VFC Großbritannien-Analyse – Teil 2: Kann das Mittelfeld den Top-Teams gefährlich werden?

Hinter der Spitze ist vor den Hinterbänklern. Im Mittelfeld der VFC 2021 geht es heiß zu. Wer macht am Ende einen Schritt nach vorne oder nach hinten? Wir werfen einen Blick auf die Ambitionen der Mittelfeld-Vier.



Razor GP: Teamchef Paisler mit gedämpften Erwartungen

Bastian Paisler hat sich Zeit genommen, um der Redaktion im Zuge des Großbritannien Grand Prix Rede und Antwort zu stehen.


Redaktion: „Bastian, vielen Dank dass du dir Zeit genommen hast, mit uns über das kommende Rennwochenende zu sprechen. Dennoch möchte ich vorher noch das letzte Rennen ansprechen: Warst du mit Ungarn zufrieden?“


Paisler: „50/50. Zum einen bin ich zufrieden, dass meine Strategie so semi-gut funktioniert hat, allerdings hat mir die FCY dazwischengefunkt. Zum anderen tut es mir vor allem für Tim leid, der leider seinen Wagen mit Motorschaden abstellen musste. Ich glaube auch, dass Ungarn ein gutes R-Cademy Rennen gewesen worden wäre, aber Urlaub geht natürlich vor.“

Redaktion: „Du scheinst auf 1 Stop unterwegs gewesen zu sein, hast aber wohl nicht die FCY genutzt. Ist das auch eine Option in Silverstone?“


Paisler: „Ja, die 1-Stop Strategie mit den harten Reifen ist doch besser abgelaufen, als ich es mir gedacht habe. Zwar hätte ich am Ende in der FCY vielleicht doch auf frische Reifen setzen sollen, aber hinterher ist man immer schlauer. Am Ende bin ich doch ganz zufrieden, einen Punkt mit dem alten Motor geholt zu haben. Auch die Zweikämpfe, vor allem mit Lukas am Anfang, haben viel Spaß gemacht. Die 1-Stop Strategie ist auf jeden Fall wieder eine Option für Silverstone, solang das Wetter mitspielt.“


Redaktion: „Mit welchen Gefühlen gehst du nach Silverstone? Wird der Razor sich zeigen können?“


Paisler: „Ich bin ja relativ geübt im Tiefstapeln, deswegen möchte ich da keine Prognose abgeben. Es kann quasi alles möglich sein, je nachdem wie das Wetter wird. Aber dass der Razor gut durch die Kurven geht, die Reifen nicht so hart rannimmt und auch im Regen was geht, hat man ja spätestens in Spa gesehen.“


Redaktion: „Wer fährt im anderen Razor Cockpit?“


Paisler: „Tim natürlich (lacht). Da allerdings Lorenzo noch im Urlaub ist, wird wohl Heiko nochmal das Cockpit neben Alex einnehmen können. Vielleicht kann er jetzt endlich mal zeigen, was er in der VFC zu leisten im Stande ist.“


Redaktion: „Was meinst du: Kommt die nächste Regenüberraschung?“


Paisler: „Schwierig! So oder so, die vielen Kurven sollten uns eigentlich eher liegen, ob nun mit oder ohne Regen. Aber ein bisschen Chaos hier und da kann uns sicher nicht schaden, solange wir nicht selber drinstecken.“




Clipper: Wieder eine One-Men-Show von Pohlenz?

Das letzte Rennen in Ungarn muss dem Deutschen Pohlenz sehr zugesagt haben: Frisch aus dem Urlaub zurück, kaum trainiert und gleich auf den zweiten Rang gefahren. Pohlenz sagt dazu: „Alles in allem war ich mit Ungarn doch zufrieden. Vor allem in Hinblick darauf, dass ich nur den Vormittag am Renntag trainieren konnte, war der 2. Platz zufrieden stellend.“ Minimaler Aufwand, aber ein gutes Ergebnis erzielen, dass kennt man sonst nur von Saldo, nur ohne gutes Ergebnis.


Das gute Ergebnis will Pohlenz wohl in Silverstone wiederholen, denn laut Pohlenz soll „der Clipper in England wieder ganz gut gehen. Einmal durch den starken Motor aber auch durch die sehr schnellen Kurven nach der alten Start/Ziel Geraden.“ Das sind Voraussetzungen, die dem Deutschen auch hier wieder helfen könnten, um vorne mitzufahren.


Auf Nachfrage, ob Leif Nordic ähnliche Chancen haben wird, gibt der Teamchef gleich zu verstehen, dass Leif nicht antreten wird, da er „leider verhindert ist“. Wer dagegen für ihn in das zweite Clipper-Cockpit steigen wird, ist bis jetzt noch unklar. Eine Tendenz welcher Fahrer antreten wird, hat der deutsche Teamchef noch nicht kundgetan, es sieht aber sehr danach aus, dass wieder einmal ein Clipper Cockpit frei bleiben wird.


Ein mögliches, typisch britisches Regenwetter wird das Fahrerfeld laut Pohlenz wohl eher weniger überraschen, denn seiner Meinung nach: „Wenn die Überraschung bedeutet, dass es das komplette Rennen über regnet kann es gerne so kommen. Sollte es jedoch wieder nur kurz regnen sehe ich schwarz, da der Regen immer aufhört sobald ich auf Regenreifen wechsle.“ Hoffen wir mal, dass Pohlenz an seinen Taktik-Skills arbeitet und zur richtigen Zeit auf die Regenreifen wechselt.




Saldo: Voller Fokus auf das Rennen in Großbritannien

Bisher steht das Team aus Spanien klar hinter den Erwartungen, da die beiden Piloten Luca Zorn und Jannik Maleika nicht das Beste aus ihren Boliden rausholen. Bisher zeigte von beiden die Formkurve nicht wirklich nach oben, jedoch hat nun Jannik Maleika angekündigt, dass am kommenden Sonntag eine Ernüchterung kommen wird. Denn „In Silverstone könnten Top 10 wieder drin sein.“, so der junge Deutsche. Man würde es Ihnen wünschen, da auch vor allem Luca Zorn zuletzt mit seinen Fahrfehlern nicht wirklich geglänzt hat.


Schuld daran ist nach eigener Aussage die mangelnde Vorbereitung und die vor den VFC-Rennen stattfindenden 24h-Rennen, an denen die beiden Piloten immer teilnehmen. Die Folge ist dann ganz klar fehlende Konzentration und Müdigkeit. Jedoch ändert sich das dieses Mal: „Habe an dem Wochenende endlich mal kein anderes Rennen davor.“, so Maleika. Und somit wäre mit Saldo wieder zu rechnen, da der Deutsche sich in Silverstone auskennt: „Silverstone ist eine Strecke, die ich inzwischen sehr gut kenne, daran sollte es nicht scheitern.“


Heißt im Endeffekt: Man kann von einem „Oleruf“ der Zuschauer ausgehen, wenn die Toreros, wie angekündigt in die Top 10 fährt. Jedoch bleibt da noch ein fader Beigeschmack: Bisher hat man den gelben Stier noch keine Runden zum Training in Silverstone drehen sehen und es ist davon auszugehen, dass es wieder nicht klappen wird für die beiden Saldos. Schade…




Russia GP: Die Wettbüros sind überflutet und was macht Russinov?


Das russische Team sorgt wiedermal für Gesprächsstoff. Dieses Mal nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch abseits davon. Jedoch alles nach der Reihe:


Auf der Rennstrecke ist Marc Schlüter wieder die Instanz im freien Training. Aktuell stellt er die Bestzeit mit 1:28.916 (Stand: 05.08.2021 16:11) und selbst ein Kevin Peters ist mit acht Zehntel klar hinter dem aktuellen Spitzenreiter. Glaubt man zusätzlich den Aussagen des jungen Deutschen, so ist er noch nicht am Ende, denn „wir müssen nur noch das Setup feintunen und den Kompromiss zwischen Top-Speed und Kurvengeschwindigkeit finden.“ Vor allem im Vergleich zu Ungarn, sieht sich Schlüter wieder in der Siegerrolle: „Bessere Gefühle wie in Ungarn habe ich auf alle Fälle. Der Wagen sollte dieses Mal aus eigener Kraft in der Lage sein Top 5 zu erreichen und evtl. sogar ein Podium. Ob es sogar für den Sieg reicht, wird sich zeigen was VM und Newman machen.


Genau aus diesem Grund glühen auch schon die Leitungen des Ligainternen Wettbüros Racebet: Die Chance, dass Schlüter das Rennen gewinnen wird, war noch nie größer. Dazu ist die Quote sehr vielversprechend und genau deswegen werden viele Glücksritter auf den Deutschen setzen. Auch Insider raten dazu auf Schlüter zu setzen, da mitunter Schmidt und McAllister am kommenden Rennwochenende nicht anwesend sein werden und somit die Siegchance für Schlüter nochmal zusätzlich steigt.


Und wo Geld ist, da ist Russinov nicht weit entfernt. Nachdem der russische Milliardär bei den letzten Rennen wie vom Erdboden verschluckt erschien, ist er dieses Mal ungewöhnlich-erweise schon vor dem Wochenende in England gesichtet worden. Enge Vertraute des Milliardärs haben verlauten lassen, dass er sich privat mit seinem langjährigen Freund Abramowitsch trifft, wo es auch um geschäftliche Dinge gehen soll. So soll plant der Investor ins britische Curling einzusteigen, da er da eine Parallele zu seinem Top-Fahrer sieht. Wie genau das Investment aussehen wird, wurde noch nicht bekannt.




Gesamttendenz der hier genannten Teams:


So wie das Mittelfeld hier beschrieben wurde, so weit auseinander ist es gar nicht. Die beiden Teams Razor GP und Saldo sind immer für eine Überraschung gut, da das eine Team sehr flexibel mit der Taktik auf das kommende Rennen reagieren kann und das andere, zwar Trainingsdefizite hat, aber immer noch gefährlich beim Kampf um die Punkte werden kann. Die beiden Top-Teams der genannten Riege Clipper und Russia GP werden wieder die WM-Aspiranten ärgern und ihnen wertvolle Punkte abluchsen können. Wenn diese beiden Teams sogar auf dem Podium landen können, dann wird sich sicherlich ein abwesender Lukas Schmidt ins Fäustchen lachen.


Autor: Johannes Greulich


Hier findest du die aktuellen Trainingszeiten des Großbritannien GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021