Rennbericht Österreich: Mr. Gnadenlos - Peters erklimmt den Spielberg

Aktualisiert: 17. Juli 2020

Gefasst und zufrieden erlebte man Kevin Peters am Sonntagabend nach dem Österreich GP. Der zweite Triumph seiner VFC-Karriere wirkte wie eine Rache für das vergangene Rennen am Hockenheimring. In beiden Fällen hatte er sich immer mehr als gnadenloser Zweikämpfer gegen Denny Weller bewiesen und dieses Mal passierte nichts Unvorhergesehenes mehr was ihm den Sieg noch hätte entreißen können.


Dabei waren die Vorzeichen vor dem Österreich Grand Prix nicht durchgehend positiv für Kevin Peters. Motorsport4All in Form der beiden Weller Brüder zeigte sich wie erwartet gut für den Kurs aufgestellt. Hinzu kam ein weiteres Mal die Spekulation über die Wetterbedingungen die sich bis zum Rennstart als sehr launisch erweisen sollten.

Als hätte man es beschrien gab es zu Beginn der Qualifikation die ersten Regentropfen. Da es sich allerdings nur um leichten Regen handelte, hatten die Top 7 der WM noch Glück im Unglück und schafften es die besseren Bedingungen für die Qualifikation für sich zu nutzen. Besonders Bastian Paisler (OMD) konnte dadurch den Nachteil der Medium Reifen ausgleichen und mit Rang sechs sein bestes Qualifikationsergebnis der Saison einfahren.

Die zweite Hälfte des Fahrerfeldes musste dann zeitweise schon auf die Regenreifen wechseln und sorgte damit kaum für zusätzliche Überraschungen. So holte sich der WM-Führende Denny Weller (MS4All) die Pole Position vor seinem Kontrahenten Kevin Peters (Full Send) der also weiter auf die erste Pole der Saison wartet. Weitere Profiteure der Wetterbedingungen waren zudem beide Newman Piloten. Während der Wagen im Training deutliche Paceschwächen zeigte, konnten Jannis Wollborn mit P3 und Aleksander Knezevic mit P5, die Erwartungen übertreffen. Peters Teamkollege Tim Brendel, in der Qualifikation immer einer der Favoriten, gelang dieses Mal nur P4 in der Quali. Aber selbst diesen durfte er nicht behalten. Nach Überprüfung von Brendels Runde durch die Stewards wurde diese für ungültig erklärt. Grund hierfür war ein Cut in der letzten Kurve.

Die Ausgangssituation für das Rennen war gelegt und wieder galt es für Kevin Peters am Start hinter Denny Weller anzutreten. Doch wie in Hockenheim erwischte der Full Send Pilot den besseren Start und hielt in Kurve eins unnachgiebig rein. Es kam zu einer kleinen Berührung mit Denny Weller in Folge dessen der WM Führende neben die Strecke ausweichen musste und es beiden Newman Fahrern gelang an ihm vorbei zu gehen. Während der Fight zwischen Weller und Peters noch glimpflich ausging krachte es dahinter deutlich heftiger. Bastian Paisler fuhr Sven Schubert (VM) auf und verlor die Kontrolle über den Wagen. In Folge dessen kam es zur Kollision mit mehreren Fahrzeugen, an der unter anderem Patrick Newman (Speedster), Wladislav Russinov (Clipper) und Paislers Teamkollege de Ciutis beteiligt waren. Paisler zog es danach zur Reparatur in die Boxengasse, nur um anschließend nochmals reinzukommen, nachdem die Stewards ihm für den Startcrash eine 10-Sekunden Stop and Go Strafe aufbrummten. Wäre das alles noch nicht schlimm genug gewesen gab es obendrauf eine Durchfahrtsstrafe für Abkürzen des Boxeneingangs. Dementsprechend war Paislers Rennen nach wenigen Runden bereits gelaufen.


Unterdessen begann an der Spitze die Aufholjagd des Denny Wellers der sich schwer tat umgehend wieder an beiden Newman Piloten vorbeizugehen. Erst nach fünf Runden hatte er sowohl Knezevic als auch Wollborn wieder überholt die sich trotz unterlegener Pace hart aber fair verteidigten. An der Spitze konnte Kevin Peters derweil bereits einen 3-Sekunden Vorsprung herausfahren. Einen starken Start erwischte zudem Tim Brendel der seine Strafe nach der Quali schnell wettmachen konnte und bereits in der Anfangsphase mit Rang sieben auf die Spitzengruppe aufgeschlossen hatte. Dass die Zeit der Teamorders vorbei ist erlebte man wieder besonders deutlich beim Newman Team. Wie in Hockenheim entstand ein offener Fight mit tollen Überholversuchen. Dennoch gelang es Knezevic nicht am Teamkollegen und aktuellen Weltmeister Wollborn vorbeizugehen.

So wurde aus dem teaminternen Zweikampf bald ein teamexterner Fight. Rene Weller und Tim Brendel konnten die Pace der Newmans nach und nach eliminieren und aufschließen. Besonders Tim Brendel gelang es mit starken Rundenzeiten schnell an der gesamten Gruppe vorbeizugehen und so vorübergehend auf dem 3. Platz zu landen. Die Freude darüber währte allerdings nur kurz denn bereits nach 13 Runden standen die ersten Boxenstopps an. Wie Bastian Paisler cuttete Brendel die Boxeneinfahrt und musste so mit einer Durchfahrtsstrafe leben die ihn vorerst wieder ein ganzes Stück zurückwarf.

Vorne an der Spitze gingen sowohl Denny Weller als auch Kevin Peters zeitgleich hinein. Dabei offenbarten sich verschiedene strategische Ansätze. Während Peters nur recht kurz stand und sich wieder die Soften Reifen aufzog dauerte der Zwischenstopp von Denny Weller knapp drei Sekunden länger und der WM-Führende entschied sich für einen Stint auf den Harten Reifen. Bereits hier wurde vermutet dass Peters mit 3-Stopps insgesamt einen mehr einplante als sein WM-Kontrahent.

Erstaunlicherweise kamen auch die Newmans recht zeitnah an die Box und ließen so mindestens eine 2 Stopp, gegebenenfalls eine 3-Stopp Strategie, vermuten.

Besonders auffällig in diesem Stoppfenster waren die Volksmobil Piloten, welche am längsten unter den Topfahrern auf der Strecke blieben. Viel half es dem Mancini Team aber nicht, denn weder Marc Schlüter noch Sven Schubert waren an diesem Tag Podiumsfähig, was augenscheinlich vor allem an der fehlenden Pace des Volkmobiles lag.

In der Folge baute Kevin Peters an der Spitze auf Grund der weicheren Reifen und des leichteren Autos weiter seinen Vorsprung aus und konnte im Laufe des 2. Stints bereits bis zu 16 Sekunden Vorsprung auf Denny Weller herausfahren.


Unterdessen kristallisierte sich ein Underdog immer mehr zum Podiumskandidaten. Selbst nach 27 Runden war Alexander Kraft im Cliffort immer noch auf seinem 1. Satz Medium Reifen auf der Strecke und fuhr mittlerweile konkurrenzfähige Rundenzeiten auf Grund des leichter werdenden Wagens. Als Kraft dann zu seinem ersten und einzigen Stopp hereinkam hatten die Newmans bereits ihren zweiten absolviert und waren weit hinter ihn zurückgefallen. Dabei machten die beiden sich das Leben durch ihren direkten Zweikampf noch zusätzlich schwerer und mussten sich bald wieder eher auf die Konkurrenz nach hinten fokussieren.

In dieser Phase erwischte es auch den zweiten großen Pechvogel des Abends. Cooper McAllister fiel einem Disconnect zum Opfer und verlor so seinen, zu diesem Zeitpunkt, guten 10. Rang. McAllister aber gab nicht auf und konnte mit drei Runden Rückstand rejoinen. Das Rennen aber war für den Cliffort Fahrer natürlich gelaufen.

Still und unauffllig fuhren indes die Cesarios auf den Plätzen 10 und 11. Im Rahmen der bisherigen Seuchensaison sicherlich ein Lichtblick für das geschundene Italienische Team. Beide Piloten schafften es dieses Mal auch konstant ihr Rennen durchzuziehen und die oben genannten Platzierungen auch ins Ziel zu bringen. Dennoch war man im Hinblick auf die Topteams chancenlos.

Für Kevin Peters indes lief alles nach Plan. Zu seinem dritten und letzten Stopp kam der FSR Fahrer mit einem Vorsprung von knapp 23 Sekunden vor Denny Weller der für den letzten Stint wieder die härteren Reifen gewählt hatte. Peters kam drei Sekunden hinter ihm heraus und startete den Showdown des Rennens auf seinen frischen weichen Reifen. Dabei erschien die Aufgabe mehr als schwierig denn trotz des Reifenvorteils war allen Beteiligten klar, einen MS4All auf der Geraden zu überholen erschien fast unmöglich. Doch irgendwo im Motorsporthimmel erhörte man die FSR Gebete denn es kam Hilfe von unerwarteter Seite. Die beiden Führenden gerieten in den Überrundungsverkehr. Patrick Newman und Wladislav Russinov , selbst in einen direkten Zweikampf verwickelt, gerieten zwischen die Fronten und bremsten Denny Weller ein. Dabei gelang es Russinov in der unübersichtlichen Situation beinahe noch Peters abzuschießen. Am Ende blieb es glücklicherweise bei einer leichten Berührung. Nun aber war die Lücke geschlossen und der Full Send Wagen erwies sich tatsächlich als überholtauglich. Dreimal misslang der Überholversuch, beim vierten jedoch blieb Peters gnadenlos und schaffte es inklusive einiger Kratzer an der Lackierung am WM-Führenden vorbeizugehen.

Einmal vorbei ließ es sich Peters nicht mehr nehmen und fuhr direkt eine Lücke heraus die sich auch bis zum Ende nicht mehr schließen sollte. Der zweite VFC Sieg war somit eingetütet und die letzte Hoffnung in der zweiten Saisonhälfte doch noch in der Fahrer WM angreifen zu können lebt weiter. 12 Punkte beträgt der Rückstand vor dem Ungarn GP.



Hinter der Spitze ging es derweil auch hoch her. Sven Schubert, zwischenzeitlich in Reichweite der Top 5, bekam im letzten Stint technische Probleme mit seinem Lenkrad und musste sowohl den Teamkollegen Schlüter als auch Newman Pilot Wollborn ziehen lassen. Letzterer tat sich dabei schwer und ließ auf frischen Reifen wertvolle Zeit liegen als er nach dem ersten Manöver Schubert wieder passieren lassen musste, dies aber nur halbherzig tat und nach Eingreifen der Rennleitung nochmals einen Überholversuch starten musste. Schlüter wäre es indes fast gelungen noch Rene Weller im zweiten MS4All zu attackieren. Schließlich musste er sich aber dahinter mit Rang sechs begnügen was sein bestes Rennergebnis seit dem Saisonauftakt in Australien markierte. Auch Rene Weller fuhr sein bisher vielleicht bestes Saisonrennen.

Alexander Kraft im Cliffort schaffte hingegen die Sensation und sicherte sich vor Tim Brendel im zweiten FSR den letzten Podiumsplatz. Dennoch war auch Brendel nach seiner zweiten Aufholjagd mit Rang 4 sehr zufrieden. Weiter hinten sicherte sich Fabian Jungbluth noch einen wichtigen Zähler für das Speedster Team. Luca Zorn (Saldo) ging mit Rang 13 leer aus.

Damit geht die VFC in eine dreiwöchige Pause bevor es dann in Ungarn zum Finale vor der Sommerpause kommt. Dabei hat Peters die Möglichkeit den Abstand in der WM auf Weller weiter zu verkleinern. Alle anderen Kandidaten haben nach dem Österreich GP erst einmal einen größeren Abstand zur Spitze.

Autor: Julian Kopp