VFC-Fahrerporträt: Einmannbetrieb – Wie Pascal Pohlenz seinen eigenen Weg geht


Pascal Pohlenz ist Teamchef und Fahrer - erster Fahrer - seines Clipper Teams. Nach seinem unrühmlichen Abgang von Cesario während der Saison 2020, hat er nach dem ebenfalls unrühmlichen Abgang seines Teamchefs Simon Core beim amerikanischen Clipper-Team das Ruder übernommen. Auch wenn mit der Verpflichtung von Alexander Rütt, vor allem in Punkto Konstrukteursmeisterschaft, durchaus Potential vorhanden zu sein scheint, so ist es auch 2022 nicht zu erwarten, dass Clippers zweiter Fahrer Pohlenz im Duell ernsthaft gefährden kann. Mit dem französischen Gerard Aggregat fährt Clipper 2022 nun also nicht mehr unter dem TCG-Branding „Titan“ als Motorenpartner. Eine Regeländerung erlaubte eine weitere Zusammenarbeit nicht, was sich im Nachhinein für Clipper sogar als glückliche Wendung darstellen könnte. So ist man unabhängiger und kann durch das zum Teil umstrittene Motorenreglement (die Redaktion berichtete) sogar einen Vorteil daraus ziehen. Zum Abschied von TCG als (Motoren-) Partner gab es für Clipper als Einsatzteam beim diesjährigen RaceBet500 ein „one, two.“, mit Jannis Wollborn als Sieger. Ein versöhnlicher Abschied.

Das Pohlenz im kommenden Jahr den VFC-Titel gewinnt, möchte man zwar nicht ausschließen, hält es aber eher für unwahrscheinlich. Das liegt weder an seinen Fähigkeiten als Teamchef ein vernünftiges Auto zu organisieren, noch an seiner fahrerischen Klasse. An einem guten Tag, so soll es Lukas Schmidt einmal gesagt haben, wenn alles passe, sei Pohlenz "unschlagbar." Das es aber auch andere Tage gibt, Tage an dem alles zusammen kommt im negativen Sinne, dafür gibt es mittlerweile ebenso genügend Bespiele. Die alte Regel: "To finish first, you have to finish first" hat weiterhin bestand, denn schon 2020 wechselten sich nach Pohlenz Saison-Comeback im Clipper erstaunliche Leistungen mit teilweise kuriosen Abflügen ab. 2021 schlagen hingegen „nur“ drei nicht Teilnahmen zu buche. Es gibt eben Tage, an denen ist ein Pascal Pohenz dann im Urlaub oder sonst wo, aber eben nicht auf der Strecke zu finden. In Summe, so glaubt man bei nüchterner Betrachtung zu erkennen: Einfach nicht genug um gegen Dauerbrenner und Spitzenfahrer wie Wollborn, Schubert oder Schlüter einen Fahrertitel zu gewinnen.

Dabei hätte Pohlenz natürlich alle Möglichkeiten, was ein Blick in die GSO-Weltmeisterschaftsstatistik noch einmal deutlich zeigt. Dort steht er mit neun Siegen auf Rang fünf der ewigen Bestenliste. Auch das Indy500 (zuletzt RaceBet500) hat Pohlenz bereits gewonnen und auch in den LMP Boliden in Le Mans zeigte er in diesem Jahr von Anfang an gute Pace. Als er nach dem RaceBet zuletzt durchblicken ließ mit Jannik Maleika (Russia) zusammengearbeitet zu haben um seinen Teamkollegen Jannis Wollborn zu schlagen, wurden einige Zuseher darin bestätigt, dass Pascal Pohlenz ausschließlich für Pascal Pohlenz fährt und auf der Strecke keine Freunde kennt. Einige werden sich da auch an Japan 2020 zurückerinnern. Genau deshalb wird Pohlenz auch im Jahr 2022 ein großer Faktor sein und die Meisterschaft stark beeinflussen. Wir dürfen gespannt sein wem das nutzt und wem dies schadet und ob es am Ende nicht doch reicht um selbst ein Wörtchen mitzureden.



Autor: Michael Kosbau