VFC 2021 - Nach Monaco Pleite - Cesario entlässt Larry Fischer!


In einem perfekten Paralleluniversum hätte die Geschichte zwischen der Scuderia Cesario und Larry Fischer eine romantische Utopie werden können. Zwei gegenseitig loyale Parteien die zusammen durch gute und schlechte Zeiten gehen. Stattdessen endete nun die beinahe 2-jährige Zusammenarbeit in Streit und Trennung. Eine Konsequenz wenn die guten Zeiten irgendwann ausbleiben.


Als Larry Fischer 2019 zur Scuderia kam tat er dies mit Stolz. Nach mehrjähriger Abstinenz von der Rennstrecke griff Fischer wieder ins Lenkrad. Zu Saisonbeginn noch für das kleine Team United aktiv, wechselte er in der zweiten Saisonhälfte zur Scuderia Cesario. Ein großer Sprung mit großer Verantwortung. Von einem rundum gelungenen Comeback zu sprechen, wäre dabei wohl zu weit gegriffen. Fischer schwankte zwischen guten und schlechten Lei-stungen. Damals tat man dies zurecht noch unter dem Faktor Eingewöhnungszeit ab. So blieben vor allem die Erfolgserlebnisse aus dieser Zeit in Erinnerung. Der Höhepunkt dabei dürfte ganz klar sein dritter Platz beim Großen Preis von Japan gewesen sein. Auch ein zuvor vierter Platz in Großbritannien unterstrich das Potenzial von Fischer für die Zukunft bei den Roten. Doch dann kam die Seuchensaison 2020 und mit ihr die großen Probleme zwischen der Scuderia und Larry Fischer. Man sagt immer Beziehungen werden erst dann richtig auf die Probe gestellt, wenn die Zeiten schwer sind. Genau das war die letztjährige Saison für das Team-Fahrer Verhältnis.

Das begann schon vor dem ersten Rennen. Der Wagen der Italiener wurde vor allem auf den ersten Mann im Cockpit, Pascal Pohlenz ausgerichtet. Doof nur, dass dieser bereits nach drei Rennen dem unberechenbarem Fahrzeug entsagte. Mit Yannik Barwig wurde eine aus Fischer Sicht, fairere Konstellation geschaffen. Am Ende konnte man sagen statt Konkurrenz-situation entstand eher eine Leidensgemeinschaft zwischen beiden Piloten. Wenig hilfreich war dabei auch das Chaos am Kommandoposten. Nach dem frühen Rausschmiss von Teamchef Fabrizio Mauri und dem Kurzeinsatz von "Feuerwehrmann" Antonio Zarella, erschien der Weltmeister Gonzalez Cattivo auf der Bühne.


Der Mexikaner sollte die Rettung einer schon bis dahin verkorksten Saison werden. Dennoch blieb vor allem der Misserfolg und damit Teaminterne Konflikte. So gerieten Larry Fischer und Gonzalez Cattivo damals bereits öfters aneinander. Zwei spezielle Typen mit einer schwierigen Diskussionskultur. Dabei war nicht jede Kritik unberechtigt. Neben schlechtem Material und Pech kam eigenes Unvermögen dazu. Gerade als Fischer beispielsweise in Ungarn Punkte wegwarf, indem er mehrfach regelwidrig über die Boxeneinfahrtslinie fuhr. Ein Unvermögen, welches aber zwei Gesichter hatte. In Malaysia hätte die Seuchensaison einen kleinen Lichtblick bekommen können. Doch hatte man am Kommandostand den Einfluss des Boosts auf die Motorenhaltbarkeit unterschätzt, so rollte Fischer in Aussicht auf eine Top-6 Position kurz vor Schluss mit Motorschaden aus. Wie gesagt, das Unvermögen trug zwei Gesichter.


So gab es genug Streitpunkte, welche zu Konflikten innerhalb des Rennstalls führten. Auch die teils zu hohe Erwartungshaltung des Teamchefs nach außen, stieß den Fahrern bitter auf. Dementsprechend hatte auch der zweite Cesario Pilot Yannik Barwig seine Probleme mit der Teamführung, als diese für den Heim-GP in Italien einen aus Fahrersicht überzogenen Podestplatz als Ziel vorgab. In er Realität scheiterte man man bereits an er Top-5 Hürde. Ein Problem der internen Teamkommunikation, welches die Stimmung im Rennstall zwischen Fahrern und Management gerade in der zweiten Jahreshälfte dramatisch verschlechterte.

Umso erstaunlicher war die Ankündigung des Teams im Sommer 2020, dass man Larry Fischer einen Vertrag bis 2022 gegeben hatte. Für manche war dies ein Zeichen der Loyalität des Teams gegenüber seinem Fahrer. Für manche ein unverständlicher Schritt, die meinten, die ungewöhnlich lange Vertragslaufzeit sei nicht verhältnismäßig zu den er-brachten Leistungen Fischers. Was viele damals nicht wussten, die Vertragslaufzeit über 2021 hinaus war an eine Klausel geknüpft, welche nur gegriffen hätte, wenn Fischer die Top-5 in der Fahrer-WM erreichen würde. Wie sich diese Saison zeigte, eine Klausel, welche mit Fischers Leistungen nicht vereinbar war.


Mit großen Hoffnungen startete die Scuderia Cesario so in die aktuelle 2021er Saison. Doch schon vor dem Start wurde es abermals unruhig im Rennstall. Fischer äußerte Kritik am neuen Fahrzeug und schien schon einiges der neuen Motivation verloren zu haben. Aber noch vor dem Saisonstart wendete sich das Blatt. Die Zusammenarbeit zwischen Larry Fischer und dem zurückgekehrten Doppelweltmeister Lukas Schmidt trug Früchte. Das hob die teaminterne Stimmung. Für Fischer war die Verpflichtung von Schmidt im nachhinein Fluch und Segen zugleich. Segen, da Fischer ein fahrerisches Vorbild im Team besaß, von welchem er lernen konnte. Fluch, weil seine Leistungen im Laufe der Rennen zu konträr zum Teamkollegen waren. Während Schmidt regelmäßig um die Podestplätze fuhr, war Fischer von selbigen meist Meilenweit entfernt. Dabei verliefen die ersten drei Grand Prix für ihn noch ordentlich. Einem neunten Platz zum Saisonauftakt folgte das verkorkste Rennen in Südafrika, welches sowohl teamtaktisches als auch fahrerisch verschuldet war. In Brasilien hingegen gelang Fischer ein starker fünfter Platz und das beste Ergebnis für ihn bei der Scuderia seit Japan 2019. Dennoch lief bei diesen ersten drei Rennen bei weitem nicht alles nach Plan. Allein der technisch bedingte Start aus der Box in Australien sorgte wieder für Frust.


Nach dem Lichtblick in Brasilien folgte der Absturz für Fischer und dieser war vor allem selbstverschuldet. In San Marino und Spanien gelangen ihm auf Grund von Fahrfehlern keine Punkte. Das vertragliche Top-5 Ziel rückte hier schon in weite Ferne. Der Monaco Grand Prix sollte dann das Zünglein an der Waage werden. Ein Rennen, welches Fischer im Fahrerlager mental nach außen schon abgegeben zu haben schien. Dass der Grand Prix in den Straßenschluchten Monte Carlos nicht zu den Lieblingsstrecken Fischers zählte machte sich dann auf dem Kurs bemerkbar. Zwar schaffte es der Deutsche in der Qualifikation noch auf Rang 11. Im Rennen nahm das Drama dann aber seinen Lauf. Nachdem sich Fischer durch einen angesagten Stopp des Teamchefs in eine gute Ausgangslage brachte, warf er diese prompt in die Mauer. Er verlor den Frontflügel, weitere solcher Unfälle folgten. Am Ende sah sich Fischer auf einem deutlichen letzten Platz wieder. In seinem Abschiedsstatement veröffentlichte er im Nachhinein einen Ausschnitt des Teamradios während des Rennens. Zu hören: Eine Diskussion zwischen dem Piloten und dem Teamchef Cattivo in der Schlussphase. Letzterer forderte Fischer auf in die Box zu fahren, Abstand zu nehmen und zu versuchen noch die schnellste Runde zu fahren. Diese Anweisung traf bei Fischer auf Un-verständnis sowie die Frage nach der Sinnhaftigkeit. So verweigerte der Fahrer die An-weisung. Eine Entscheidung die er im Nachhinein damit begründete, dass diese ihm keine Punkte gebracht und so nur ein unnötiges Risiko gewesen wäre, hätte er damit einen Unfall mit anschließender Safety-Car Phase verursacht. Diese hätte auch den zweiten Platz des Teamkollegen Lukas Schmidt nochmals gefährden können.


Bereits im Teamradio war zu spüren wie diese Weigerung beim Teamchef auf Unverständnis traf. Bei dieser Thematik darf auch durchaus hinterfragt werden, ob es die feine Art Fischers war, hier im nachhinein Teaminternas nach außen gegeben zu haben. Das kritisierte Team-chef Cattivo nach der Veröffentlichung. Nach dem Rennen selbst erfolgte laut Fischers Aussagen eine Diskussion, über dessen Teamfähigkeit, da er sich der Teamorder widersetzt habe. Statt dass die folgende Nacht die Gemüter abkühlte, wurden Konsequenzen gezogen. Bereits am Montag nach dem Monaco Grand Prix erhielt Fischer die Nachricht über sein Aus bei der Scuderia. Die Top-5 Klausel schien nach diesem Rennen zu unerreichbar, die Form-kurve als zu irreparabel. Im offiziellen Statement der Scuderia heißt es: "(...) Grund ist die mangelhafte Punkteausbeute aus den letzten drei Grand Prixs und die fehlende Perspektive auf baldige Besserung. Zudem gab es für die Herangehensweise vor und während der Grand Prixs unterschiedliche Auffassungen, welche immer wieder aufgegriffen und besprochen wurden.(...)

Man sieht also die Entlassung Fischers ist die Folge eines langen Prozesses, welcher nun darin gipfelte, dass eine bis dahin treue, aber auch schwierige Zusammenarbeit schließlich an einer schnellsten Runde endgültig zerbrach. Zwar war Larry Fischer im Anschluss bei dem oder anderen Team im Gespräch, so bspw. bei R-cademy, am Ende entschied er sich aber dagegen und für das Sabbatjahr in der VFC 2021. Ein Comeback 2022 erscheint durchaus möglich.


Aber auch diese Trennung bietet Chancen. Die Scuderia Cesario verpflichtete als Ersatz für Fischer den TDD by Kostec Piloten Max Hayman, welcher bisher für das Nachwuchsteam der Torino Car Group in der Division-2 gefahren war und bereits erste Erfolgserlebnisse ver-zeichnete. Im offiziellen Statement von Cesario heißt es: "(...) Wir freuen uns Max - bis zum Ende des Jahres - die Chance zu geben, Teil der Scuderia zu sein und werden alles tun um ihm einen möglichst leichten Einstieg zu ermöglichen."


Max Hayman stellt einen ruhigen Charakter dar, welcher wahrscheinlich auch genau auf Grund dieser Eigenschaft gut in den Rennstall passen dürfte. Denn das braucht die Scuderia. Ruhe innerhalb des Teams und in der Außendarstellung. Sollte Cattivo ihm die im Statement versprochene Gewöhnungsphase geben, könnte es bald in der Punkteausbeute des Teams wieder deutlich nach oben gehen. Selbst eine Zusammenarbeit für 2022 mit Max Hayman erscheint dann nicht realitätsfern.


Und Larry Fischer? Auch dieser hat nun die Chance Abstand zu gewinnen und sich neu zu sammeln. Ruhe ist manchmal die beste Problembekämpfung und wer weiß... Vielleicht sehen wir den Deutschen dann in erstarkter Form auf den VFC-Kursen 2022 wieder.


Autor. Julian Kopp