VFC-2022 - Monaco GP - Kurzanalyse Teil 3

Vor dem Prestigerennen werfen wir nun einen Blick auf die heutigen Chancen der Spitzenteams beim Monaco GP.


Newman Racing

Für Newman Racing war der zurückliegende Portugal Grand Prix eine Teilung zwischen Freud und Leid. Leid weil der bis dato WM-Dritte Sven Schubert bereits früh im Rennen auf Grund eines Fahrfehlers ausschied und Freud da Teamkollege David Jundt im Laufe des Abends eine erstaunliche Entwicklung hinlegte und sich letztlich mit Rang drei sein erstes VFC-Podium sicherte.


Dank dessen hält sich der Rennstall mit P4 weiter in der Spitzengruppe der Team-WM und konnte schon das ein oder andere Erfolgserlebnis in der laufenden Saison feiern. Der heutige Monaco GP könnte dabei durchaus zur nächsten Hürde werden. Das Newman Team ist nicht für intensive Trainingsvorbereitung bekannt. Ein Umstand, welcher sich im Fürstentum durchaus rächen kann. Auf der anderen Seite zeigte gerade Sven Schubert im letzten Jahr eine starke Leistung beim Prestigerennen, sorgte für das ein oder andere spektakuläre Überholmanöver. Ob wir diese heute wieder sehen werden könnte aber fraglich sein, gerade weil durch das sensiblere Schadensmodell mehr Risiko einen frühen Feierabend begünstigen könnte.


Während Schubert zumindest bereits ein paar Runden drehte fehlt David Jundt hingegen noch in der Hotlapliste. Die Erwartungen an Newman dürften also auch heute wieder sehr vage sein. Dass man den Rennstall aber immer auf dem Zettel haben muss hat nicht nur der Portugal GP zuletzt eindrucksvoll bewiesen.




Scuderia Cesario

Das Rennen in Portugal dürfte für die Italiener der Scuderia Cesario durchaus befriedigend gewesen sein. Jannis Wollborn nutzte die Abwesenheit des WM-Führenden Pascal Pohlenz möglichst effizient mit einem Sieg in der letzten Runde über Fabian Walter. Damit holte der amtierende Weltmeister auch dank der schnellsten Runde die maximal mögliche Punkteausbeute und findet sich so nun wieder einen Zähler hinter Pohlenz in der Fahrer-WM.


Es war wohl die richtige Antwort auf den so verkorksten Spanien GP. Auch Teamkollege Daniel Bentenrieder trug seinen Teil bei und konnte mir Rang 12 zumindest noch einen Punkt für die Roten sichern, welche sich auch in der Team-WM weiter hinter der Spitze festbeißen. Mit Monaco kommt nun gerade für Jannis Wollborn ein ganz besonderes Rennen. Nach einem zurecht aberkannten Sieg im Jahr 2020 konnte er sich im letzten Austragungsjahr die Krone im Fürstentum sichern. Auch 2019 konnte Wollborn hier gewinnen. Monaco zählt zu den fahrerisch anspruchsvollsten Strecken im Rennkalender. Ein Umstand der einem starken Fahrer wie Jannis Wollborn in die Karten spielt.


Das und die Hotlapliste machen Wollborn auch heute wieder zu einem der absoluten Siegkandidaten. Dort steht er aktuell dicht an dicht auf Platz drei hinter Marc Schlüter und Philipp Puschke. Die ausreichende Pace ist also vorhanden und auch Teamkollege Daniel Bentenrieder liegt derzeit in den Top-8 der Bestzeiten. Dennoch wird es in Monaco auch auf mehr ankommen als nur das Tempo. Bringen die Italiener allerdings ihre Pace in der Qualifikation und halten sich im Rennen von den Banden fern, könnte es heute ein weiterer Wollborn Abend im Kampf um die fürstliche Krone werden.




Clipper Motorsport

Das Team des diesjährigen Titelanwärters Pascal Pohlenz hatte nach Portugal einiges zu verkraften. Pohlenz fehlte zum Ostersonntag, weswegen Alexander Rütt als einziger Stammfahrer in Portimao zu finden war. Durch Pohlenz' Abwesenheit durfte Thomas Raschke seine ersten VFC Runden drehen, jedoch sah der Deutsche von Anfang an kein Land im Grand Prix, war drei Sekunden langsamer als die Spitze, fuhr das Auto jedoch unbeschadet ins Ziel.


So holte ein Clipper-Fahrer zumindest Punkte für die Entwicklng, denn Alexander Rütt musste den Portugal Grand Prix frühzeitig beenden. Nach einem Dreher in einer der Bergaufpassagen schlug der Eifeler in die Bande ein und musste abstellen.


So musste Clipper erstmals einen Nuller verkraften, der die Konkurrenten rund um Falcon-Phylum oder Cesario aufschließen oder sogar überholen ließ. Und so wird das Ziel bei Clipper sein, wieder Punkte zu holen, während Pascal Pohlenz' Ziel sein wird, den Konkurrenten Jannis Wollborn auf Abstand zu halten. Trotz des Nichtantretens ist Pohlenz weiter Führender in der WM, jedoch konnte Wollborn nach seinem Punkt in Valencia mit dem Sieg in Portimao wieder auf einen Zähler herankommen. Pohlenz verspürt also Wollborns Atem durchaus, hier ist nur die Frage, wie schnell der Clipper-Pilot plötzlich den zweifachen Weltmeister von hinten sieht. Teamkollege Rütt dürfte wiederum die Aufgabe haben, dass Mittelfeld zu überleben und anzukommen, möglichst in den Punkten. Die Vorzeichen sind hierfür nicht schlecht, zumindest pacetechnisch. Da zeichnet sich ab, dass Rütt gut im Renntrimm dabei ist; nichtsdestotrotz gilt wie immer in Monaco: Durchfahren ist die Devise und das wird mit dem sehr stürmischen Feld dieses Jahr schwierig.




Falcon Phylum Racing

Die wohl mittlerweile stärkste Fahrerpaarung im Feld hat nach dem Aussetzer von Clipper Motorsport in Portugal die Führung in der Team-WM übernommen. Nach einem wieder mal starken Teamergebnis und dem Beinah-Sieg in Portimao hat man sich um fünf Punkte vorbei am Hauptkonkurrenten geschoben.


Das liegt unter anderem nicht nur an der Konstanz von Fabian Walter sondern auch an Marc Schlüter, der sich seit Imola etwas zurückgenommen hat und so vernünftiger liefert. Dadurch, dass Walter aber bisher immer in den Punkten angekommen ist und sein erstes Podium der Saison in Portimao eingefahren hat, ergibt sich ein überraschendes Bild: Walter ist mit 47 Punkten plötzlich Dritter in der Fahrer-WM und sozusagen der Außenseiterkandidat. Ein Fakt, welcher Marc Schlüter möglicherweise wurmen wird. Dementsprechend wird der Deutsche endlich mal ein Zeichen setzen wollen.


Der erste Sieg ist wie bei Alexander Kraft längst überfällig, es wäre natürlich eine Geschichte für sich, wenn Schlüter diesen endlich in Monaco holen würde. Zumindest bezüglich der Pace zeichnet sich hierbei ab, dass Schlüter in der Qualifikation wieder ganz vorne um die Pole mitkämpfen wird. Und wie jeder weiß ist die in Monaco der Schlüssel zum Sieg. Fabian Walter wird dagegen wieder im Kampf um die Punkte, möglicherweise sogar ein Podium mit dabei sein. Doch in Monaco kann alles passieren, ein Fahrfehler bedeutet den Verlust des Autos und damit der Punkte oder sogar den Sieg. Das härteste Rennen der bisherigen Saison erwartet die Fahrer und es ist an Fabian Walter und Marc Schlüter, dass sie am Ende ganz oben stehen werden oder fallen. Für die Team- und Fahrer-WM wäre Ersteres durchaus vom Vorteil.



Autoren: Julian Kopp / Jörn Georg Dicks