VFC-2022 - San Marino GP - Kurzanalyse Teil 3


Manziel GP

Der bisherige Saisonstart war für Manziel GP ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite präsentierte man sich nach der schweren Debütsaison in absoluter Spitzenform, fährt bisher regelmäßig um Punkte und Siege mit. Das liegt vor allem an Alexander Kraft, welcher bisher zwei Dritte Plätze holen konnte. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, denn bisher wäre sogar noch mehr drin gewesen. Einen möglichen zweiten Platz warf Kraft in Australien in der letzten Runde weg. In Brasilien fuhr er am Ende auf Platz 2 aber auf Grund einer Zeitstrafe noch auf Platz 3 zurück fiel.


Sebastian Steinhauer hingegen hat nach eigener Aussage noch mehr Schwierigkeiten mit dem Wagen, holte dennoch in Brasilien einen guten 8. Platz. Doch auch hier wäre wohl mehr möglich gewesen. Der Status Quo allerdings dürfte das Team mehr als zufrieden stimmen. In der Team-WM findet man sich aktuell auf einem starken vierten Rang wieder, hält bisher den Anschluss zu den Top-3. Sieht man gerade die Form von Alexander Kraft könnte dieses Jahr sogar noch mehr als das möglich sein. Durch seinen Ausfall in Bathurst liegt Kraft aktuell zwar "nur" auf Rang 6 der Fahrer-WM, ein Sprung nach vorne kann aber schnell realisiert werden.


Die Vorbereitungen auf den San Marino GP bekräftigen diesen Eindruck. Kraft liegt aktuell auf Rang eins der Hotlap-Liste, könnte wieder um den Sieg mitfahren. Dabei erleichtert es in der Qualy, dass mit Marc Schlüter (Falcon) unter anderem ein Dauer-Konkurrent auf Grund einer Sperre an diesem Abend nicht an der Session teilnimmt. Mit Jannis Wollborn, Pascal Pohlenz und einigen weiteren wird die Session der Top-10 dennoch kein Zuckerschlecken. In wie weit Teamkollege Sebastian Steinhauer eine Hilfe sein kann bleibt abzuwarten. Während Kraft über 100 Runden auf dem Imola Circuit drehte, legte Steinhauer nur ein halb so umfangreiches Trainingspensum hin. Ein bisher bekanntes Bild, welches die Lücke der beiden zwar nicht schließen dürfte, dennoch ist auch Steinhauer wieder ein klarer Punktekandidat in San Marino.


Der Trend bei den weiß-schwarz-goldenen zeigt also weiter klar nach oben und bisher gibt es wenig Hinweise darauf, warum sich dass in Imola so nicht fortsetzen sollte.



Scuderia Cesario

Nach dem unerwarteten Abgang des Teamchefs Gonzalez Cattivo scheint die Stimmung bei den Italienern der Scuderia Cesario sich im positivem Sinne stabilisiert zu haben. Zwar entsprach das Resultat in Brasilien mit Rang fünf und Rang elf nicht den eigenen Ansprüchen, im Hinblick auf die Pace und Gesamtsituation dürfte Interlagos aber Hoffnung gemacht haben. Daniel Bentenrieder sammelte nicht nur erste Punkte für die Roten sondern führte den Grand Prix sogar zeitweise ganz vorne an. Der Bayer befindet sich nach eigener Aussage in guter Form, scheint mit dem neuen Boliden nach dem Wechsel schnell warmgeworden zu sein. Für Teamkollege und Weltmeister Jannis Wollborn war der Rennabend in Brasilien zwar verkorkst, dennoch schaffte er es mit Platz fünf noch Schadensbegrenzung zu betreiben und die zuletzt eroberte WM-Führung zu verteidigen.


In Imola feiert man nun quasi sein erstes Heimspiel der laufenden Saison. Entsprechend hoch sind auch die Ansprüche des Teams. Letztes Jahr scheiterte ein Sieg von Lukas Schmidt an dem hart verteidigenden Sven Schubert. Dieses Jahr scheinen die Chancen deutlich gestiegen zu sein. Gerade Bentenrieder drehte fleißig seine Runden auf dem Traditionskurs und findet sich so in der Spitzengruppe der Hotlaps wieder. Wollborn hingegen fuhr deutlich weniger, zeigte aber eine ähnliche Pace wie sein Teamkollege. Bei einer halbwegs vernünftigen Qualifikation dürfte man die beiden Roten also wieder in den ersten Reihen wiederfinden. Wie sich die Rennpace im Vergleich zur Konkurrenz gestaltet wird man noch abwarten müssen, auch ob das niedrige Trainingspensum sich für Wollborn nachteilig gestaltet. Im letzten Jahr zumindest war Wollborn in verschiedene Zwischenfälle verwickelt, wurde am Ende Vierter.


Ein besseres Ergebnis dürfte somit heute das Ziel sein und bei einer guten Teamarbeit vielleicht sogar die Führung in der Team-WM.



Clipper Motorsport

Der Brasilien Grand Prix bewegte sich für Clipper Motorsport zwischen Glück und Unglück. Glück, dass Marc Schlüter dem Teamchef Pascal Pohlenz in der vorletzten Runde auf der Geraden nicht den Reifen oder Heckflügel wegrasierte. Unglück, weil Ersatzfahrer Philipp Puschke im ersten VFC Rennen beinahe auch den ersten Sieg geholt hätte, auf Grund technischer Probleme aber in die Leitplanke des Senna-S fuhr. Damit verpasste Clipper Motorsport die Chance die Führung in der Team-WM weiter zu halten. Am Ende betrieb Pohlenz mit Rang vier Schadensbegrenzung, schlug zumindest Dauergegner Wollborn. Puschke ging beim Gastaufritt leer aus.


In San Marino wird nun wohl Stammfahrer Alexander Rütt nach zwei Rennen Pause ins Cockpit zurückkehren. Dieser zeigte sich in den Trainings dabei durchaus punktefähig. Nach dem Ausfall beim Saisonauftakt in Südafrika wäre ein Erfolgserlebnis für Rütt umso wichtiger. Bereits im letzten Jahr zeigte er, dass San Marino zu seinen Stärken gehört. Damals brachte sich Rütt letztlich dennoch um seinen verdienten Lohn, kassierte mehrere Strafen an der Box und warf so die Möglichkeit auf die Top-8 weg. Selbiges wird er heute unbedingt vermeiden wollen. Teamkollege Pascal Pohlenz wird indessen wohl eher wieder um Podien fahren. Zumindest auf die eine Runde hat der WM-Zweite derzeit noch Schwierigkeiten, liegt in den Trainingszeiten zwei Zehntel hinter Manziel Fahrer Alexander Kraft. Ein Bild, welches gerade in der Personalie Pohlenz aber null Aussagekraft haben dürfte.


Ein gutes Teamergebnis ist für Clipper also definitiv möglich. Eine Prognose, ob für Pohlenz sogar ein Sieg machbar sein könnte, lässt sich auf Grund der starken Konkurrenz aber schwer abgeben. Vieles spricht zumindest dafür, dass man auch in Imola ordentlich Punkte einpacken kann.



Cliffort Royal Racing

Im Vergleich zu 2021 verlief der bisherige Saisonstart für die Briten von Cliffort Royal Racing äußerst turbulent und selten nach Plan. Trotz guter Resultate wäre in jedem Rennen wohl etwas mehr drin gewesen. Den Stolperweg musste man dabei auch in Brasilien gehen. Bereits nach den ersten zwei Kurven war dabei einer der beiden Fahrer draußen. Yannik Barwig kollidierte erst mit Alexander Kraft und danach mit einem Newman beim zurück kommen auf die Strecke. So musste es am Ende Cooper McAllister selbst lösen, welcher am Start den Frontflügel verlor und somit in der Anfangsphase zurückfiel.


Doch der Australier zeigte auch dank Safety-Car Phasen eine tolle Aufholjagd inklusive hochwertiger Duelle gegen die Konkurrenz. Fehler machten stattdessen andere und so endete die Reise für McAllister am Ende auf Rang zwei und somit dem ersten Podium der Saison. So übernahm man auch direkt die Führung in der Team-WM und dass obwohl im Vergleich zum letzten Jahr die Ergebnisse nicht gleichwertig erscheinen. Umso besser, dass das Team um Dominic Röhken noch Verbesserungspotenzial für die kommenden Aufgaben verfügbar hat. In Imola zeigte man sich gewohnt Trainingssicher positionierte sich in den Hotlaps in Schlagweite hinter der Spitze. Gerade Cooper McAllister findet sich bisher nur knapp drei Zehntel hinter Frontmann Alexander Kraft wieder.


Dabei wird man vor allem auf ein gutes Teamresultat aus sein, welches die Stellung in der Team-WM weiter verbessern würde. Dass man sich dabei nicht immer aus allen Unwegbarkeiten eines Rennens raushalten kann hat der Saisonstart gezeigt. Umso gespannter kann man sein wie beide Piloten mit den heutigen Herausforderungen umgehen werden. Zumindest in Sachen Aufholjagd hat McAllister in Imola Erfahrung. Nach unglücklichen Fehlern und angetrieben von den Emotionen seines Teamchefs fuhr der Australier 2021 vom Ende des Feldes noch auf den fünften Platz.


Autor: Julian Kopp