VFC-Fahrermarkt: Aus für Schmidt! – Der Doppelweltmeister tritt ab!


Als im Sommer 2020 bekannt wurde, dass Lukas Schmidt sein VFC-Comeback für die Scuderia Cesario geben würde ging ein Ruck durch die Königsklasse. Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. Teamchef Gonzalez Cattivo hatte mit seinem Schweizer Coup ein Ausrufezeichen gesetzt. In den folgenden Monaten wurde im Fahrerlager viel über diesen Deal diskutiert. Der Ton schwankte dabei zwischen Ehrfurcht, Neid aber auch Angriffslust. Die Erwartungen waren groß, nicht nur von außen. Dass Cattivo den Schweizer zwischen-zeitlich als die "Champions League" unter den Fahrern bezeichnete, zeigt wie hoch auch die Erwartungen der Italiener an Schmidt und die Saison waren. Der Fahrertitel wurde klar als Ziel ausgeschrieben.

Am Ende kann man sagen, dass man, wie bereits öfter in der Vergangenheit, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde. In vielerlei Hinsicht. Zwar gelang Lukas Schmidt in Brasilien der ersehnte Sieg für die Roten, anschließend musste man sich jedoch zu oft mit dem zweiten oder dritten Platz begnügen. Dank der Serie von 7 Podesten in Folge verlief für die Italiener dennoch vorerst alles nach Plan. Die Fahrer-WM galt als äußerst realistisch auch wenn die Ehrfurcht der Konkurrenz vor dem Doppelweltmeister Schmidt hier bereits bröckelte. Zum einen weil auch Schmidt fahrerische Schwächen in der Anfangsphase der Saison offenbarte. Nach einem verkorksten Rennen in Südafrika, bei dem sowohl Strategie als auch Fahrfehler für einen Rückschlag sorgten, biss er sich in Imola die Zähne an Sven Schubert aus, offenbarte teils unüberlegte, ungeduldige Aktionen.

Auch das hatte Gründe und bringt uns zum zweiten und wohl wesentlich größeren Punkt weshalb die Comebacksaison von Lukas Schmidt eher als Misserfolg zu werten ist. Zwar zeigte sich der Cesario Wagen in Kombination mit den rennstarken Durzaam Reifen zu Saisonbeginn sehr stark, doch schon hier offenbarte der rote Flitzer Schwächen. Gerade die mangelhafte 0er Bremse trieb den Doppelweltmeister in einigen Rennen schier zur Verzweiflung. Im Zweikampf war Schmidt oftmals seinen Kontrahenten unterlegen. Ein Mitgrund warum es bei dem einen Triumph in Brasilien blieb. Das erwartete Top-Auto, welches auch bei den Verhandlungen zwischen Cattivo und Schmidt im letzten Jahr ein wesentliches Argument gewesen sein soll, war der Cesario am Ende nicht lang genug.

Die Bilanz des Doppelweltmeisters nach der ersten Saisonhälfte konnte sich dennoch sehen lassen. Gerade weil Schmidts Teamkollegen neben ihm stets blass wirkten. Bezeichnend auch, dass der Schweizer nur in Brasilien zusammen mit einem seiner Teamkollegen Punkte für das Team holte. Dabei wurde er nie innerhalb des Rennstalles auf der Strecke geschlagen. Eine klarere teaminterne Nummer 1 dürfte es 2021 nicht gegeben haben. Aus den Titelambitionen wurde dennoch nichts. Die zweite Saisonhälfte wurde zur Pleite. Auch hier aus verschiedenen Gründen. Spürbar dass der Cesario wie es zu erwarten war immer mehr abbaute. Hinzu kamen unglückliche Rennverläufe die Schmidts Strategie das eine oder andere Mal durcheinander warfen und der Vorteil gegen die Konkurrenz egalisiert wurde.

Ebenfalls großen Impact hatten die Planungen für 2022. Hier wurde es rund um die Causa Schmidt erst richtig verwirrend für den Außenstehenden. Lange kommunizierte das Team nach außen hin, dass es ein einjähriger Gastauftritt des Doppelweltmeisters werden würden. Doch Schmidt selbst brachte eine andere Perspektive ins Spiel. Glaubt man dem was das Fahrerlager erzählt war Schmidt durchaus geneigt 2022 seine VFC-Laufbahn fortzusetzen. Am Ende soll das Team ihn vor vollendete Tatsachen gestellt und sich für die Kombination aus Jannis Wollborn und Jan Winter entschieden haben. Dass im Zuge dieser Entscheidung in Kombination mit den Resultaten auch die Motivation und Prioritäten sich bei Schmidt spürbar veränderten verdeutlichten seine beiden Abwesenheiten in Großbritannien und Mexiko. Mit denen er, Rückblickend betrachtet, die WM endgültig weggegeben haben dürfte. Gerade weil Kontrahent Jannis Wollborn in beiden Rennen Punkte holte. Auch Punkte die bei Teamchef Cattivo nicht gut angekommen sein sollen.


Umso verwunderlicher mutet das Interview mit Gonzalez Cattivo vom gestrigen Abend an. Kein Wort über die Enttäuschung der eigenen Erwartungen dieses Jahr keinen Titel geholt zu haben, kein Wort über nicht erfüllten Erwartungen des Autos, kein Wort über die scharfe Kritik des Mexikaners an seinem Doppelweltmeister im Laufe der Saison und kein Wort zur schwachen teaminternen Kommunikation durch welche sich Schmidt letztlich bei den Planungen für 2022 vor den Kopf gestoßen fühlte. Dass Schmidt doch vor hatte 22 weiterzufahren? Ein Mißverständnis. Entsprechend erstaunt fielen die Reaktionen im Fahrerlager aus. Von "rosa roter Brille" sprachen die einen, von "Schönmalerei" die anderen. Lukas Schmidt freilich hätte es so oder so nichts genützt. Zwar stand der Schweizer noch mit dem ein oder anderen Team in Kontakt, nachdem Newman Racing ihn jedoch abgelehnt haben soll, entschied sich Schmidt wohl selbst gegen kleinere Teams und eine Fortsetzung in der VFC 2022. Dabei dürften sowohl die Enttäuschungen des Jahres 2021 sowie das hohe Gehalt dafür gesorgt haben, dass es am Ende an Erwartungen und Anreizen in Gesprächen mit den Teams scheiterte. Dass einer der Top-Fahrer der Liga auch in einem Topteam fahren will gehört hier ebenfalls zu den nachvollziehbaren Gründen.

Am heutigen Nachmittag nun trat Schmidt vor die Presse und verkündete das endgültige Aus für 2022. Der Cesario Pilot hielt das Statement kurz und knapp: "Mittlerweile kann ich definitiv bestätigen, dass Japan mein letztes Rennen in nächster Zukunft bzw. gegebenen-falls generell sein wird und ich nächstes Jahr nicht fahren werde."

Blickt man also nun auf die Geschichte rund um Lukas Schmidt 2021 sowie die Fahrer-verhandlungen für das kommende Jahr würden viele wohl von einem unglücklichen Verlauf ohne Happy End sprechen. Kritischere Stimmen hingegen von einem Armutszeugnis für die VFC.


Autor: Julian Kopp