VFC: Österreich-Analyse Teil 1: Von möglichen Überraschungen und herben Enttäuschungen


Manziel GP – Schwierige Lage, keine Chance auf Punkte?

Beim Manziel-Team ist es dieser Tage eigenartig. Einerseits könnte man wohl mit den bisherigen Punkteausbeuten zufrieden sein, schließlich hatte man vor Beginn der Saison nicht einmal mit etwas Zählbarem gerechnet, zumindest nicht so früh. Nach sieben Rennen stehen nun aber schon sechs Punkte davon zu Buche, die durch den talentierten Sebastian Steinhauer eingefahren werden konnten. Nun aber das Problem; seit drei Rennen gab es keine Platzierungen in den Top 12 mehr. Das liegt weniger daran, dass Sebastian Steinhauer plötzlich einen Leistungsabfall hat, sondern eher an den vielen unglücklichen Momenten in den vergangenen Rennen. In Spanien die Startkollision und in Monaco der Verlust des Heckflügels. Und in Deutschland schien die Strategie nicht aufzugehen, dazu hat sich die Konkurrenz weiterentwickelt.


Denn das ist wohl weiterhin die größte Achillesferse bei Manziel. Mit der Entwicklung der anderen Teams kann man kaum mitgehen, wodurch man Schritt für Schritt weiter Boden verliert. Noch können die Fahrer diesen Nachteil einigermaßen wettmachen, doch auf die Dauer wird es schwierig werden. In Österreich könnte dieser Nachteil deutlich zum Vorschein kommen, denn es fehlt für die Strecke ein überzeugendes Gesamtpaket bei Manziel. Bei beiden Fahrer ist aber damit zu rechnen, dass sie sich nicht so einfach unterkriegen lassen. Gerade bei Travis Carter ist zu erwarten, dass er nach den für ihn von Pech gezeichneten, letzten Rennen mal wieder einen Grand Prix vernünftig und ohne Zwischenfälle durchfahren möchte. Und der starke Motor könnte vielleicht doch für eine Überraschung sorgen. Hier steht es aber ein dickes "Vielleicht" im Raum.


Punkte könnten ohne große Zwischenfälle in Österreich schwierig für Manziel werden. Und auf das Wetter kann man sich auch nicht verlassen, da der kommende Sonntag laut Bericht der einzige regenfreie Tag in der Woche werden soll. Beim Team um Travis Carter und Sebastian Steinhauer dürfte man also auf ein Wunder hoffen.



Scuderia CM Motorsport – Auf den Befreiungsschlag hinarbeiten

Die letzten Rennen standen für SCMM unter keinem guten Stern. Viel Pech und ein im Ver-gleich zum Training in Deutschland großer Pace-Abfall. So kann es nicht weitergehen, dem ist man sich bei SCMM wohl bewusst. Und so wird man sich wohl ganz besonders auf den kommenden Grand Prix in Österreich konzentrieren, um endlich sich aus dem Tief zu befreien und die Punkte zu erreichen.


Um dieses Ziel zu erreichen, hat man bei beiden Fahrern den neuen, alten Motor aus Süd-afrika eingebaut. Zwar haben diese 15 PS weniger im Vergleich zu einem frischen Motor, trotzdem sollte man mit der Motorenleistung immer noch die Punkteplätze in Angriff nehmen können. Und gerade die Geschwindigkeit ist auf einer Powerstrecke wie dem Blue Horns Ring extrem wichtig. Und das beide Fahrer es ernst nehmen mit dem Angriff auf die Punkte, zeigt die momentane Zeitentabelle. Gaggiano und Rütt stehen momentan auf dem achten und neunten Platz und führen damit das Mittelfeld an, wenn man mal von Daniel Benten-rieder absieht. Zwar können sich die Zeiten noch ändern, aber der erste Eindruck bei SCMM in Österreich stimmt. Man muss die Pace und mögliche Verbesserungen nur dann auch vom Training mit ins Rennen mitnehmen, nicht so wie es in Hockenheim der Fall war.


SCMM hat nach den letzten drei Seuchenrennen endlich wieder Aussichten auf Punkte. Die leicht abgefahrenen und trotzdem noch starken Motoren könnten und sollten beiden Fahrern sicherlich helfen, ihre Autos nach vorne zu bringen und auch endlich an Manziel in der Team-WM vorbeizuziehen. Ob sich dies aber bewahrheiten wird, zeigt sich erst am Sonntag.



R-Cademy – Die Wundertüte in Österreich

Es ist schwierig, R-cademy einzuschätzen. Das liegt schlicht und ergreifend am wenigen Training beider Fahrer sowie deren Fahrweise und Talent. Lorenzo de Ciutiis und Alexander Kraft haben dieses Talent definitiv. Und Kraft schafft es oftmals, sein Können auch in zähl-bare Ergebnisse umzumünzen. Lorenzo de Ciutiis steht sich dann oftmals selbst im Weg.


Doch im letzten Rennen war dies anders. De Ciutiis zeigte in Hockenheim eines seiner best-en Rennen, fuhr konstant und konnte mit den hinteren Punkteplätzen mithalten. Nur eine falsche Strategie hatte die Chance auf Punkte möglicherweise zunichtegemacht. Trotzdem war der De Ciutiis, den man letzten Sonntag in Deutschland gesehen hatte, einer der besten seit langem. Mit den Rennen war der Italiener dann am Ende so zufrieden, dass der eigent-lich im Discord eher stumme Lorenzo in den Chat schrieb und sich für das tolle Rennen bedankte.

In ebenso guter Stimmung dürfte sich Alexander Kraft nach dem Rennen befunden haben. Wieder einmal ging das deutsche Talent mit (möglicherweise) wenig Training in den Grand Prix und qualifizierte sich für den zwölften Platz. Das Rennen selbst beendete er auf dem zehnten Platz und holte sein drittes Punkteresultat im siebten Rennen.


Somit kommen beide Fahrer mit hoher Motivation nach Österreich, gerade De Ciutiis dürfte nach den enttäuschenden ersten Rennen wohl guter Dinge sein. Er wird versuchen, nun endlich die ersten Punkte für sich zu beanspruchen, was aber mit dem im Gegensatz zur Konkurrenz deutlich schlechteren Motor sehr schwierig werden könnte. Auch Alexander Kraft hat unter diesem Nachteil zu leiden und muss sein ganzes Können zur Geltung bringen müssen. Trotzdem kann man bei r-Cademy nur auf ein Wunder hoffen, um Punkte zu holen, denn ansonsten wird man wohl mit Manziel um die goldene Himbeere kämpfen. Aber wie es dann schlussendlich aussieht, ist wie immer schwierig bei r-Cademy einzuschätzen. Ein Fakt, den Teamchef Bastian Paisler wohl liebt und gleichzeitig hasst.



Beta Giulia – Überraschungskandidat für die Top 5?

Bei Beta Giulia dürfte man nach dem halbwegs enttäuschenden Rennen in Monaco voller Freude auf den Deutschland GP geblickt haben. Was dann aber am Renntag in Hocken-heim mit dem italienischen Schwesterteam von Cesario passierte, hätte man sich bei den Italienern nicht vorstellen können. In der Qualifikation stand Bentenrieder noch auf Platz 13 und hatte mit dem Topspeed-Paket des Beta Giulias sehr gute Chancen auf einen Punkte-platz. Bis dann Marc Schlüter von hinten auftauchte und Bentenrieder in der ersten Runde um die eigene Achse drehte. Schlimmer noch, Teamchef und Teamkollege Johannes Greulich fuhr den umgedrehten Bentenrieder ebenfalls aufs Auto und beschädigte es. Nach der Reperatur war es Bentenrieder und Greulich nicht mehr möglich, wirklich auf Pace zu kommen bzw. die Konkurrenz einzuholen. Ein Rennen zum Vergessen.


Bentenrieder und Greulich dürften in Österreich auf ein starkes Resultat aus sein. Schließ-lich wurde ihnen dieses in Deutschland verwehrt. Und die Chancen für eine Platzierung relativ weit vorne sind sehr gut. Das Paket des Beta Giulias ist auf Topspeed ausgelegt, man verfügt über einen der besten Motoren und die Aero stimmt ebenso. Das wissen beide Beta Giulia-Fahrer, vor allem Daniel Bentenrieder. Neben Monza dürfte es Bentenrieders beste Chance auf eine Top 5 Platzierung oder den Umständen entsprechend, ein Podium sein. Und der Deutsche wird nach dem für ihn fürchterlich gelaufenen Heim-GP umso motivierter sein.

Das zeigt auch bisher Bentenrieders beste Trainingszeit. Momentan steht er mit dieser auf Platz 5 und dazu nur sechs Tausendstel hinter dem VM von Kevin Peters, der an diesem Wochenende auch mit weniger Motoren-PS zurechtkommen muss. Ebenfalls auf den Grand Prix freuen kann sich Johannes Greulich, der mit dem Auto auf sein möglicherweise erstes Punkteresultat hoffen kann. Zu wünschen wäre es dem Beta Giulia Teamchef auf seinem "Abenteuerjahr VFC".


Die Chance für eines der besten Ergebnisse für Beta Giulia in dieser Saison steht nicht schlecht. Beide Fahrer dürften nach dem Seuchen-GP in Hockenheim höchstmotiviert sein, die verlorenen Punkte in Österreich zurückzuholen und sogar einen drauf zu setzen. Ein Podium ist unter gewissen Umständen möglich und das weiß man beim italienischen Nachwuchsteam. Dies liegt aber teilweise in den Händen von Bentenrieder und Greulich sowie der Konkurrenz vor ihnen.


Hier findest du die aktuellen Trainingszeiten zum Österreich GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021


Autor: Jörn Georg Dicks