VFC 2021 – Japan Analyse – Teil 3: Entscheidung um die Krone!

Beim vergangenen Grand Prix in Mexiko waren sich die Buchmacher vor dem Rennen so ziemlich einig gewesen. Jannis Wollborn (Newman) würde mit großer Wahrscheinlichkeit zum zweiten Mal Weltmeister werden. Am Ende jedoch wurde die Entscheidung durch den frühen Ausfall Wollborns auf das Rennen in Suzuka vertagt. Nun jedoch wird es am heutigen Sonntag zur endgültigen Entscheidung kommen.


Russia GP

Ausgangssituation: Mit dem Rennen in Mexiko dürfte Russia GP alle persönlichen Saisonziele erfüllt haben. Neben den bisherigen sechs Podien gesellte sich so auch der erste Sieg dazu, den Teamchef Russinov bei Wodka und Kavier gebührend feiern ließ. Da die Personalplanungen für 2022 ebenfalls längst abgeschlossen sind, dürfte der russische Rennstall entspannt in diesen letzten Grand Prix in Japan gehen. In der Team-WM setzte man sich zuletzt recht deutlich gegen Cesario durch, umso wichtiger war auch Jungbluths 5. Platz in Mexiko. Zwar kann Russia rechnerisch noch Cliffort attackieren oder den Platz gegen die Scuderia verlieren. Beides bleibt allerdings höchst unwahrscheinlich und so wird das Motto heute Abend vor allem der Spaß an der letzten Fahrt 2021 sein.


Trainingsvorbereitung: Marc Schlüter sah man wie bereits über die ganze Saison viel auf dem Kurs trainieren. Und wie gewohnt war er dabei äußerst schnell unterwegs. Der Russia Pilot belegt mit seiner 1:28.408 derzeit Platz zwei in der Hotlapliste hinter Clipper Pilot Pascal Pohlenz, dürfte auf Grund der Zeiten der Konkurrenz also wieder in der Lage sein um den Sieg zu fahren. Im Zweiten Cockpit feiert derweil Fabian Jungbluth sein Abschiedsrennen für Russia. Seine Trainingszeiten waren bisher eine knappe Sekunde langsamer als der Teamkollege und damit ähnlich wie in einigen Rennen der bisherigen Saison.


Updates: Die Russen gehen ohne ein Upgrade in den letzten Grand Prix. Der Wagen wird natürlich dennoch entsprechend Konkurrenzfähig sein.


Motor: Hier setzt man wie zuletzt auf das dritte Aggregat, welches auch in den letzten Grand Prix eingesetzt wurde und dennoch zusammen mit Aggregat 2 noch die meisten PS aufweist.


Fahrervoraussetzungen: Marc Schlüter bestätigte mit dem Sieg in Mexiko sein Formhoch der zweiten Saisonhälfte und sollte auch in Japan gute Vorraussetzungen haben. In den Siegerinterviews wurde der abgefallene Druck deutlich. Das kann für das Saisonfinale helfen denn Schlüter kann nun befreit auffahren. Die Bedingungen für Schlüter sind also eigentlich optimal, gerade weil Dauerkonkurrent Pascal Pohlenz in Japan nicht antreten wird. Noch dazu ist sogar ein Sprung auf Platz vier der Fahrer-WM möglich. Bei Fabian Jungbluth könnte es derweil in seinem Russia Abschiedsrennen ein Kampf um die Top-8 werden. Das gute Resultat aus Mexiko dürfte den Deutschen zumindest motiviert haben.


Platzierungstipp: Schlüter dürfte wieder einer der Siegkandidaten am heutigen Abend sein. Für Fabian Jungbluth wird es wohl vor allem um den Kampf der Top-8 gehen.

Cliffort Royal Racing

Ausgangssituation: Auch das britische Cliffort Team dürfte entspannt in dieses letzte Rennen gehen. Nach dem guten Auftritt in Mexiko mit P6 (Jundt) und P7 (Walter) tritt der Rennstall in Japan wieder mit dem Stammduo Cooper McAllister und Fabian Walter an. In der Team-WM geht es für die Briten um nichts mehr. Der dritte Platz könnte nur bei einem starken Russia und schlechten Cliffort Ergebnis realistisch werden. Nach vorne in Richtung Newman Racing geht rechnerisch nichts mehr. Teamchef Dominik Röhken dürfte also heute ebenfalls die Causa Spaß ausgegeben haben.


Trainingsvorbereitung: Beide Piloten absolvierten ihr entsprechendes Trainingspensum auf dem Kurs, wobei die Zeiten darauf schließen lassen, dass man noch mit unterschiedlichen Spritmengen unterwegs war. Während McAllister derzeit auf Platz acht wiederzufinden ist steht Walter mit über einer Sekunde Abstand im hinteren Mittelfeld der Hotlapliste. Umso interessanter wird die Quali-Performance der beiden sein.


Updates: Cliffort hat für Suzuka noch einmal aufgerüstet und bekam ein Update im Aero-Bereich. Die materiellen Vorrausetzungen dürften somit gut sein.


Motor: Hier setzt man wie zu erwarten war ebenfalls auf das Dritte und somit frischeste Aggregat. Wobei dieses bei Walter noch ein Rennen weniger auf dem Buckel hat als beim Australier McAllister.


Fahrervoraussetzungen: Nach seiner Abwesenheit in Mexiko kehrt Cooper McAllister ins gelbe Cockpit zurück. Zwar waren die Resultate davor nicht schlecht, an den Sieg in Ungarn konnte er dennoch nicht mehr anknüpfen. In Japan nun könnte die Streckencharakteristik dem Wagen wieder mehr entgegen kommen. Dementsprechend darf man auch den Mann aus Perth nicht abschreiben. In der Fahrer-WM geht es für ihn hingegen um nichts mehr. Platz sechs ist gesichert, der Abstand nach vorne und hinten zu groß. Auch bei Fabian Walter gab es zuletzt Verbesserungspotenzial. Nach dem Fast-Sieg in Großbritannien lief es nicht mehr optimal für Walter, zweimal landete er sogar außerhalb der Top-10. In der Fahrer-WM fightet er zudem noch mit Yannik Barwig, Fabian Jungbluth und Jannik Maleika um die Plätze 8-11.


Platzierungstipp: Allein auf Grund der Strecke und materiellen Vorraussetzungen muss man die Briten heute wieder auf dem Schirm haben. Dennoch fällt die Einschätzung schwer. Zwischen Platz 3 und Platz 8 dürfte einiges machbar sein.



Newman Racing

Ausgangssituation: Bei Newman Racing liegt der Fokus am heutigen Abend selbstverständlich auf Jannis Wollborn. In der Team-WM musste man den ersten Platz gegen Volksmobil nun auch rechnerisch abschreiben. Gleiches gilt für den Abstand nach hinten zu Cliffort Royal Racing. In dem mittlerweile sehr schnellen Auto geht es heute vor allem um Sicherheit um den Titel für Wollborn zu sichern. Umtreiben dürften Patrick Newman hingegen die Fahrerplanungen für 2022. Denn neben Yannik Barwig ist das zweite Cockpit offiziell noch verfügbar. Auch hier bahnt sich jedoch in den nächsten Wochen eine endgültige Entscheidung an.


Trainingsvorbereitung: Wie gewohnt sah man beide Newman auf der Strecke zuverlässig ihre Runden drehen. Die Resultate dabei dürften für das heutige Rennen vielversprechend sein. Jannis Wollborn ist derzeit Vierter in der Hotlapliste und auch Teamkollege Barwig ist mit Rang Sechs nicht weit entfernt. Trainingstechnisch wird das Team also gut vorbereitet in den Grand Prix gehen.


Updates: Newman Racing geht ausnahmsweise ohne Update in den Saisonabschluss. Durch die starke Entwicklung der letzten Monate hat man hier aber gute Vorarbeit geleistet.


Motor: Hier fährt man überraschenderweise verschiedene Taktiken bei Newman. Während Jannis Wollborn erstaunlicherweise mit Motor 1 nicht das frischeste Aggregat bekam, setzte man Barwig seinen dritten Motor ein, der im Vergleich auch über mehr PS verfügt. Einen Hintergedanken dürfte man Teamintern dabei aber gehabt haben.


Fahrervoraussetzungen: Für Jannis Wollborn geht es am heutigen Tag vor allem um Sicherheit. Unabhängig vom Schubert Ergebnis würde ein Achter Platz reichen um sich selbst zum Weltmeister 2021 zu machen. Gepaart mit seinen fahrerischen Fähigkeiten und dem Material eine vermeintlich leichte Aufgabe. An Hand der Geschehnisse in Mexiko konnte man aber gut sehen, wie schnell unvorhergesehenes passieren kann. Gerade in Kurve 1 dürfte Wollborn somit mit einigem Bammel gehen. Dennoch, selbst wenn das eigene Rennen schief läuft müsste Sven Schubert je nach Situation mindestens Zweiter werden. Die Chancen stehen also voll auf Titel. Dabei unterstützen will ihn natürlich Yannik Barwig. Rein Ergebnistechnisch zuletzt die Speerspitze von Newman Racing. Barwig kommt in Topform nach Suzuka und könnte wieder ein Kandidat für ein starkes Resultat sein. Für ihn geht es in der Fahrer-WM noch um den Kampf um Platz 8.


Platzierungstipp: Jannis Wollborn wird auf Sicherheit bedacht sein, machen die stärksten Konrahenten keine Fehler dürfte man ihn zwischen P3 und P6 wiederfinden. Damit wäre er Weltmeister. Yannik Barwig kann befreiter auffahren und wird mit dem starken Material wieder auf ein Podium schielen.



Volksmobil-Blue Horns

Ausgangssituation: Volksmobil hat im letzten Rennen in Mexiko das große Saisonziel erreicht: Die Team-Weltmeisterschaft. Damit sicherte sich Peter Andrews bereits im ersten Jahr nach der Übernahme seinen ersten Titel. Der Weg dahin war aber sicher steiniger als man es selbst im Vorfeld dachte. Dass am heutigen Abend sogar noch die Fahrer-WM möglich sein wird hätte man beim deutschen Rennstall über die meiste Zeit der Saison sicherlich selber nicht gedacht. Dennoch besteht noch die kleine Chance. So oder so wird es ein emotionales Rennen. Nach zwei Jahren feiert Sven Schubert seinen Abschied von VM und wird wohl noch ein letztes Karrierejahr in einem anderen Team dranhängen. Auch Kevin Peters verabschiedet sich nach einem Jahr wieder vom Rennstall.


Trainingsvorbereitung: Hier hielt sich der Rennstall gegenüber anderen Rennen dezent zurück. Kevin Peters, dessen Trainingspensum zuletzt bereits sank drehte weniger Runden als üblich. Steht derzeit auf P11 der Hotlapliste. WM-Kandidat Schubert hingegen fuhr nur ein paar Aufwärmrunden, dürfte bisher auch noch keine Hotlap absolviert haben. Das Resultat ist Platz 20. Gute Vorbereitung sieht definitiv anders aus.


Updates: VM fährt ohne Updates ins letzte Rennen. Dürfte Jannis Wollborn und Newman Racing somit materiell weiter unterlegen sein.


Motor: Hier setzt man bei beiden Piloten auf das erste Motorenaggregat, welches Schwerpunktmäßig zu Saisonbeginn verwendet wurde.


Fahrervoraussetzungen: Für Sven Schubert geht es heute natürlich um eines: Die Fahrer-WM. Dabei steht der Schwabe in der klaren Außenseiterrolle, muss auch auf ein Scheitern Wollborns hoffen. Zuletzt zumindest hatte man nicht unbedingt den Eindruck, dass Schubert so einfach aus eigener Kraft auf das Podium fahren kann. Auf der reifenfressenden Strecke in Suzuka dürfte diese Aufgabe noch schwerer werden. Doch selbst mit einem 2. Platz in der Fahrer-WM wird Schubert am Ende wohl zufrieden sein, gerade da er selbst zwischenzeitlich Titelchancen schon abgeschrieben hatte. Für Kevin Peters ging es nach seinem Sieg in Großbritannien klar abwärts. Zuletzt in Mexiko trainierte der amtierende Weltmeister schon deutlich weniger, dürfte heute vor allem noch einmal darauf aus sein, seine Punkteserie auf 41 Rennen auszubauen. Seine Zukunft ist zwar offiziell weiter ungewiss, ein Wechsel zu SCMM im nächsten Jahr scheint aber realistisch.


Platzierungstipp: Auch auf Grund des niedrigen Trainingspensums ist VM heute schwer einzuschätzen. Gerade in solchen Situationen überraschte ein Sven Schubert aber zuverlässig. Ein Platz auf dem Podium oder zumindest in den Top-5 erscheint also denkbar. Kevin Peters hingegen kann man heute eher wieder dahinter vermuten.



Autor: Julian Kopp


Hier gehts zu den aktuellen Trainingszeiten des Japan GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021