VFC-Fahrerporträt: Sven Schubert - Offene Rechnung oder entspanntes Abschiedsjahr?


Nach dem Vize-Meister Titel kehrt Sven Schubert zu Newman zurück – Nach 7 Jahren. Romantischer als ein Titel in seinem wahrscheinlichen Abschiedsjahr ginge nicht.


Der Zweite ist der erste Verlierer. Diesen Satz fand ich schon als Kind schrecklich. Was soll der zum Ausdruck bringen? Wenn du nicht gewinnen kannst, streng dich erst gar nicht an? Wenn es einen Fahrer gibt auf den dieser Satz so gar nicht passt, dann ist es Sven Schubert. Wie soll man verlieren, wenn man nur gegen sich selbst fährt? Schubert tat das, abgesehen von ein paar wenigen Teamkollegen, die ihm manchmal noch mehr im Weg standen als er selbst, schon immer in seiner Karriere. Man meint es schwinge manchmal in seinen Aussagen mit, dass er viel besser sein könnte, wenn er wollte. Doch stimmt das?


Reine Pace ist in der GSO nichts wert


Statistisch ist das nicht unbedingt zu belegen, so wurde beispielsweise der Kanada Grand Prix trotz erhöhtem Trainingspensum nicht zum Erfolg. Es wäre auch zu einfach, denn wenn sich ein Sven Schubert nur anstrengen bräuchte um alle in Grund und Boden zu fahren, denn warum würde er es dann nicht tun? Der Schlüssel dazu liegt tiefer und wird erkennbar, wenn man ihn beispielhaft mit seinen diesjährigen Teamkollegen Kevin Peters vergleicht. Einer, der alles tut um es sich fürs Rennen möglichst leicht zu machen, der akribisch an Setup und mit dem Team an der Ausrichtung des Wagens arbeitet. Auf der anderen Seite der Garage Sven Schubert, der immer 100% gibt lieber ein zwei Verbremser einbaut als fehlerfrei zu fahren, lieber wegen abgefahrener Reifen ein Rennen verliert statt aufgrund der Pace und jemand der kein Rennen aufgibt, selbst wenn es aussichtlos erscheint. Einer der eben nicht stundenlang am Setup tüftelt oder sich „wenn-dann Szenarien“ überlegt. Genau hier liegt auch die Ursache begraben, weshalb ein Fahrer Schuberts Kaliber nicht unbedingt Weltmeister werden muss, denn reine Pace ist in der GSO nichts wert.


Auch ohne Titel einer der Großen


Vielleicht sind gerade deshalb Titel nicht der alleinige Maßstab, um zu den Großen der GSO-Geschichte zu gehören. Sven Schubert engagiert sich neben der Strecke in der Orga, das kostet natürlich neben viel Nerven auch Trainings- Zeit und Lust. Wer die GSO-Weltmeisterschaftsstatistik liest wird feststellen, dass Schubert auch ohne einen Fahrertitel einer der ganz Großen ist. Wer weiß, vielleicht schafft er im nächsten Jahr in seiner vermutlich letzten Saison den großen Wurf. Am wenigen Training wird es sicher nicht scheitern, denn schnell genug ist er zumeist auch so. Schubert ist das lebende Beispiel dafür, dass es unterschiedliche steile und hohe Lernkurven gibt. Er ist sicher einer derjenigen, die verdammt schnell am Limit sind und das kompensiert am Ende so manche Schwäche. Wenn die Fahrzeuge nächstes Jahr wirklich so eng beisammen sind wie manche vermuten, könnte die Stunde des Sven Schubert endlich schlagen – wenn er motiviert ist.


Autor: Michael Kosbau