VFC-2022 - USA GP - Kurzanalyse Teil 2

Im zweiten Teil unserer Analyse zum ersten Rennen auf dem nordamerikanischen Kontinent schauen wir uns nun die beiden stärksten Teams des Mittelfelds sowie die ersten beiden Teams der Vordergruppe an.



Buttler-Pal

Bei Buttler-Pal geht es nach dem verkorksten Grand Prix von Portugal wieder aufwärts. Nach dem zweiten 0er der Saison konnte man in Monaco wieder deutlich mehr aus sich und dem Auto herausholen. So holte man nach schwieriger Qualifikation am Ende starke neun Punkte, wobei vor allem Alex Woitala feiern dürfte, da er nach dem Fehler von Alexander Hess in der letzten Runde auf den zwölften Platz rutschte und seinen ersten Punkt der VFC-Saison 2022 holte. Das dürfte gerade für den älteren Fahrer Balsam für die Seele gewesen sein.


So geht der Trend weiter, dass Buttler-Pal bisher eine der großen Überraschungen der Saison 2022 ist. Heiko Kolvenbach holt regelmäßig das Maximum und noch mehr aus dem eigentlich schwachen Buttler-Pal heraus, was für seine fahrerischen Qualitäten spricht. Und auch Alex Woitala lässt regelmäßig aufblitzen, was er eigentlich kann, hadert dafür aber immer wieder mit den Reifen und deren Temperatur. Beim kommenden Grand Prix dürfte das aber nicht so ein großes Problem werden, denn der Wetterbericht sagt warme 25 Grad voraus.


Ein größeres Problem könnte es dann für Woitala werden, wenn es möglicherweise zu regnen beginnen wird; die Regenreifen sind nicht leicht auf Temperatur zu bringen. Heiko Kolvenbach dagegen betonte immer wieder, dass er sich auf eine nasse Strecke freuen würde, dort könne er seine volle fahrerische Qualität unter Beweis stellen. Das tut der Rheinländer allerdings auch schon im Trockenen und im Training zum Grand Prix der USA, wo er die drittbeste Zeit auf den Asphalt brannte. Es könnte dementsprechend ein guter Abend für die bisherige Überraschung der Saison 22 werden.



Razor GP

Und plötzlich stand da Bastian Paisler auf dem Podium und konnte gar nicht aufhören, zu lachen und zu grinsen. Damit hätte wohl niemand gerechnet, allerdings hatte sich das ganze eigentlich schon in Portugal angedeutet. Paisler kommt extrem gut mit den Duurzaam-Reifen zurecht, fuhr damit schon in Portimao auf Platz 4. In Monaco gelang ihm dann das Kunststück, für fast 40 Runden den harten Reifen durch die Straßen von Monaco zu prügeln. Der Viertplatzierte Marc Schlüter dürfte dazu Albträume von Paislers Heckflügel gehabt haben dürfen, ähnlich vergleichbar wie Lewis Hamilton zuletzt in Imola mit Pierre Gasly. Schließlich sah der Falcon-Phylum-Pilot den Razor-Heckflügel für eine sehr lange Zeit und ohne Vorbeikommen.


Und auch Tim Brendel überzeugt in den letzten Rennen immer mehr. Die Updates am Razor funktionieren für den Pole-Weltmeister aus 2020 sehr gut, vor allem für seine konstante Fahrweise ist das Gold wert. So gelang dem Ostdeutschen nach schwieriger Qualifikation ein zehnter Platz in Monaco, wodurch sich Razor GP weiter im Mittelfeld festsetzt und der Konkurrenz davon eilt.


Und so kommt man mit 14 Punkten Vorsprung zu Platz 8 in der Team-WM in die USA nach Watkins Glen. Das Selbstvertrauen dürfte bei beiden Razor-Fahrern extrem hoch sein, nur bei der Motivation zum Fahren scheint es noch etwas zu hadern. Beide Fahrer sah man zumindest auf dem Server noch nicht trainieren, möglicherweise wurde dies aber auch schon offline erledigt. Der hohe Reifenverbrauch der Konkurrenz dürfte aber vor allem wieder Paisler entgegenkommen, der unter Umständen einen Stop weniger machen könnte. So sind dann auch wieder Punkte drin, vielleicht ja sogar ein Podium.



Manziel Grand Prix

Nach einem punktelosen Rennen und extrem viel Pech für Alexander Kraft in zwei Rennen war für Manziel Grand Prix wieder eine starke Punkteausbeute sowie ein viertes Podium drin. Gerade für Kraft war dieser zweite Platz im Fürstentum Balsam für die Seele; trotzdem hätte der Deutsche wieder gewinnen können, doch in den Straßenschluchten von Monaco war kein Vorbeikommen an Jannis Wollborn. Ärgerlicher umso mehr, dass Kraft die Führung durch ein unvorteilhaftes Safety Car verlor. Währenddessen zeigte aber Rouven Meschede wieder einmal einen starken Auftritt als Ersatzfahrer und holte in seinem vierten Einsatz der Saison wieder einmal Punkte: Dadurch entsteht das Paradoxon, dass Meschede als Nicht-Aktiver Fahrer auf P12 der WM steht.


Der siebte und zweite Platz in Monte Carlo bescherte Manziel auf jeden Fall die größte Punkteausbeute des Rennens, wodurch man auch wieder an Newman oder Cliffort dran ist. Auch Clipper scheint wieder in Reichweite, da Pascal Pohlenz sein Weiterfahren in der momentanen Saison stark infrage stellt.


Wer sein Weiterfahren aber nicht ingrage stellt ist Sebastian Steinhauer. Der Manziel-Stammfahrer hatte zwei Rennen wegen anderweitiger Verpflichtungen ausgesetzt, scheint aber nun wieder in das Schwarz-Goldene Auto zu steigen. Ein paar Runden hatte der Heidelberger vor gut einer Woche gedreht, am heutigen Wochenende dürften weitere Runden gefahren werden. Teamkollege Alexander Kraft hat daneben wieder fleißig trainiert, steht mit seiner bisher gezeigten Pace auf P6 der Zeitenliste. Er dürfte sich aber noch deutlich steigern und sehr wahrscheinlich wieder um den Sieg mitkämpfen können. Der erste Sieg beim Heim-Grand-Prix wäre natürlich eine Geschichte für sich.



Newman Racing

Es waren ein paar unruhige Wochen für das deutsche Traditionsteam von Newman Racing. In Portugal holte David Jundt sein erstes Podium, während Sven Schubert in den ersten zwei Runden ausschied. Das wiederholte sich dann auch im Fürstentum von Monaco, wo Schubert Opfer eines Auffahrens von Yannik Barwig wurde und beinah eine Startkarambolage auslöste, aber geistesgegenwärtig ESC drückte und schlimmeres verhinderte. Teamkollege Jundt erlebte nebenbei einen Grand Prix zum Vergessen, mit Unfällen, einer Überrundung und sechs Boxenstopps. So blieb nur ein Nuller für Newman Racing, der erste in diesem Jahr.


Und ein paar Tage später dann die Verkündung von Jundt selbst: Er würde das Team verlassen, zu groß waren wohl die Differenzen zwischen dem Schweizer und Teamchef Patrick Newman. Auch Sven Schubert soll wohl hierbei eine Rolle für Jundts Entscheidung gespielt haben, aber das sind bisher Spekulationen. Ein Ersatz ist bisher noch nicht gefunden, aber der Name Morgan Freeway geistert immer wieder durch das Fahrerlager: Der Mann von den Färöer-Inseln ist ein alter Bekannter von Patrick Newman und Sven Schubert, seine fahrerischen Qualitäten sind dazu bekannt.


In den USA wird Newman trotz des Durcheinanders zwei Fahrer stellen können: Christian Dittmer wird seinen zweiten Einsatz 2022 in der VFC durchführen, dazu bei seinem Heim-Grand-Prix. Einiges an Druck wird also auf den Schultern des US-Amerikaners liegen, Punkte könnten aber möglich sein. Sven Schubert macht es bisher vor, legt in den Trainings eine starke Rennpace an den Tag und matcht in der Zeitentabelle sogar Jannis Wollborn. Möglicherweise ist Schubert ein Geheimtipp für den Sieg oder ein Podium, Punkte sind aber definitiv drin.



Autor: Jörn Georg Dicks