Rennbericht Ungarn: Mit Tempo in die Sommerpause – Peters hält mit Ungarn Sieg den WM-Kampf offen

Aktualisiert: 17. Juli 2020

Bereits im Vorfeld des Ungarn-GP präsentierte sich Kevin Peters als kampflustiger Herausforderer und ließ den großen Worten Taten folgen. Mit seinem Triumph hält er den Kampf um die VFC-Krone offen und läutet damit die vielleicht spannendste Saisonhälfte aller Zeiten ein.


Schon zu Beginn des Rennabends meinte es der Motorsportgott offenbar gut mit dem FSR-Fahrer. Völlig überraschend zog zum Start der Qualifikation ein Regenschauer über den Hungaroring und ließ totales Chaos folgen. Peters, welcher zu seinem Glück als zweiter in die Qualifikation startete, erwischte dabei die besseren Bedingungen und konnte sich so trotz harter Reifen den 2. Startplatz in der Qualifikation sichern. Marc Schlüter, welcher als erster seine schnelle Runde drehte, verschenkte die Chance auf die erste VM Pole, als er in Turn vier von der Strecke rutschte und somit keine gültige Rundenzeit setzte. Die Bedingungen verschlechterten sich zusehends und forderten ihre prominenten Opfer. Der WM-Führende Denny Weller (MS4) qualifizierte sich nur für Platz 10 während Bastian Paisler (OMD) den Wagen auf seiner Runde wegwarf und so nur Rang 18 erreichte. Der aktuelle Weltmeister Jannis Wollborn (Newman) nutzte die Konfusion zu seinen Gunsten und setzte den weißen Boliden wie schon 2019 auf die Pole-Position. Es war seine erste in der laufenden Saison. Die größte Sensation gelang indes den Cesarios, welche sich mit Rang drei und vier eine hervorragende Ausgangssituation für das Rennen erarbeiten konnten.


Die gute Ausgangssituation gab der italienische Rennstall jedoch schon zu Beginn teilweise aus der Hand. Neuzugang und Cesario Ersatz Johannes Greulich startete auf Grund eines Fauxpas aus der Box und musste dem Feld von Beginn an hinterher fahren. Sein Teamkollege Larry Fischer allerdings schob sich direkt in Kurve eins in den Vordergrund als er die Führenden Peters und Wollborn attackierte. Während es Wollborn dabei gelang sich zu verteidigen und die Spitze zu sichern, musste Peters zurückstecken und hing im ersten Stint hinter dem roten Boliden fest. Wollborn spielte das in die Karten und so konnte er auf den „Fischer-Train“ vor dem ersten Stopp bis zu acht Sekunden herausfahren.



Ein weiterer Gewinner des Startes war Marc Schlüter (VM), welcher bereits in Runde zwei bis auf Platz 11 nach vorne fahren konnte. Die weiteren WM-Anwärter Denny Weller und Bastian Paisler hingen derweil im Verkehr fest und konnten zunächst kaum Boden gut machen.

In der Folge entwickelte sich hinter Larry Fischers Cesario eine wahre Kampftruppe. Peters, welcher selbst mit den harten Gummis schneller konnte als der Soft bereifte Cesario, verlor letztlich die Geduld und beinahe den Wagen als er in Kurve eins versuchte Fischer zu attackieren. Rene Weller (MS4All) und Aleksander Knezevic (Newman) bedankten sich und machten eine Position gut.


Zeitgleich lieferten sich auch Pascal Pohlenz (Clipper) und Sven Schubert (VM) im Hintergrund einen harten Fight. Pohlenz war auf Grund der Medium Reifen zu diesem Zeitpunkt noch im Nachteil und musste den sechsten Rang vorerst herschenken. Weiter hinten sorgte Daniel Bentenrieder (Saldo) für einen kurzen Schreckmoment, als er versuchte in Turn vier am WM-Führenden Denny Weller vorbeizugehen. Dabei kam es zur Kollision und nur mit Mühe konnten beide Piloten ihre Autos auf der Strecke halten. Nutznießer der Situation war Marc Schlüter der mitten durch die entstandene Lücke fuhr und sich so vorerst auf Rang neun schob.



In der Folge beruhigte sich die Situation im Fahrerfeld etwas und die Piloten begannen das Ende des ersten Stints abzuwarten. Fast schon traditionell ist Ungarn eher von der Taktik als massigen Überholmanövern geprägt. Schließlich war es der Führende Jannis Wollborn der die erste Boxenserie in Runde zehn eröffnete. Das bestätigte die Klagen des Newman Teams vor dem Rennen über die schlechte Haltbarkeit der Yasuda Reifen und die damit einhergehende fehlende Pace. Dennoch hatte sich Wollborn zu diesem Zeitpunkt bereits ein Polster von knapp sechs Sekunden zur Konkurrenz herausgefahren. Sein Teamkollege Knezevic stoppte von Rang drei eine Runde später. Neben den Newmans waren zudem die MS4All Piloten die ersten beim Service. Auch hier kämpfte man mit dem hartnäckigen Reifenverschleiß. Beide Teams setzten im Folgenden auf einen hartbereiften Stint.


Einer der sich in dieser Phase ebenfalls in den Vordergrund schob war Tim Brendel. Auf Grund der Qualibedingungen und harter Reifen von hinten gestartet fand sich der Teamkollege von Kevin Peters nach den ersten Stopps auf Rang 7 wieder. Mit dem Stopp von Larry Fischer, zwischenzeitlicher erster, übernahm dann Kevin Peters die führende Position und konnte das erste Mal im Rennen seine Pace voll ausreizen. Selbst mit den angefahrenen harten Reifen fuhr Peters in der Folge die schnellsten Rundenzeiten im Feld. Als letzte der Soft-Reifen Fahrer kamen schließlich die Volksmobil Piloten zur Box und brachten sich so in die komfortable Ausgangssituation hinter den Medium Fahrern auf Rang sieben und elf.


In dieser Phase begann die Spekulation um die Plätze 2 -8. Hier waren mit Pascal Pohlenz (Clipper), Cooper McAllister (Cliffort), Bastian Paisler (OMD) und Lorenzo de Ciutiis (OMD) vier Piloten mit Medium Reifen unterwegs und mit ihnen die Frage ob sie in der Lage wären 1-Stopp zu fahren. Der zunehmende Speed der Medium Reifen machte sich dabei immer mehr bemerkbar und verschaffte eine immer größere Lücke zu den Verfolgern.



Am schlimmsten erwischte es nach den Stopps die MS4All. Rene und Denny Weller waren hinter die dreier Gruppe mit Larry Fischer (Cesario), Tobias Dorsch (OMD) und Fabian Jungbluth (Speedster) zurückgefallen und verloren massiv an Zeit zu den Top-10 Positionen. Auch in der Folge gelang es den Weller Brüdern dabei nicht am Trio vorbeizugehen, was massive Auswirkungen auf den weiteren Rennverlauf hatte.


Die fehlende Pace offenbarte sich aber auch bei den Newman Piloten. Während Jannis Wollborn kampflos seinen 6. Platz gegen Sven Schubert aufgeben musste verlor auch auf Rang zehn Aleksandr Knezevic das Duell Newman-VM gegen Marc Schlüter. Auf den harten Reifen erschienen die Newman kaum noch konkurrenzfähig.


In Runde 18 erschien dann auch der Führende Kevin Peters zum Boxenstopp und ging wie auch sein Teamkollege ein paar Runden später wieder auf den harten Reifensatz. Dabei bekam Peters die komfortable Situation vor Sven Schubert auf Rang fünf wieder herauszukommen und vor ihm freie Fahrt zu haben.


Ab Runde 19 kamen dann auch die ersten Medium Fahrer an die Box und offenbarten Ihre geplante Zwei-Stopp Strategie. Dazu zählten auch Pascal Pohlenz und Cooper McAllister die allerdings direkt hinter die Gruppe um Jannis Wollborn, Lorenzo de Ciutiis und Marc Schlüter zurückfielen. De Ciutiis stellte sich allerdings in diesem Pulk als der langsamste heraus und wurde schnell von beiden wieder geschluckt. Der Italiener sollte sich aber als derjenige herausstellen, welcher am längsten auf einem Reifensatz in diesem Rennen fuhr. Erst in Runde 29 kam der OMD-Fahrer zum Boxenstopp. In dieser Phase wurde de Ciutiis leider aber auch zum negativen Gesprächsthema Nummer 1. Nachdem er bereits auf der Strecke durch seine harte Gangart aufgefallen war, überholte er Marc Schlüter auf der Slow-Lane der Boxengasse und cuttete sowohl zuvor als auch bei der folgenden Durchfahrtsstrafe den Boxeneingang. Nachdem der Italiener im Folgenden nochmals negativ auf der Strecke auffiel entschied sich die Rennleitung zur Disqualifikation des OMD Piloten. Ein bitterer Abend für de Ciutiis der bis zur Rennhälfte klar auf Punktekurs gelegen hatte.



Aber auch sein Teamkollege Bastian Paisler rückte in der Folge immer mehr in den Vordergrund. Wieder einmal zielte er auf eine 1-Stopp Strategie ab. Der Reifenflüsterer vom Dienst fuhr am Ende seines Stints die gleichen Zeiten wie Kevin Peters und konnte sich nach dem Boxenstopp mit Rang sechs in eine gute Ausgangsposition für die zweite Rennhälfte bringen. Kevin Peters führte nun das Feld vor den beiden VM-Piloten und seinem Teamkollegen Brendel an. Gefolgt den Pascal Pohlenz, Paisler und McAllister. Die Newman Piloten fanden sich ernüchtert dahinter auf den Rängen acht und neun wieder.

Und WM-Favorit Denny Weller? Er hing immer noch hinter Larry Fischer fest und hatte zu diesem Zeitpunkt schon über 20 Sekunden Rückstand auf die Podestplätze. MS4All schien an diesem Tag nicht konkurrenzfähig.


Kurz nach Halbzeit kamen dann die 3-Stopp Piloten zu ihrem zweiten Boxenbesuch. Dazu zählten unter anderem die VM-Piloten welche mit einer durchgängigen Soft-Strategie gute Karten für die Schlussphase hatten. Auch Newman und MS4All kamen in dieser Phase wieder zum Service während Kevin Peters an der Spitze am Limit fuhr um den nötigen Abstand zum ärgsten Konkurrenten Bastian Paisler herauszufahren. Sein Teamkollege Brendel war nun durch den Stopp der VM-Fahrer bis auf den zweiten Platz nach vorne gekommen und durfte sich ebenfalls Hoffnungen auf einen Podestplatz machen.


In Runde 38 dann der letzte und entscheidende Stopp für Kevin Peters. Wieder zog sich der FSR Fahrer harte Reifen für die letzten 14 Runden auf und kam wieder sechs Sekunden vor Bastian Paisler zurück auf die Strecke. Dabei war Rang zwei zu diesem Zeitpunkt stellvertretend für die Führung da Teamkollege Tim Brendel wenige Runden später auch zum Service kam und auf Soft-Reifen und Platz drei liegend noch einen Schlussattacke auf Bastian Paisler startete.


Larry Fischer indessen, nach dem Start lange auf Rang zwei unterwegs cuttete bei seinem letzten Stopp auf 8 liegend die Boxeneinfahrt und erhielt eine Durchfahrtsstrafe. Doch damit nicht genug. Wie de Ciutiis cuttete auch er beim Absitzen eben jener Strafe abermals die Boxeneinfahrt und durfte direkt noch einmal durch die Box fahren. Damit war jegliche Chance auf Punkte dahin und da Johannes Greulich vom Start bis Ziel den letzten Rang bekleidete setzte es abermals einen Nuller für das geschundene Cesario Team.



Zum Rennende hin entwickelten sich so auf dem Kurs noch einmal mehrere Positionskämpfe. Während Brendel in riesigen Schritten auf den OMD Piloten auf Rang zwei zuflog, kämpfte sich Sven Schubert nach seinem dritten Stopp an Cliffort Fahrer McAllister heran. Dieser wehrte sich zwar beim Angriff des Deutschen, rutschte aber in Kurve eins selbst neben die Linie und musste den schnelleren VM-Piloten letztlich ziehen lassen. Schubert blies damit weiter zum Angriff und schloss auch auf Pascal Pohlenz im Clipper auf. Der fliegende Schubert hatte allerdings die Rechnung ohne den überrundeten Marvin Schumacher gemacht und verlor hinter ihm im Mittelsektor wichtige Zeit. Zeit die ihm dann für einen letzten Angriff fehlte und er sich am Ende eher wieder mit abbauenden Soft Reifen gegen Cooper McAllister verteidigen musste.


An der Spitze trat die befürchtete Aufholjagd von Bastian Paisler auf den Führenden Peters nicht ein. Letzterer kontrollierte das Rennen bis zum Schluss und fuhr den ersten Back-to-Back Sieg in seiner Simracing Karriere ein. Teamkollege Tim Brendel versuchte Schützenhilfe zu geben aber mehr als heranfahren an Bastian Paisler gelang dem FSR Fahrer nicht mehr. Nach acht Runden waren die Soft-Reifen heruntergefahren und er musste sich mit dem dritten Rang begnügen. Ein Resultat was gemessen an seinem Startplatz dennoch eine große Leistung darstellte.


Auf Rang vier gelang Pascal Pohlenz das erste Mal in dieser Saison eine Zieldurchfahrt und somit wichtige Punktebeute für das kleine Clipper Team. In Bezug auf die bisherige Saison, sowohl für das Team als auch für den Fahrer, eine halbe Sensation. Dahinter landete nach massiven Problemen im Training Sven Schubert, der wieder einmal zeigte, dass er im Rennen schnell wieder auf Temperatur kommt. Sein Teamkollege Marc Schlüter zeigte eine seiner besten Saisonleistungen und fuhr hinter Cooper McAllister auf Rang sieben über die Ziellinie. Von Startplatz 20 auf jeden Fall eine starke Performance.


Bei Newman Racing bestätigten sich hingegen die Befürchtungen, dass man gerade auf den harten Reifen nicht konkurrenzfähig war. Durchaus überraschend, da man im Vorfeld sicher war, dass das Weltmeister Team hier zu den stärkeren zählen würde. Am Ende blieben für Wollborn und Knezevic die Ränge acht und neun und somit nicht mehr als Schadensbegrenzung.


Noch schwärzer endete das Rennen jedoch für das MS4All Team. Denny Weller plagten während des kompletten Rennens Lenkradprobleme was darin gipfelte, dass das Equipment in der letzten Runde kurz ganz abschaltete und er dabei fast noch Knezevic abschoss. Dabei schlug Weller ein und verlor Front- wie Heckflügel. Bruder Rene Weller schaffte es so in der letzten Runde wieder vorbeizukommen. Dank erlaubter Teamorder ging Denny Weller aber wieder am Teamkollegen vorbei und schloss den GP auf Rang zehn ab. Den letzten Zähler erhielt ein unauffälliger aber effektiver Tobias Dorsch während Fabian Jungbluth und Daniel Bentenrieder auf 13 und 14 nur Blech blieb. Abgeschlossen wurde das Fahrerfeld durch Travis Carter (Clipper), Larry Fischer (Cesario), Patrick Newman (Speedster), Marvin Schumacher (Clipper) und Johannes Greulich (Cesario). Die schnellste Runde sicherte sich Tim Brendel.



Nach diesem Erfolg geht Kevin Peters gleich auf nach Punkten mit Denny Weller in die Sommerpause. Auch Bastian Paisler konnte noch einmal ordentlich Punkte gut machen und so spricht alles für einen spannenden WM-Kampf in den letzten sechs Grand-Prix.

Aber natürlich sitzt die Liga nicht faul in der Sonne. Am 01.08.2020 steigt das Race-Bet-500 welches Live auf dem Youtube Kanal zu sehen sein wird. Zudem ist weiterer spannender Liga Content geplant.


Den Ungarn GP verpasst? Hier findet ihr die Wiederholung der Übertragung:


Autor: Julian Kopp