VFC 2021: KFZ-Service-Schubert Deutschland GP Analyse 2021 - Teil 1: Von Pleiten, Pech und Pannen


In den ersten sechs Rennen der VFC-Saison 2021 ging es wild zu. Durch die Erweiterung des Grids von zehn auf zwölf Teams ist auch der Kampf um die hinteren Punkteränge voll ent-flammt. Bisher durfte jedes Team mindestens einmal Punkte sammeln. In unserem ersten Teil analysieren wir die Situation und den Ausblick der Teams auf das anstehende Rennen in Hockenheim.



Manziel GP

Mit goldenem Wagen reiste das kleine Manziel GP Team zum Prestigerennen nach Monte Carlo. Mit drei Rennen in Folge in den Punkten befand man sich im Aufwind. Doch konnte der Rennstall rund um Teamchef Travis Carter in den Gassen Monte Carlos keine Akzente setzen. Carter selbst, verwickelte sich bereits früh in einen Zwischenfall mit Daniel Bentenrieder (Beta Guilia) und hatte auch in der Folge kein Glück. Selbiges fehlte auch dem bisherigen Punktegaranten Sebastian Steinhauer. In der ersten Safety-Car Phase verlor Steinhauer seinen Heckflügel durch ein auffahren von Tim Brendel (Razor GP). Die verlorenen Positionen waren für Steinhauer kaum mehr gut zu machen und so geht Manziel GP mit einem Nuller aus dem Monaco GP. Damit liegt man punktgleich mit sechs Zählern zusammen mit der Scuderia CM Motorsport am Ende der Team-WM.


Für Hockenheim wünscht sich Carter unterdessen ein Rennen frei vom Pech und gibt sich optimistisch: "Wir hoffen einfach mal, dass wir in Hockenheim, weniger Pech haben, als in Monaco. Da war es schon wieder extreme Achterbahnfahrt für uns. Sei es, als ich mich selbst mit Daniel Bentenrieder an der Haarnadel verhakt habe oder dass Steini seinen Heckflügel in der SC-Phase weggefahren wurde. Wenn wir ohne Pech durchkommen, sollten wir auf jeden Fall näher an den Punkten sein." Zumindest nach den aktuellen Rundenzeiten kann man optimistisch sein. Sebastian Steinhauer ist bei seinem Heimrennen Achter in der Hotlapliste und darf sich durchaus Punkte ausrechnen wenn die Konkurrenz mitspielt. Travis Carter hat dabei die gewohnten Schwierigkeiten, hofft aber zumindestens auf das Wetter: "Ob es letztendlich für Punkte reicht, sieht man dann. Dazu kommen noch andere Faktoren, wie das Wetter, was bei uns halt öfters verrückt spielt oder unser neuer Forsch-Motor, der mit voller Power sicherlich nicht zu den fahrbareren zu zählen ist." Mit Regen ist nach derzeitigen Vorhersagen durchaus zurechnen. Das Wetter zeigt sich aktuell unbeständig rund um den Traditionskurs.


Manziel hat also durchaus die Möglichkeiten am Sonntag wieder den ein oder anderen Zähler mitnehmen. Ob das letztlich nur von den eigenen Fähigkeiten abhängt oder andere Faktoren wie das Wetter und die Fehlerfreiheit der Konkurrenz mit hineinspielen, wird der Sonntag zeigen.



Scuderia CM Motorsport

Für die Scuderia CM Motorsport war Monaco eine Fortsetzung der bisherigen Saison aus Pleiten, Pech und Pannen. Alexander Hess aus dem Division-2 Rennstall Afelian Racing sprang das erste Mal beim Kooperationspartner für Alexander Rütt ein. Gino Gaggiano machte indes bereits vor dem Rennen klar, dass er kein Monaco Fanboy ist. Hess hingegen zählt den Kurs zu seinen Lieblingsstrecken. Demenstprechend verliefen die Rennen an diesem Abend. Während Hess in der Qualifikation in die Top-10 fuhr, war Gaggiano deutlich abgeschlagen. Auch im Rennen konnte sich Hess der Spitzentruppe anschließen während Gaggiano sich im Mittelfeld unter anderem mit Bastian Paisler herumärgerte. Gaggianos Rennen endete dann kurz vor Schluss, als er vor dem Tunnel den Wagen in die Wand warf und so die zweite und letzte Safety-Car Phase auslöste. Ob das notwendig gewesen ist oder der Italiener auch den Wagen hätte zur Box fahren können diskutierte die Rennleitung im Anschluss. Konsequenzen für die Qualifikation in Deutschland drohen.


Alexander Hess hingegen brachte sich selbst um die verdiente Belohnung. Bei seinem zweiten Stopp war er zu schnell in der Box und holte sich eine Strafe ab, welche ihn aus den Punkterängen schmiss. Am Ende blieb dem Rookie zwar ein gutes Rennen, aber eine schlechte Ausbeute. Der D2-Pilot empfahl sich damit definitiv für weitere Aufgaben. Nach der Pleite zuvor in Jerez setzte sich damit der Abwärtstrend für SCMM fort, welcher aber nicht von fehlender Pace stammt. "Naja, erwartet haben wir diese Downphase irgendwie schon. Jerez und Monaco, für mich persönlich schon vorher als sehr unbeliebte Rennen ab-gestempelt. Monaco war dann einfach der Höhepunkt, da habe ich meinem Team ein schönes Sümmchen an Materialschaden gekostet. Ich behaupte jetzt mal, dass unser Frustpegel schon beachtlich gestiegen ist. Die letzten drei Wochen waren für SCMM im Prinzip getreu dem Motto "Ich bin der Uwe und ich bin auch dabei". Mehr nicht." sagte Gaggiano nach dem Rennen.


In Deutschland wird eher Alexander Rütt wieder für die Italiener ins Lenkrad greifen. Dabei steht der Rennstall durchaus unter Druck. Man ist zusammen mit Manziel GP am Ende der Teamtabelle. Dass man mehr zu leisten im Stande ist, scheint man sich bewusst. Gaggianos Trainingszeiten lassen auf Konkurrenzfähigkeit im Mittelfeld hoffen, sofern man dieses Mal eigene Fehler abstellt. Alexander Rütt setzte bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Trainings-zeiten. Ob den beiden Regen helfen könnte gilt nicht als sicher. Einsetzender Schauer be-deutet eigentlich auch immer eine Chance für die kleinen Teams. Für Gaggiano und Co. hatte der Regen aber bisher nur begrenzte positive Effekte. Es bleibt also abzuwarten ob das junge Team in Hockenheim überzeugen kann oder weiter hinten stecken bleibt. Gaggiano zu-mindest gibt sich kämpferisch, hat aber Zweifel beim Motor: "Ab Hockenheim sollte es für uns fahrerisch besser laufen, es folgen einige bekannte und vor allem beliebte Strecken. Ob es aber von der Motorenpower her in Hockenheim für Punkte reicht, bezweifle ich ein wenig. Manziel GP steht bisher ganz gut dar, das könnte ein interessanter Kampf werden."



R-cademy

R-cademy hat als Nachwuchsteam des Traditionsrennstalls Razor in der 2021er Saison einen schweren Stand. Mit verbesserungswürdigem Material und viel Unkonstanz auf den Fahrerpositionen holte man bisher dennoch akzeptable Resultate. An die anfänglichen Erfolgserlebnisse zu Beginn der Saison konnte man zuletzt aber nicht anknüpfen. In Monaco war das Team dabei vor allem vom Pech verfolgt. In den Crash von Jan Winter zu Beginn des Rennens wurden beide Fahrer verwickelt. Lorenzo de Ciutiis verlor seinen Frontflügel, während Alexander Kraft komplett in den Beta Guilia krachte und darauf hin abstellen musste. Für de Ciutiis war das Rennen in der Folge gelaufen, auch wenn es nochmal einen tollen Zweikampf zwischen dem Italiener und Alexander Hess von SCMM zu bestaunen gab.


Dennoch verließ man Monte Carlo ohne Zähler und ist mittlerweile wieder bis auf Rang 10 der Team-WM abgerutscht. Teamchef Bastian Paisler soll bisher mit der Performance des Razor-Nachwuchsteams nicht vollends zufrieden sein. Vor allem durch die durchwachs-ende Beteiligung. Bereits zweimal musste Paisler auf den Ersatzfahrer Alexander Hess zurückgreifen. Gerade der Abgang von Larry Fischer bot für Paisler die Gelegenheit einen zuverlässigen Fahrer im Team zu integrieren. Gespräche soll es wohl laut Teamchef gegeben haben, aber Fischer entschied sich dagegen. So wird Paisler weiter auf seine beiden Piloten Lorenzo de Ciutiis und Alexander Kraft setzen und hofft, dass beide am Sonntag dabei sind.


Trainiert haben beide Piloten, wie man es bisher meist gewohnt war, noch nicht. Dement-sprechend skeptisch darf man sein ob R-cademy wichtige Zähler in Hockenheim abholen kann oder ob der Abwärtstrend sich fortsetzt.



Beta Guilia

Für Beta Guilia war der Große Preis von Monaco durchaus ärgerlich. In der Qualifikation zeigte Jan Winter eine erstaunlich gute Leistung und konnte sich auf der konzeptfeindlichen Strecke des Beta Guilias auf Rang 10 setzen. Daniel Bentenrieder währenddessen kam kaum auf Pace und hatte dazu noch Zwischenfälle. Die Folge war eine +6 Plätze Strafe für den Bayer. Auch im Rennen lief alles erst einmal gegen Bentenrieder. Für einen anfänglichen Zwischenfall mit Travis Carter erhielt er eine 10-Sekunden-Strafe auf das Rennergebnis, welche sich noch auswirken sollte. Bentenrieder fuhr in der Folge mit 1-Stopp Strategie ein starkes Rennen und wurde so noch Siebter. Durch die Strafe wurde er noch auf Rang neun zurückversetzt. Dennoch sammelte Beta Guilia durch ihn Punkte, welche man so kaum erwarten durfte.


Für Jan Winter hingegen war das Rennen früh beendet. Nach der Tabak lenkte der Rookie zu früh ein und fuhr in die Mauer. Anschließend kollidierte er an der schnellen Stelle mehrfach mit der Wand. Die R-cademys wurden getroffen und so musste Winter das völlig demolierte Auto direkt abstellen. Ein kurzer Auftritt, auch wenn er in der Qualy wieder sein Potenzial andeutete. Teamchef Johannes Greulich stand der Presse im Nachhinein ausführlich Rede und Antwort: "Ich könnte Weinen in doppelter Hinsicht. Einerseits Trauertränen, weil Jan durch einen kleinen Fehler wieder keine Punkte einfahren konnte und wir erstmals nicht mit beiden Autos ins Ziel gekommen sind. Und andererseits mit Freudentränen, weil Daniel vom letzten Platz auf die 7 vorgefahren ist und das mit einem Auto, das komplett blau (be-schädigt) war. Eine Wahnsinnsleistung und er bestätigt mein Vertrauen in ihn mit einem fehlerfreien, perfekten Rennen. Mich freut es wahnsinnig für ihn, weil er es einfach verdient hat. Für Jan ist es weiterhin schade, aber er wird diese Saison noch seine Chancen be-kommen, sich zu beweisen. Immerhin hat auch er es verdient, mal Punkte für Beta Giulia zu holen. Und sind wir uns mal ehrlich: Wenn ich gefahren wäre, hätte ich das Auto bestimmt auch an die Wand gesetzt. Also sind wir auch hier im Soll. Danke an Jan für seinen Wahn-sinnsfleiß in der Vorbereitung und damit der Mithilfe am sehr guten Abschneiden des Teams in dem Rennen. Außerdem war er sich nach dem Rennen nicht zu schade Daniel für den Rest des Rennens noch mit zu unterstützen, was uns und Daniel auch sehr geholfen hat."


Nach den beiden ungünstigen Strecken für Beta Guilia geht es mit Hockenheim wieder auf einen Kurs, welcher dem italienischen Boliden besser liegen sollte. Auf den Geraden präsentiert sich das Auto bisher stark und dementsprechend findet sich Daniel Bentenrieder bisher in den Top-10 der Hotlapliste wieder. In Deutschland wird zudem Teamchef Greulich nach zwei Einsätzen von Ersatzfahrer Jan Winter wieder selbst in den Wagen steigen. Ob es bei ihm für Punkte reichen könnte bleibt fraglich. Darum weiß auch Greulich und steckt sich lieber niedrige Ziele: "Meine Erwartungen unterscheiden sich nicht wirklich von denen meiner bisherigen Rennen. Ich schau mir das mal an, wo ich mich positionieren kann und versuche das Rennen möglichst fehlerfrei zu beenden. Man mag mich oder Daniel in den Punkten sehen, aber mir fehlt es an Erfahrung und am Können um verdient in die Punkte zu fahren. Daniel dagegen hat beides, jedoch hat er eine lädierte Schulter und ich kann als Teamchef froh sein, dass er überhaupt mitfährt. Aber! Ich werde bestimmt sehr viel Spaß haben, denn schon im Training hat sich gezeigt, dass den anderen Teams der Windschatten vom BG auf der Geraden nicht wirklich helfen wird. Das heißt, dass ich es mir zur Aufgabe machen werde im zweiten Sektor ein paar Leute zu ärgern und darauf freue ich mich sehr (lacht). Alles natürlich vorausgesetzt, dass es trocken bleibt. Wenn es regnet, dann haben wir unseren neuen Motor quasi "gewasted"."


Der angekündigte Regen dürfte den Beta Guilias hingegen nicht zwangsläufig entgegen kommen. Am Ende des Tages wird der Erfolg wohl von der Tagesform von Daniel Benten-rieder abhängen.



Hier gehts zu den aktuellen Trainingszeiten des KFZ-Service-Schubert Deutschland GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021


Autor: Julian Kopp