VFC-Australien Analyse - Volksmobil: Zwischen Erwartungen und Eigenanspruch


Im Fahrerlager gibt es seit längerem einen Witz über das Volksmobil-Team: Der Rennstall und dessen Wagen sei in diesem Jahr unschlagbar und man könne die Saison schon abhaken. "Volksmobil OP", so die Kurzfassung. Diese Aussage ist nach dem Test in Barcelona wiederholt worden, als Sven Schubert in einer schnellen Runde die Konkurrenz weit hinter sich ließ. Doch bei genauerer Analyse zeichnet sich ein anderes Bild ab.


Der Aufstieg von Volksmobil konnte schon in der letztjährigen Saison beobachtet werden, als das Team gegen Ende des Jahres um Podien und schließlich auch den Sieg kämpfen konnte, den Marc Schlüter und Sven Schubert in Mexiko unter sich ausmachten. Der eine mit hatte am Ende Pech, der andere das Happy-End. Diesen Aufschwung nahm man in 2021 mit und baute ein Auto, dass um den Weltmeistertitel kämpfen kann. So scheint es zumindest, hat der Test in Barcelona doch die angebliche Überlegenheit des VM-Wagens gezeigt.


Doch Peter Andrews, Teamchef von Volksmobil, glättet die Wogen. "[...]Fakt ist, dass wir noch nicht da stehen wo wir zum jetzigen Zeitpunkt stehen sollten. Wir haben noch viel Arbeit vor uns um in Melbourne letztlich vorne zu stehen. Die Konkurrenz ist hart, Cliffort, Newman und Cesario machen einen starken Eindruck." Dabei ist man sich bei VM auch darüber bewusst, dass die Entwicklung im Verlaufe der Saison nicht die Beste sein wird. Zu viele Tokenpunkte hat man in die Pre-Season gesteckt, so dass das Auto in den ersten Rennen zwar stark sein wird, aber während der Saison Schritt für Schritt zurückfällt. "Wir sind auf gute Leistungen in den ersten Rennen angewiesen", so Andrews.


Und die Fahrerpaarung? Die ist für 2021 eine der besten im gesamten Fahrerfeld. Mit Kevin Peters hat man den amtierenden Weltmeister geholt, der als Setupgenie bekannt ist. Sven Schubert ist geblieben und hat in der GSO-Historie mit seiner schnellen und auch impulsiven Fahrweise schon mehrmals bewiesen, dass mit ihm immer zu rechnen ist. Doch das könnte dem Team zum Verhängnis werden, denn beide Fahrer hegen in diesem Jahr den Anspruch auf den Fahrertitel. Andrews ist sich diesem Problem bewusst, verweist auf Geschlossenheit und darauf, dass man sich erst auf die Konkurrenz konzentrieren sollte, bevor man intern gegeneinander kämpft. Wie lange diese Harmonie aber anhalten wird ist fraglich.


Denn Sven Schubert zeigte schon im Test und im Training, dass er voll auf Angriff geht. Der Deutsche ist quasi eines der Urgesteine der GSO, seit den Anfangszeiten mit Unterbrechungen dabei und immer noch einer schnellsten. Zum Titelgewinn hat es aber bisher nie erreicht, was Schubert nun gerade rücken will: "[...] Da ich mich auch eher am Ende als am Anfang meiner VFC Karriere befinde heißt es jetzt oder nie. Das Ziel für diese Saison kann nur der WM-Titel sein aber dies wird sehr sehr schwer werden."

Angesprochen, ob Schubert eine gewisse Formel hat, um Peters zu schlagen, antwortete dieser in seiner gewohnt offenen und schroffen Art: "Die Formel ist schneller Fahren als Kevin und vor ihm ins Ziel kommen." Dabei hebt er hervor, dass er bisher immer seine Teamkollegen geschlagen hat. Er sei sich jedoch bewusst, dass Peters von allen am härtesten zu schlagen sei.


Kevin Peters wird den Anspruch des Teamkollegen und der anderen Konkurrenten auf die Fahrerkrone abzuwehren wissen. Im Gespräch mit der Redaktion wirkte der Deutsche sehr motiviert und auch selbstbewusst, rechnet sich trotz der etwas mittelmäßigen Entwicklungsrichtung gute Chancen auf den WM-Titel aus und pocht vor allem auf seine Fähigkeiten im Rennen und mit den Reifen. Angesprochen auf die diesjährigen Titelherausforderer äußerte sich Peters lobend gegenüber Lukas Schmidt: "Ich denke am meisten muss man auf Fahrer, wie Lukas Schmidt, Sven Schubert oder Cooper McAllister achten, die alle eine starke Saisonvorbereitung hatten. Besonders Lukas überzeugt jetzt schon mit seinem eher schwachen Boliden auf der Strecke." Doch trotz dieses Lobes wird sich der Weltmeister seine Krone nicht so einfach wegnehmen lassen.


Volksmobil bietet vor dem Melbourne-Rennen definitiv das stärkste Auto, aber auch die explosivste Fahrerpaarung auf. Man kann in den ersten Rennen damit rechnen, dass der deutsche Rennstall um Siege kämpfen wird. Der Titel wird für die Fahrer und das Team im Mittelpunkt stehen, allerdings könnte es schwierig werden, einen sich erarbeiteten Vorsprung dauerhaft zu verwalten. Vielleicht heißt es dann am Ende des Jahres "Volksmobil doch nicht OP".




Hier kommst du zu den aktuellen Trainingszeiten des Australien GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021




Hier gehts zur VM-Teamvorstellung:


Autor: Jörn Dicks