VFC-2022 - Brasilien GP - Kurzanalyse Teil 2

Aktualisiert: 5. März

Buttler-Pal

Das Team rund um Heiko Kolvenbach und Alex Woitala überrascht weiterhin die Fahrer und Zuschauer im GSO-Paddock. Von Anfang an hat man gesagt, dass Buttler-Pal es schwer haben wird, in die Punkte zu fahren und man das schlechteste Auto habe. Nach den ersten zwei Rennen ist das aber nicht mehr so sicher. Kolvenbach konnte durch zwei starke und konstante Rennen in die Punkte fahren und steht nun mit seinem Team mit sieben Zählern auf Platz 8. Gerade auf dem Mount Panorama Circuit ist Kolvenbach durch Konstanz aufgefallen, vom Unfall mit seinem Teamkollegen Woitala einmal abgesehen. So konnte Kolvenbach sich von Platz 20 auf Platz 9 vorfahren. Die Frage ist dabei, wie lange diese Strategie des "Konstant den Steifel abfahren" noch funktioniert.


In Brasilien scheint man auf jeden Fall einen weiteren Schritt nach vorne gemacht zu haben, das zeigt Kolvenbachs schnellste Zeit, die er mit wenig Sprit im Tank wohl gefahren zu haben scheint. Kolvenbach sitzt knapp hinter dem Volksmobil von Alexander Hess und dürfte damit schonmal auf einen knappen und auch spannenden Kampf um die Punkte hinweisen. Darüber hinaus könnte Kolvenbach auf Interlaogs von seiner reifenschonenden Fahrweise profitieren, die für eine Zwei-Stop-Strategie reichen dürfte. Teamkollege Woitala könnte es genauso versuchen, ihm fehlt aber bisher augenscheinlich etwas die Pace. Buttler-Pal wird also sehr wahrscheinlich um die Punkte mitkämpfen können und dabei von einer anderen Strategie profitieren. Ein möglicher Regen könnte diesen Vorteil aber hinwegwaschen.



Razor GP

Auch Razor GP überrascht bisher das Fahrerlager, jedoch etwas weniger als es Buttler-Pal tut. Razor hatte man vor der Saison einen schwierigen Stand zugeschrieben, denn das Auto wirkte auch in der Vorentwicklung relativ schwach. In der Qualifikation setzt sich dieses Bild wie bei Buttler-Pal auch durch, Tim Brendel schaffte es in Australien nur auf P17, Teamchef Paisler dahinter auf P18. Im Rennen selbst konnte zumindest Bastian Paisler mit seiner altbekannten Konstanz in die Punkte fahren und das Rennen auf P11 beenden, Brendel dagegen landete mit einer Runde Rückstand auf P19.


Brasilien ist, wie auch beim Kooperationsteam, ein weiterer Schritt in Richtung Punkte bei Razor. Mit einem Update kommt man nach Interlagos und das scheint bisher zu fruchten, gerade bei Paisler. Die Qualifikation wird zwar wieder die Achillesferse der chromfarbenen Boliden, aber die Rennpace überzeugt. Im Testrennen konnte Paisler mit einer ebenfalls reifenschonenden Fahrweise einigermaßen gut mithalten, dazu scheint man sich bei Razor auf Topspeed verschrieben zu haben, denn die Geschwindigkeit auf den Geraden war stark. Eine Zwei-Stop-Strategie könnte also möglich sein, wodurch man sich auch so in die Punkte begeben kann; allerdings hatte Paisler nach dem Testrennen etwas über den Duurzaam-Reifen geflucht, dass die Pace fehle und die Haltbarkeit schlechter sei als erwartet. Razor GP dürfte daher so etwas wie die Wild Card für das morgige Rennen sein.



Newman Racing Team

Beim deutschen Traditionsteam kämpft man mit halbwegs stumpfen Waffen; nach der letztjährigen Weltmeistersaison mit Jannis Wollborn hat man augenscheinlich einen Schritt rückwärts gemacht und ist pacetechnisch nicht mehr das schnellste Auto. Das zeigte sich auch in Australien, wo Sven Schubert zwar in die Top 10 im Qualy fuhr, jedoch danach schlichtweg kein Land sah. Teamkollege Jundt startete dazu nur von P12. Trotz dieser stumpfen Waffe, die sich Newman-Bolide nennt, kann Sven Schubert trotzdem noch kämpfen. Nach einer missglückten Anfangsphase hörte der Vizeweltmeister 2022 auf seinen Ingenieur Morgan Freeway und fuhr durch eine gut getimte Strategie nach dem dritten Safety Car souverän aufs Podium, wobei er auch etwas Hilfe durch den verunglückten Alexander Kraft erhielt. Eine starke Leistung von Schubert. Teamkollege David Jundt fiel währenddessen früh aus.


Die stumpfe Waffe Newman wird zum kommenden Rennen aber wieder etwas schärfer. Nach dem Australien GP gibt es ein weiteres Update beim deutschen Traditionsteam, was vor allem Schubert freuen dürfte. Dieser steht bisher in der Zeitentabelle sehr gut da, vor allem mit dem Hintergrund, dass er seine reale Qualy-Pace noch nicht gezeigt hat. So dürfte es für Schubert, sollte alles glattgehen, viel Grund zur Freude geben, denn die Punkte sind sicher; selbst, wenn es regnet. Schubert kommt gut mit Regenbedingungen klar, wahrscheinlich gibt ihm eine nasse Fläche sogar einen Vorteil. Wo der Schweizer David Jundt abgeblieben ist, bleibt dagegen erstmal ein Rätsel. Dieser hat noch keine Runde auf der Strecke gedreht, eine neutrale Haltung also. Wahrscheinlich sieht man ihn wieder am Renntag kurz vor knapp das erste Mal fahren.



Manziel GP

Da war mehr drin, dass weiß man bei Manziel GP. Kurz vor dem Ende des australischen Grand Prix fand sich Alexander Kraft auf dem zweiten Platz wieder, knapp hinter Jannis Wollborn, jedoch mit einer Zeitstrafe. Kraft hatte sogar das Rennen für fünf Runden angeführt, die Führung aber nach einem Manöver von Wollborn wieder verloren. In der letzten Runde wollte es Kraft dann nochmal wissen, pushte jedoch zu viel und verlor den Wagen auf dem Berg und damit den zweiten Platz. Zwar holte Teamkollege Sebastian Steinhauer mit einer fast fehlerfreien Fahrt den achten Platz und damit fünf Punkte; allerdings hätte es deutlich mehr sein können. So steht Manziel GP also erstmal auf Platz 5 der Team-WM.


Doch der Unfall von Kraft kurz vor dem Ende scheint der Motivation und vor allem der rohen Pace des Deutschen keinen Abriss zu tun. Mit dem neuen Update in Brasilien kann man nun weiter angreifen und dabei wohl einen drauf setzen. Kraft steht auf Platz 3 der Zeitenliste, kann aber laut Aussagen seinerseits noch deutlich schneller und ist damit ein möglicher Kandidat für die Pole-Position. Nach dem Australien GP zeichnet sich also ein Trend ab, Kraft outperformed das Auto und greift im WM-Kampf ein. Teamkollege Steinhauer darf man aber auch nicht vergessen: Der Heidelberger kommt mit seinem neuen Gefährt deutlich besser klar als noch 2021, dazu scheint das kommende Update auch ihm etwas zu bringen. Zwar scheint dieser noch etwas im Qualy zu struggeln, aber der Trumpf bei Steinhauer ist ohnehin immer die Rennpace. So ist also vorauszusagen, dass Manziel GP wieder mal ein Garant auf Punkte, ein Podium oder sogar den Sieg ist. Wer hätte das noch 2021 geglaubt?



Autor: Jörn Georg Dicks