VFC: Belgien-Analyse - Teil 1: Die Mai-Nemesis

Der Mai war ein hartes Stück für die Teams auf dem Weg durch VFC-Saison 2021. Gerade im hinteren Mittelfeld konnte ein Teil der Rennställe kaum etwas zählbares mitnehmen. Vor dem Start des Belgien GP schauen wir auf die Ausgangssituationen der Hinterbänkler.


Scuderia CM Motorsport

Der italienische Rennstall Scuderia CM Motorsport erlebte einen Power-Monat Mai zum Vergessen. Mit 0 Zählern beendete man diesen intensiven Saisonabschnitt und sieht sich augenblicklich mit den Konsequenzen konfrontiert. Zusammen mit Manziel GP teilt man sich derzeit mit sechs Punkten den letzten Platz der Team-WM. Ein Zwischenstand, den man wohl so selbst nicht erwartet hätte. Die Unruhe rund um den Abgang von Alexander Rütt für die 2022er Saison steuerte ihr übriges zur jetzigen Situation bei. Dabei war es auch gerade in den letzten Rennen nicht immer eigenes Unvermögen, welches dem Punkteerfolg im Weg stand. Rütt wurde in Österreich Opfer des Massencrashs in der ersten Runde. Gino Gaggiano musste sich trotz guter Anfangsphase nach eigenem Fehler und Unfall mit einem der Manziels ebenfalls mit einem Nuller abfinden.

Damit hängt das Team weiter den eigenen Erwartungen hinterher. Die Konsequenzen gibt es nun. Alexander Rütt wird 2022 nicht mehr für SCMM an den Start gehen. Die Hinter-gründe des Abgangs wirken dubios. Teamchef Gaggiano war laut eigener Aussage mit dem Trainingspensum und den Leistungen Rütts unzufrieden. Dieser jedoch sagte selbst aus, ihm sei die ausbleibende Vertragsverlängerung mit finanziellen Gründen erklärt worden und so bleibt ein großes Fragezeichen hinter den Plänen Gaggianos. Damit liegt der Fokus weiter voll auf der sportlichen Seite. Beim kommenden Belgien GP tritt SCMM aller Wahrschein-lichkeit nach in der Stammformation an, auch wenn Rütts Startbeteiligung nach zwischen-zeitlichen gesundheitlichen Problemen lange auf der Kippe stand. Nach Aussage Gaggianos stände aber wohl auch Alexander Hess als Ersatz parat. Dem Grand Prix sieht der Italiener dennoch pessimistisch entgegen: "Einige haben schon in Spa einen neuen Motor und teilweise Updates drin, das ist für uns natürlich ein Nachteil. Wir müssen uns daher leider überraschen lassen. Alexander Rütt sollte rechtzeitig für das Rennen fit sein. Ist er das nicht, wird Hess für ihn kurzfristig einspringen. Ich schätze aber, dass diesbezüglich alles glatt laufen wird."

Wie Gaggiano schon beschrieb, die Trainingszeiten sind gerade auf Spa-Francorchamps derzeit schwer zu interpretieren. Fest steht, für SCMM wird es wieder ein harter Kampf werden. Ob der angekündigte Regen dem Team sonderlich entgegen kommen dürfte darf dabei ebenfalls angezweifelt werden. Bereits in Österreich favorisierte Gaggiano eher ein Trockenrennen. Dennoch: im Chaos der Ardennen ist bekanntlich alles möglich.


Manziel GP

Auch für Manziel lief der Monat Mai nicht gut. Nach anfänglichen Überraschungserfolgen steht der Comeback-Rennstall nach vier erfolglosen Rennen in Folge mittlerweile dort, wo ihn viele zu Beginn der Saison vermutet hatten. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen wird der Rückstand für den Rennstall auf die anderen Teams langsam immer größer. Die schlechte Saisonentwicklung des Wagens macht sich so immer stärker bemerkbar und umso schwieriger wird die Herausforderung für die Fahrer Punkte zu holen.

Trotz allem hätte es in Österreich ein erfolgreiches Rennen werden können. Durch das Startchaos kamen beide Manziel Piloten dabei noch recht unbeschadet und so fanden sich Sebastian Steinhauer sowie Travis Carter auf einmal beide in den Punkterängen wieder. In der Folge entstanden tolle Fights im Mittelfeld unter anderem mit dem SCMM Piloten Gino Gaggiano. Selbiger war es auch der kurze Zeit später zu ungestüm in den Zweikampf ging und damit einen Unfall mit Steinhauer verursachte, in dessen Konsequenz beide zurück-fielen. Travis Carter hingegen besiegelte bald sein eigenes Schicksal als er in der Mittelfeld-Kampftruppe Ausgang der letzten Kurve die Kontrolle verlor und den Manziel irreparabel beschädigte.

Am ärgerlichsten aber war, dass Punktesammler Steinhauer dennoch wieder zurück in die Zählerränge fuhr, amm Ende aber chancenlos von Kevin Peters und Daniel Bentenrieder geschnappt wurde. So fiel der Süddeutsche noch in der Schlussphase auf Rang 13 zurück und ging leer aus. Was bleibt sind Erfahrungswerte, welche für einen Steinhauer in seinem ersten VFC Jahr genauso wichtig sind wie für den routinierten Travis Carter. Dennoch weiß der Rennstall wie schwer die kommenden Aufgaben werden. Bereits für den Belgien GP macht sich Carter kaum Hoffnungen: „Bei einem normalen trockenen Renn-verlauf werden wir nichts mit den Punkten zu tun haben. Dafür haben die anderen Teams mittlerweile zuviel entwickelt.“

Erschwerend kommt weiterhin hinzu, dass Punktegarant Sebastian Steinhauer erstmals in dieser Saison fehlen wird. Ein Rückschlag für das Team, welches zwar auf den D2 Piloten Morgan Freeway zurückgreift, dennoch ohne Steinhauer an Qualität einbüßen dürfte. Carter selbst blieb daher zurückhaltend, hofft aber auf die Wetterhexe. „(…) Wie es mit den Bedingungen aussieht wissen wir natürlich nicht. Freeway hat in Monaco gezeigt, dass er in einem Chaosrennen gut performen kann. Für mich hat es letztes Jahr bei dem Wetterchaos auch für Punkte gereicht. Ziel ist es aber vorrangig das Rennen zu beenden.“

Die aktuellen Rundenzeiten bestätigen den grundsätzlichen Pessimismus. Die Konkurrenz im Mittelfeld scheint wieder überlegen zu sein. Wer allerdings das D2 Rennen am vergang-enen Sonntag verfolgt hat weiß, wie turbulent es auch schon ohne Wettereinflüsse in Spa-Francorchamps zu gehen kann. Sollte der Regen kommen könnte sich auch hier für Manziel die Situation ergeben, in der man am Ende als Glücklicher aus der Nummer herausgeht. Wie so etwas funktioniert, bewies Travis Carter schon letztes Jahr beim Belgien GP als er im unterlegenen Clipper erstmals in die Punkte fuhr und als Elfter abschloss.


R-cademy

Mit mehr Spannung als gewöhnlich blickt die GSO-Gemeinde am kommenden Sonntag auf das Nachwuchsteam von Bastian Paisler. Innerhalb der beiden Razor Teams R-cademy und Razor GP wird in den Ardennen fleißig gewechselt. Da Paisler in Belgien mit Abwesenheit glänzt, wird Alexander Kraft das Cockpit von R-cademy zu Razor GP wechseln. Der Italiener Lorenzo de Ciutiis bleibt also für das Nachwuchsteam übrig. Auf der Suche nach einem zweiten Mann ist Bastian Paisler nun fündig geworden. Der Sieger des Division 2 Belgien Grand Prix Heiko Kolvenbach wird seinen ersten Auftritt in der Königsklasse bekommen. Überraschend ist die Entscheidung dabei nur bedingt. Kolvenbach, welcher direkt seinen ersten Auftritt in der Nachwuchsserie für Buttler-Pal Motorsport gewann, hegte von Anfang an Ambitionen auf ein VFC Cockpit. Dank des starken Auftritts in der Division 2 ist dieses Ziel bereits nach 1,5 Wochen Realität. Kolvenbach selbst zeigte sich vor dem Wochenende in bester Stimmung: "Ja was soll ich sagen? Ich bin hoch motiviert! Ich werde auf jedenfall mein Bestes geben in der VFC. Mein persönliches Ziel sind Punkte. Wenn das klappen sollte wären denke ich mal alle zufrieden."

Bei aller Motivation wird der kommende Grand Prix auch eine Geduldsprobe für den SimRacing erfahrenen Piloten. Der R-cademy Wagen präsentiert sich, trotz Update, mit seinem fehlenden Topspeed bisher äußerst harmlos in den Trainings. Kolvenbachs 1.45.8 liegt aktuell knapp 2,8 Sekunden hinter der ungeschlagenen Topzeit von Marc Schlüter und so hörte man den Neuling bereits mehrfach mit der fehlenden Leistung hadern. Dennoch wird das Fahrerlager mit großem Interesse auf seine Performance schauen, denn noch kann sich auch ein Kolvenbach für die Cockpits der kommenden VFC-Saison empfehlen.


Dabei dürfte auch ein Bastian Paisler ganz weit vorne sein. Das drohende Unwetter hingegen scheint keine Angst zu bereiten, Kolvenbach sympathiert stark mit nassen Bedingungen und auch der Wagen dürfte in einem solchen Fall den großen Topspeed Nachteil verlieren. So wären gute Vorraussetzungen für einen erfolgreichen Rennabend gelegt. Den wird auch der Italiener Lorenzo de Ciutiis anstreben, welcher wie viele andere Piloten für das kommende Jahr noch auf der Kippe stehen dürfte. Bisher konnte de Ciutiis in der laufenden Saison selten überzeugen und wartet weiter auf seinen ersten WM-Punkt 2021.

Beta Guilia

Wie die meisten der hinteren Teams, hatte Beta Guilia im Mai wenig zu lachen. Dennoch nahm man wichtige Zähler mit und verschaffte sich eine gute Ausgangssituation im hinteren Mittelfeld für die zweite Saisonhälfte. Beim vergangenen Österreich Grand Prix sah Anfangs alles ähnlich finster aus wie in Deutschland. Der große Unterschied? Diesmal war Daniel Bentenrieder der Crashverursacher in der ersten Runde. Bentenrieder ging in Kurve zwei neben die Strecke und achtete beim zurück kommen nur bedingt auf seine Mitfahrer.


Dabei drängte der Bayer sowohl Kevin Peters als auch Cooper McAllister von der Strecke und verursachte mehrere Folgekollisionen. Der Beta Guilia Pilot brauchte danach einige Zeit um sich zu berappeln, denn kurze Zeit später räumte er im Zweikampf erneut den Australier McAllister von der Strecke. Die jeweils verteilten Strafen warfen Bentenrieder weit zurück. Doch dieser bewies in der Folge fahrerische Qualität und die Einsatztauglichkeit des Beta Guilia Wagens auf der Topspeed lastigen Strecke. Die Aufholjagd wurde mit Rang 12 und zumindest mit einem wichtigen Zähler belohnt. Ein Erfolg wie Teamchef Johannes Greulich gegenüber der Presse verdeutlichte: „Schon am Anfang der Saison habe ich klargestellt, dass Punkte für uns Luxus sind und wir uns eher in den Rängen dahinter sehen.“


Dementsprechend hält sich der Rennstall weiter im stabilen Mittelfeld mit Anschluss zu Razor GP. Für die kommenden Strecken verspricht sich der Rennstall dabei viel. Das aggressive Leistungskonzept der Italiener sollte sowohl in Belgien als auch beim folgenden Heimspiel in Italien effektiv greifen. Dementsprechend motiviert gehen Teamchef Greulich und Daniel Bentenrieder in den Spa-Francorchamps GP. Gerade Bentenrieder sieht dabei aber auch gewisse Hürden im kommenden Rennen: „Es ist schwer vorauszusagen. Wenn alles nach Plan laufen sollte, würde ich sagen, dass Platz acht bis zwölf drin sein sollte. Die Reifen werden ein großes Thema werden. Aber ich bin jetzt guter Dinge und freue mich auf Sonntag.“

Die Trainingszeiten zumindest untermauern Bentenrieders Hoffnungen, auch wenn der Regen einiges ändern könnte. Bei Beta Guilia hat man sich nämlich auf eine Splittung der Ausrichtungen festgelegt. Dazu Greulich: "Immerhin zeigen die Trainingszeiten dass der zweite Sektor unserem Auto überhaupt nicht liegt und wir uns somit entscheiden müssen in welche Richtung wir gehen. Spa ist eine Strecke, wo es nicht unbedingt auf die zwei Speedlastigen Sektoren ankommt. Wir machen im Gegensatz zu anderen in diesen Sektoren über eine Sekunde gut, aber die verlieren wir dafür wieder im mittleren. Ich für mich habe entschieden, dass ich einen radikalen Weg gehen werde, heißt Topspeed. Was Daniel macht, wird sich zeigen. Er wird wohl einen gesunden Mittelweg gehen, um auch bei möglichen Regenfall gut dastehen zu können."

Die klare Wahl auf den Topspeed Faktor, könnte durch den möglichen Regen sabotiert werden. Umso mehr Hoffnungen muss man auf das Können von Daniel Bentenrieder legen. Sonst droht das Team seinen Vorteil wieder einzubüßen. Eine Situation die viel Spannung im Mittelfeld erzeugen könnte. Aber wie Johannes Greulich so schön sagte, bei Beta Guilia sind Punkte ein Luxusgut.


Hier findest du die aktuellen Trainingszeiten des Belgien GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021


Autor: Julian Kopp