erwartet. Bliebe da noch die lebende Legende Patrick Newman, welcher in der laufenden Saison lediglich im Regenchaos von Belgien Punkte holte und seitdem damit zufrieden zu sein scheint. Zuletzt erst wurde Newman in ausgelassener Stimmung beim fröhlichen Fondue mit Freunden und Familie gesichtet. Ein Omen, dass sich der Speedster Pilot auf den baldigen VFC Ruhestand freut. Dennoch bleibt zu hoffen, dass Newman in seinem letzten Rennen mit einer guten Leistung von der Bühne tritt.



Bliebe da noch das Equipo Saldo Team, welches in Suzuka den Totalausfall erlebte. Nach starken Regenrennen zu Beginn der zweiten Jahreshälfte und dem guten Resultat in Malaysia hat man sich bei den Spaniern mittlerweile stabilisiert und ist zufrieden mit dem, was man an Hand des Materials aus der Laufenden Saison noch gemacht hat. Am liebsten dürfte es Zorn und Co. sein, wenn es am Sonntag zu einem weiteren Regenrennen kommt. Dann stehen die Chancen sehr gut, den siebten Rang in der Team-WM sicherzustellen.


So oder so scheint man hochmotiviert. Daniel Bentenrieder gilt seit je her als fleißiger Trainingsbesucher und spulte auch für Mexiko bereits einige Runden ab. Überraschender ist dagegen schon, dass Trainingsmuffel Luca Zorn ebenfalls häufig im Fahrerlager und im Wagen zu sehen war. Fleißig spulte der Schweizer seine Trainingsrunden ab. Man bereitet sich also bei Saldo akribisch auf den Showdown vor. Die Karten stehen gut, denn obwohl Speedster nur sechs Punkte hinten an ist, scheint ein Riesenresultat des Amerikanischen Kontrahenten beinahe unmöglich. Daniel Bentenrieder absolviert zudem sein letztes Rennen für das Saldo Team und wird auf einen guten Saisonabschluss aus sein.


Am Ende der Teamtabelle geht es also heiß her! Cesario will eine Seuchensaison zu einem guten Ende bringen und möglichst die rote Laterne vermeiden. Clipper strebt nach dem Sensationssieg in Suzuka nach höherem und Saldo möchte Dauerkonkurrent Speedster endgültig hinter sich lassen.


Wer sich am Ende durchsetzt siehst du am kommenden Sonntag in unserem Livestream ab 18:40 Uhr. Den Link zum Stream mit unseren Kommentatoren Julian Kopp und Nico Postkämper findest du hier:


Die aktuellen Trainingszeiten zum Mexiko GP findest du hier:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202020


Autor: Julian Kopp