VFC Europa-Analyse: Teil 2 – Drei Mittelfeldteams und ein Topteam

Auch im Mittelfeld dürfte es an diesem Rennsonntag wieder heiß hergehen. Vor dem Grand Prix gibt es viele Fragezeichen bei einigen Teams, bei anderen ist die Ausgangslage aber etwas klarer. Hier nun der zweite Teil der Analyse zum Europa GP.


Razor GP – Trotz altem Motor in die Punkte?

Es könnte ein schwieriger Sonntag für Bastian Paisler und Tim Brendel werden. Razor GP ist bei diesem Rennen das einzige Team aus dem Mittelfeld, welches auf das erste Motorenaggregat setzen wird. Diese sind mittlerweile vier Rennen alt, was ein Problem für beide Fahrer werden könnte. Aber so schlimm wie es klingt, ist es möglicherweise gar nicht. Und das hat mit dem Auto von Razor selbst zu tun.


Denn die Aero könnte einiges wettmachen, gerade am Nürburgring. Selbst in Monza hatte das Auto von Razor gut funktioniert, worüber sogar der Teamchef recht verwundert war: "Also in Monza hätte ich nie gedacht, dass wir so gut mithalten können und ohne das kleine Regenchaos am Ende wären es auch doppelt Punkte geworden, da wir schon nach dem ersten Stop Luca überholen konnten. Kurven sollten uns also liegen und davon hat der Ring ja einige." Somit könnte der gute Aero-Wert des Autos von Razor den Nachteil des abgenutzten und auch schwachen Motors ausgleichen. Und auf dem Nürburgring zählt Topspeed ohnehin weniger. Paisler selbst macht eher die Strecke und ihre teilweise rutschige Fahrbahn zu schaffen, manchmal würde auch das Auto in langsamen Kurven plötzlich übersteuern. Auch das Thema Reifenverschleiß dürfte wieder ein Thema werden.


Trotz altem Motor sind die Chancen auf etwas Zählbares also durchaus da. Zwar stimmen die Zeiten noch nicht ganz, aber beide Razor haben noch nicht viel trainiert. "Rein auf dem Papier sollten wir jedenfalls gute Chancen auf Punkte haben, ob es für die Top10 reicht, kann und möchte ich nicht sagen...bringt nur Unglück. Und das hatten wir ja dieses Jahr nicht gerade wenig.", so Paisler. An dieser Stelle lacht der Razor-Teamchef. Der anfängliche Pessimismus zu Beginn der Saison scheint vorsichtigem Optimismus gewichen zu sein.



Equipo Saldo – Die Siesta ist abgesagt

Beide Saldo-Fahrer haben dieser Tage viel im Simracing-Bereich zu tun. Jannik Maleika und Luca Zorn fahren neben der VFC diesen Sonntag wieder einmal bei einem 24-Stundenrennen mit und haben demnach weniger Zeit zum Trainieren als sonst schon. Das demotiviert die Rot-Gelben aber nicht im Geringsten. "Die Erwartungen sind wie immer nicht wahnsinnig hoch, auch da wir wie in Monza dieses Wochenende noch ein 24h Rennen fahren aber top 10 sollte mit einem Auto möglich sein", so Teamchef Luca Zorn. Jannik Maleika dementiert dabei auf Anfrage der Redaktion, dass er das 24h Rennen als gutes Omen sieht: "In Monza ging das Auto ganz ordentlich und um auf der Strecke eine solide Pace zu fahren benötigt man auch nicht viel Training. Daher glaube ich nicht, dass es ein gutes Omen ist aus einem 24er zu kommen."


Das das Auto in der Lage ist, sofort zu liefern und ein Top-10 Ergebnis zu ermöglichen, haben Maleika und Zorn schon öfters unter Beweis gestellt. Man bedenke Kyalami oder Brasilien. Der Wagen der Equipo hat dabei schon öfters gezeigt, dass es ein stabiler Allrounder mit kaum Schwächen ist, auch wenn Zorn dies eher anders sieht: "Allrounder ist übertrieben aber ich denke das wir im Mittelfeld gut dabei sein könnten." Maleika geht dieses Mal sogar von einem nicht ganz so guten Ergebnis aus wie in den letzten Rennen: "Habe einiges an Erfahrung auf dem Nürburgring, auch wenn das meiste aus dem GT Bereich kommt. Die eigentliche Frage ist, ob die Strecke dem Auto liegt, aber das bezweifel ich stark." Möglicherweise muss also der noch einigermaßen starke VM-Motor helfen.


Und dann kommt noch das Thema bezüglich der Zukunft von Saldo auf. Während es auf dem Transfermarkt weiter heiß hergeht und immer wieder Gerüchte die Runde machen, herrscht bei Saldo seltsame Stille. Aber Luca Zorn deutet im Gespräch eine baldige Ankündigung wegen der Cockpits für 2022 an. Die Siesta ist also abgesagt.



Clipper Motorsport – Schwierige Ausgangslage

Clipper ist in diesem Jahr ein wenig wie der Mitarbeiter, der sein Potenzial nicht völlig ausschöpft. Sven Schubert bezeichnete das Clipper-Auto mal als den besten Wagen der VFC und das stellte Pascal Pohlenz auch mehrmals unter Beweis. In Jerez, Hockenheim und auch Spielberg hatte Pohlenz immer ein Wörtchen um den Sieg mitzureden, alles Strecken mit unterschiedlichem Charakter. Aber oftmals machen kleinere Fehler diese guten Ergebnisse zunichte, wie der Dreher von Pohlenz in Spa. Leif Nordic währenddessen, obwohl er stark performt, wird oftmals durch nicht zu kontrollierende Umstände aus den Punkterängen genommen.


Somit steht man nur mit 58 Punkten auf dem sechsten Platz der Team-WM da. Und die Konkurrenz von hinten drückt oder fährt davon, weshalb in diesem Rennen die große Punkteausbeute hermuss. Ob diese aber so leicht kommt, ist zu bezweifeln. Pascal Pohlenz hat bisher noch keine Zeit auf dem Trainingsserver gesetzt und auch Teamkollege Leif Nordic weiß nicht, wo der Teamchef abgeblieben ist: "Ich weiß nicht, hab noch nix von ihm gehört und im livetiming hat er scheinbar noch nix gefahren", so Nordic. "Er hatte auch mal zu mir gesagt, dass er im Sommer n paar Rennen nicht da ist." Kumpel Jannis Wollborn von Newman weiß da schon mehr: "Ist im urlaub soweit ich weiß."

Somit wird Leif Nordic vorerst als einziger Clipper-Pilot den kommenden Grand Prix bestreiten.


Der Ersteindruck ist dabei definitiv nicht schlecht. Der Clipper ist generell auf Strecken mit kurvenreichen Teilen gut unterwegs und das zeigt sich auch beim Training von Leif Nordic. Teilweise scheint der Wagen wie auf Schienen zu laufen, große Ausbrecher oder Quersteher gibt es keine. Nordic beschreibt das Ganze als "Gruselig gut." Um Punkte dürfte es dementsprechend gut gestellt sein, auch aufgrund Nordics Form.



Russia GP – Die perfekte Wodka-Welle

Alles läuft perfekt für Russia GP. Marc Schlüter ist in starker Verfassung und holte Poles und Podien, Fabian Jungbluth sammelt konstant Punkte und hat ebenfalls ein Podium sicher und mit der Kooperation mit Falcon für 2022 sieht man mit Vorfreude in die Zukunft. Und es scheint nicht so, als ob diese gute Lage erst einmal vorbei sein dürfte.

Hauptziel ist dabei weiterhin der dirtte Platz in der Team-WM. Anfangs der Saison rückte dieses zwar in weite Entfernung, aber durch die starken Leistungen beider Russia-Fahrer ist man wieder gut dabei. "Platz 4 ist sehr in reichweichte aber wir wollen natürlich Attacke auf P3 machen. P3 war am Anfang der Saison das Ziel und dieses ist nun dank den letzten 2-3 Rennen wieder machbar. Wenn wir weiter so konstante Leistungen bringen, sehe ich uns am Ende der Saison auf P3." so Marc Schlüter. Und alles scheint in diese Richtung am Nürburgring zu laufen.


Denn Marc Schlüter führt schon wieder die Zeitenliste vor dem Grand Prix an und rechnet sich auch vorsichtige Chancen aus, dass Rennen zu gewinnen: "Ob es für den Sieg langt werden wir sehen, das auto ist jedenfalls dazu in der Lage aber ich denke nicht dass die Pace im vergleich zu Spa und Monza so viel besser als die anderen ist." Das Wetter dürfte dem Russia-Piloten dieses Mal keinen Strich durch die Rechnung machen, schließlich liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei 0%. Die Pace des Russias ist dabei sicherlich überraschend, sogar Schlüter selbst ging nicht davon aus.


Fabian Jungbluth indessen ist deutlich pessimistischer als sein Teamkollege. "Die Festspiele sind erstmal vorbei, von daher braucht niemand die Hoffnung zu machen dass ich wieder aufs Podium zu fahren." Der Deutsche steht nur auf Platz 10 in der Zeitenliste und liegt dabei sogar hinter dem r-Cademy von Heiko Kolvenbach. Dies dürfte zwar allerdings noch nicht die wirkliche Pace von Jungbluth sein. Somit wird der Rennsonntag und vor allem Russia GP sehr wichtig und auch interessant. Denn die Konkurrenz von Cesario und Cliffort werden ebenfalls ein paar Sätze um den dritten Platz in der Team-WM mitreden wollen.



Autor: Jörn Georg Dicks


Hier geht es zu den aktuellen Zeiten zum Europa GP: https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021


Optional hier: http://85.214.76.156:8000/tracks