VFC-2021: Rennbericht Belgien GP - Wollborn gleitet zum 3. Belgien Sieg in Folge – Rütt pusht SCMM


Nach 3-wöchiger Pause meldet sich die VFC wieder im Tagesgeschehen zurück. Nachdem sich die letzten Wochen vor allen Dingen um das Fahrerkarussell für 2022 drehten, ging es am vergangenen Sonntag wieder zurück auf die Strecke und dabei nicht auf irgendeine.

Der Ritt auf der Ardennen-Achterbahn stand auf dem Programm. Ein wichtiger und beliebter Termin im Rennkalender für viele der Beteiligten. Dementsprechend groß war die Vorfreude und umso gedämpfter wurde sie bei manchen, als sich das alljährliche Regen-chaos auch für dieses Jahr wieder anmeldete. So ging man im Vorfeld von einem arg nassen Rennabend aus.

Zumindest zu Beginn der Qualifikation bewahrheite sich diese Prognose. Die Strecke war nass genug, dass alle Piloten auf die Regenreifen zurückgreifen mussten. Doch schon früh in der Session endete der Regen und damit sorgten die abtrocknenden Verhältnisse für immer schnellere Rundenzeiten. Das erforderte sowohl richtige Entscheidungen als auch gutes Timing bei den Teams. Am Ende kam das vor allem Pascal Pohlenz zu gute. Der Clipper Pilot holte sich nach einem langen hin und her seine zweite Pole-Position der laufenden Saison. Eine Überraschung, hätten die meisten doch eher Marc Schlüter (Russia) oder Jannis Wollborn (Newman) an der Spitze gesehen. Letzterer kam jedoch auf seinem letzten Versuch in den Verkehr und konnte so sein Potenzial nicht ausschöpfen. Gleiches galt auch für Sven Schubert. Der VM-Pilot landete auf dem dritten Startplatz. Fabian Walter im Cliffort wurde überraschender Vierter. Schuberts Teamkollege und Weltmeister Kevin Peters hingegen, bekam keine vernünftige Runde zusammen und scheiterte auch auf dem letzten Versuch, als er sich Trockenreifen aufzog. Platz 20 und damit eine schwierige Ausgangslage waren die Konsequenz. Lange Zeit sah Razor GP Ersatzmann Alexander Kraft, welcher für Bastian Paisler an den Start ging, wie eine der großen Überraschungen aus. Zeitweise sah man den Deutschen sogar auf der Pole-Position. Doch auch er scheiterte in der entschei-denden Phase und musste sich so mit Rang zwölf begnügen. Seine Vertretung bei R-cademy hingegen setzte ein erstes Ausrufezeichen. Heiko Kolvenbach, welcher erst eine Woche zuvor beim D2 Debüt in Belgien gewann, ging von Rang neun ins Rennen und legte damit das beste Qualiergebnis des Teams für die laufende Saison hin. Der WM-Führende Lukas Schmidt (Cesario) ging mit einer vergleichsweisen schwachen Vorbereitung in den Grand Prix und sicherte sich den fünften Rang vor Jannis Wollborn.

Zum Rennstart war unterdessen das Wetter das größte Thema. Die Strecke trocknete weiter ab und zeigte vor dem Startsignal bereits eine klare Trockenlinie in der Startaufstellung. So entschieden sich die Piloten durchgehend für Trockenreifen im ersten Stint. Die eigentliche Nass-Wetter-Front war unterdessen erst ab Rennhälfte angekündigt. Dementsprechend groß war die Furcht vor einem ähnlichen Startcrash wie bereits eine Woche zuvor in der D2. Diese heftigen Szenen blieben aber dieses Mal aus. Durch die erste Kurve kam die Spitze unbeschadet, dahinter drehte Daniel Bentenrieder (Beta Guilia) den Cesario Fahrer Lukas Schmidt um. Glück für Schmidt, dass die dahinter fahrenden weitestgehend ausweichen konnten und der Weltmeister sowohl keine Flügel als auch kaum Zeit und Plätze verlor. Dennoch trug der Cesario Schäden davon, welche das Handling für das restliche Rennen beeinflussten.

Durch den quer stehenden Schmidt konnten sich zudem die Top-5 vorne absetzen während Schmidt und Co. mehrere Sekunden verloren. In der Spitzengruppe fand sich auch Cliffort Pilot Fabian Walter wieder, welcher vorne gegen die Top-Fahrer und alteingesessenen Pohlenz, Schlüter, Schubert und Wollborn fightete. Dabei kam es mehrfach zu Positionswechseln. Nachdem Schlüter sich die Führung eroberte, auf der nassen Bahn aber ausrutschte und kurz mit der Mauer kollidierte, verlor er den Platz an der Sonne umgehend wieder, dieses Mal gegen Jannis Wollborn. Der Regenexperte hatte sich das Treiben vor ihm Anfangs noch mit Geduld angeschaut und schlüpfte dann innerhalb von einer Runde an allen anderen vorbei. Die eroberte Führung nutzte der Weltmeister von 2019 um seinen Vorsprung auszubauen.

Doch Wollborn konnte sich in der Folge nicht absetzen. Marc Schlüter (Russia) schloss wieder zum Newman Piloten auf und überholte bereits kurze Zeit später. Dahinter warf Pascal Pohlenz im Mittelsektor den Wagen weg und verlor den Heckflügel. Der lange Weg zur Box und die ausführliche Reparatur zerstörten Pohlenz Rennen frühzeitig Doch statt die Führung zu behaupten und auszubauen beging Schlüter den nächsten Fehler. Als Jannis Wollborn gerade an die Box fuhr drehte sich der Russia Pilot weg und verlor so bei seinem Boxenstopp die Führung. In der Folge baute Wollborn seine Führung weiter aus und kontrollierte von dort an das Rennen.


Weiter hinten verlor Rookie Heiko Kolvenbach nach starkem Start nach und nach die Positionen. Der R-cademy Ersatzfahrer fiel durch Unterlegenheit auf den langen Geraden von Rang sieben bis auf Rang elf zurück. Auch eigene Fehler trugen dazu bei. Am überraschendsten in dieser Phase waren die zweischenzeitlichen Platzierungen von Fabian Walter (P4 - Cliffort), Alexander Rütt (P7 - SCMM) und Fabian Jungbluth (P5 – Russia GP). Im hinteren Mittelfeld spielten sich unterdessen teils abenteuerliche Szenen ab, als sich Ausgang Bus-Stop mehrere Autos verhakten.

Der in dieser Phase einsetzende Regen zeigte sich entgegen den Prognosen als seichte Dusche. Nur wenige Minuten ergossen sich die dunklen Wolken über den Ardennen. Doch danach blieb es fortlaufend trocken. Ein Umstand, welcher dafür sorgte, dass einige Piloten zu früh auf die Regenreifen wechselten und fortan gegenüber den Trockenreifen stark unterlegen waren. Das traf vor allem beide Cliffort Piloten. Sowohl Cooper McAllister als auch Fabian Walter hatten auf Regenreifen gewechselt und verloren nun jede Runde mehrere Sekunden. Generell war das Mittelfeld dicht besetzt mit den Gummis für die feuchten Verhältnisse. Vorne setzte man geschlossen auf trockene Reifen.


Für Heiko Kolvenbach hingegen endete der Abend vorzeitig. Nachdem der R-cademy Pilot sich in der Bus-Stop gedreht hatte und anschließend auf Trockenreifen ging, verlor der D2 Pilot den Wagen in der Eau-Rouge und musste abstellen. Das hatte eine Full-Course-Yellow Phase zur Folge, welche die meisten Piloten für einen weiteren Stopp nutzten.


Eine Ausnahme war Marc Schlüter, welcher auf Platz 2 vor den WM-Führenden Lukas Schmidt gespült wurde. Die Freude darüber hielt aber nicht lange. Kurz nach Restart verlor der Russia Pilot den Wagen und drehte sich. Daraufhin ging er wieder auf die Jagd nach Sven Schubert und Lukas Schmidt. Diese bekämpften sich indessen und nachdem der überrundete Daniel Bentenrieder (Beta Guilia) den Cesario von Schmidt kurzzeitig behinderte, ging sein WM-Kontrahent als vorläufiger Sieger aus dem Duell hervor. Der Weltmeister Kevin Peters (Volksmobil) vollendete unterdessen weiter hinten seine Aufholjad. Peters gelang im Laufe des Rennens der Sprung von Rang 20 auf Rang 8 und setzte damit seine Serie, von nun 30 Rennen in Folge in den Punkten, weiter fort.

Marc Schlüter ging unterdessen noch einmal an die Box und profitierte von einer Kollision zwischen Sven Schubert und Lukas Schmidt. Schubert drehte sich in der Bus-Stop Schikane und blockierte kurzzeitig den Cesario Piloten. Schlüter profitierte davon und konnte trotz einer 10-Sekunden Rennstrafe für zwischenzeitliches gefährliches Zurückkommen auf die Strecke, noch gegen Sven Schubert bestehen. Im Kampf um das Podium setzte sich Schlüter letztlich durch und fuhr in den letzten drei Runden einen immensen Vorsprung gegen Schubert heraus, dessen Reifen am Ende gänzlich nachgaben und keine Gegenwehr mehr zu ließen.


Jannis Wollborn sicherte sich vorne seinen dritten VFC-Belgien Sieg in Folge und zeigte abermals seine Qualitäten bei nassen Bedingungen. Lukas Schmidt wurde trotz schlechter Verfassung am Ende starker zweiter und baute so seine WM-Führung gegen Sven Schubert aus. Alexander Rütt aber war wohl die größte Sensation des Abends. Durch eine niedrige Fehlerquote, die richtige Strategie und etwas Glück fuhr der SCMM Pilot souverän auf einen starken fünften Rang. Damit gelingt dem Team ein kleiner Befreiungsschlag im WM-Keller. Und zudem schlug Rütt auch seinen Teamkollegen Gino Gaggiano (P14) letztlich souverän.

Als starker Sechster positionierte sich dahinter Fabian Jungbluth im Russia GP. Damit schlug Jungbluth sowohl die Clifforts als auch Kevin Peters (Volksmobil). Jannik Maleika beendete ein effektives Rennen im Saldo auf Rang 10.


Eine der größten Überraschungen war aber Lorenzo de Ciutiis. Der Italiener brachte den antriebslosen R-cademy auf einen guten elften Platz und sammelte so wichtige Zähler für den kleinen Rennstall. Tim Brendel (Razor GP) schloss die Punkteränge ab. Max Hayman (Cesario), welcher mit neuem Motor an den Start ging, verpasste überraschenderweise knapp die Punkte.


Autor: Julian Kopp


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