VFC Großbritannien-Analyse – Teil 3: Favoriten, Geheimfavoriten und Rückkehrer

Aktualisiert: Aug 8

Der Kampf um den Sieg wird dieses Mal wieder eine enge Angelegenheit werden. Gerade Volksmobil, Clipper und Newman dürften vorne um den Sieg mitmischen und auch Russia mit Marc Schlüter werden ein Wörtchen um den Sieg mitzureden haben. Hier nun der letzte Teil der Analyse.



Scuderia Cesario – Zum Altbewährten zurück

Und plötzlich war er wieder da. Larry Fischer ist nach seiner Auszeit bei Cesario wieder beim italienischen Rennstall. Dies kam zustande nachdem sich Larry Fischer und Gonzalez Cattivo nach der hässlichen Trennung im Frühjahr wieder versöhnt bzw. Geeinigt hatten. Fischer wird das Cockpit von Lukas Schmidt für ein Rennen übernehmen, da der Schweizer im Urlaub ist, Max Hayman wird währenddessen seinen letzten Grand Prix für die Scuderia bestreiten.

Wie das Ganze zusammengekommen ist, erklärte uns Fischer im Gespräch: "Gonzalez schrieb mich letztens an und suchte ein Gespräch. Wir haben uns seit unserer Trennung nicht gesprochen, sprachen offen über die Ereignisse und gestanden, dass wir beide Unrecht hatten, sodass nun kein böses Blut mehr zwischen uns fließt. Er bot mir einen Einsatz in Silverstone an, weil ich betonte, dass ich den aktiven Vertrag gerne erfüllen möchte. So freue ich mich nun endlich wieder ins Auto zu steigen und es als Chance wahrzunehmen eine aussagekräftige Bewerbung für 2022 zu präsentieren."


Gonzalez Cattivo dürfte über die Zusage von Fischer also mehr als glücklich sein. Schließlich fehlt an Punkten, zuletzt war man auf Platz 4 in der Team-WM abgerutscht. Und Larry Fischer dürfte für diese wichtigen Punkte sorgen: Der Deutsche ist weiterhin ein Punktegarant, trotz seiner schwierigen Phase zu Beginn der Saison. Und er will im Vorfeld des Grand Prixs zeigen, dass er es noch in sich hat (und sich damit möglicherweise für ein Cockpit 2022 empfiehlt). Seine bisherigen Zeiten sind nicht wirklich schlecht, reichen für den siebten bzw. Sechsten Platz in der Trainingsliste. "Der Wagen scheint auf dieser Strecke gut zu funktionieren. Zumal liegt mir die Strecke ungemein. Jedoch sind noch ein paar Feinarbeiten am Setup nötig, um das maximale Potenzial aus Auto und Reifen auszuschöpfen.", so Fischer. Punkte sind für ihn also drin und das trotz älterem Motor. Und die sind für Fischer bitter nötig: "Meine letzten Rennen liefen nicht wirklich gut und ich denke, dass ein paar Punkte meiner Bewerbung gut tun. Nur wenn es trocken bleibt vertsteht sich."


Das Kapitel Cesario ist für Max Hayman währenddessen beendet, allerdings aus freien Stücken. Persönliche Gründe wurden angegeben, weiteres wurde nicht ausgeführt. Und man muss dies auch nicht hinterfragen. Hayman gab aber in einem Interview an, dass er seine Cesario-Karriere mit einem versöhnlichen Ergebnis beenden wolle. Die Zeiten sind hierbei auch gut für den Briten, er steht auf dem neunten Platz, muss sich aber vom bisher starken Alexander Kraft und auch Daniel Bentenrieder geschlagen geben. Aber der Renntag ist entscheidend und da funktioniert der Cesario allgemein besser.

Es dürfte ein interessanter Rennabend für die Scuderia werden. Zwar darf mit dem Sieg nicht gerechnet werden, aber eine gute Punkteausbeute dürfte drin sein. Gerade Hayman wünscht man es.



Cliffort Royal Racing – Der Geheimfavorit auf den Sieg?

Cliffort ist in Aufbruchsstimmung. Nachdem man in Europa endlich wieder einigermaßen an den Top-Teams dran war, folgte endlich der langersehnte zweite Sieg in der Saison in Ungarn. Cooper McAllister gewann nach 2012 wieder ein Rennen, eine sehr lange Zeit für den Australier. Und man könnte meinen, dass er diesen Triumph von vor zwei Wochen nun beim Heimrennen in Silverstone wiederholen möchte. Doch der Australier nahm sich Urlaub und fuhr mit dem Wohnmobil der Sonne entgegen. Für ihn wird Phillip Feckeler einsteigen und damit sein Debüt in der VFC geben.


Man könnte meinen, dass beim Heimrennen der Druck für Feckeler höher ist als so auf manch anderen Ersatzfahrer. Doch der Kölner verneint: "Gerade beim unserem Heim GP möchte das Team natürlich etwas Zählbares mit nehmen. Und der Sieg von Cooper in ungarn legt die Messlatte natürlich weit nach oben. Aber Druck von der Seite des Teams bekomme ich keines Wegs. In erster Linie geht es darum Erfahrungen zu sammeln." Den Einsatz selbst hat sich Feckeler in den letzten Wochen und Monaten verdient, vor allem im Bezug auf seine ansteigenden Leistungen in der D2. Dort holte Feckeler in den letzten Rennen ein paar gute Ergebnisse, so z.B einen vierten Platz beim Italien GP. Dementsprechend ist die Motivation und auch der Anspruch an sich selbst hoch: "Silverstone gehört jetzt nicht wirklich zu den Strecken die ich als einer meiner Lieblinge bezeichnen würde. Aber der Anspruch an mich selbst ist es wenigstens eins zwei Pünktchen mit nach Hause zu bringen und die großen zu ärgern." Er selbst freue sich auf den Grand Prix und bedankte sich bei Fabian Walter für die Unterstützung.


Walter ist bei diesem Grand Prix nicht nur der Unterstützer für den Ersatzfahrer sondern womöglich auch der Geheimfavorit auf den Sieg. Der Deutsche hat mehrmals bewiesen, dass er mit den Reifen von Pironi gut klarkommt und mit diesem länger fahren kann als manch ein anderer. Somit könnte Walter eine alternative Strategie nutzen, die ihn aufs Podium hievt oder sogar zum Sieg verhelfen dürfte. Walter gibt sich hierbei aber bescheiden: "Die Zeiten sehen gut aus, aber es gibt wieder schnellere Autos. Falls regen kommt könnte das uns zu gute kommen, mit der Setup Abstimmung bin ich noch nicht ganz zu frieden, deswegen wird es denk ich schwer mit einem Podium." Und Walters Zeiten sehen ziemlich gut aus, momentan Platz 4 in der Zeitenliste. Die wichtigsten Zeiten dürften aber die Longruns sein, bei denen Walter konstant und schnell ist.

Ob es für das Podium oder sogar den Sieg reicht, wird sich morgen zeigen. Aber die Chancen für eine Überraschung stehen gar nicht schlecht.

Newman Racing – Selbstläufer für Wollborn?

Es ist eine Art Matchball für Jannis Wollborn beim kommenden Grand Prix: Der eine Konkurrent ist im Urlaub, der andere Konkurrent kommt gerade erst aus dem Urlaub. Für Wollborn stehen die Chancen somit gut, einen Schritt weiter in Richtung WM zu gehen. Und danach sieht es auch augenscheinlich aus, denn die Zeiten vom Deutschen sind gut.


Wollborn will vor allem seinen Fauxpas vom letzten Rennen vergessen machen, der ihn das Podium geraubt hatte: "Ja klar will ich das wieder gut machen. Druck habe ich da nicht wirklich. Ich versuche natürlich immer zu gewinnen, wie jeder hier." Und sein heißester Konkurrent, der ebenfalls gewinnen will, dürfte wieder Kevin Peters sein. Es geht in Runde 3 der Auseinandersetzung, die wir schon am Nürburgring und dann auch in Ungarn gesehen hatten. Wollborn bleibt aber vom amtierenden Weltmeister unbeeindruckt: "Der Fight mit Kevin ist nicht wirklich ein Fight für mich. Er möchte sich natürlich "Rächen" bei mir. Völlig verständlich. Soll er machen was er meint. Ich konzentriere mich auf mich und nicht auf ihn, man sieht ja wo er in der WM steht." Und Wollborn weiß, dass es nicht sein Kampf ist, schließlich muss er sich nur auf Sven Schubert und seinen nicht anwesenden Konkurrenten Lukas Schmidt konzentrieren.


Ein Anderer, der nicht anwesend ist, ist Wollborns Teamkollege Barwig. Der Heidelberger wird seiner Fußballmannschaft Waldhof Mannheim beim DFB-Pokal beiwohnen, weshalb Alex Woitala ebenfalls sein VFC-Debüt feiert. Woitala selbst wurde von der Anfrage überrascht, umso mehr freue er sich aber dementsprechend auf sein erstes VFC-Rennen. "Konnte bislang nur ein paar Runden drehen und hatte zu dem Zeitpunkt noch kein Setup. Natürlich aber die Fahrzeuge mehr Power als in der D2. Aber genau darauf freue ich mich.", so der Buttler-Pal Pilot. Große Anforderungen werden dabei an ihn nicht gestellt, auch wegen der kurzen Eingewöhnungsphase in das Auto: "Aus zeitlichen Gründen konnte ich bislang noch nicht ernsthaft trainieren. Die Vorbereitung wird sich auf den Samstag beschränken. Von daher hab ich noch keine Vorstellung, was möglich sein kann. Wäre natürlich fantastisch, wenn am Ende Punkte rausspringen würden."

Es dürfte spannend werden, wie sich Woitala am morgigen Renntag schlägt und auch, ob Jannis Wollborn einen weiteren, größeren Schritt in Richtung WM macht. Der Sieg für Wollborn ist drin, aber er wird kämpfen müssen.

Volksmobil Blue Horns – Mit neuem Motor zur Attacke

Kevin Peters hat sich vor diesem Grand Prix einiges vorgenommen. Ein neuer Motor, neue Motivation durch einen Konkurrenten und viel Training vor dem Rennen. Kevin Peters hat etwas vor und das ist der Sieg. Und der ist überfällig. In Europa hätte es beinah gereicht, aber durch die falsch gelegten Boxenstellplätze gewann schließlich Jannis Wollborn, was Peters überhaupt nicht gut aufnahm. In Ungarn, neben Silverstone die Lieblingsstrecke von Peters, reichte es aufgrund der Stärke von McAllister und Pohlenz nicht. Nun soll auf Silverstone der langersehnte Sieg für Peters kommen.


Der Deutsche zeigte bisher jedoch nicht die wahre Pace des Autos, so glauben zumindest einige der Konkurrenten. Marc Schlüter erklärte hierbei mehrfach der Redaktion, dass Peters sandbaggen würde, was den Russia-Piloten sichtlich frustriert. Aber Peters dürfte dies nicht groß interessieren, er weiß, dass er der Favorit auf den Rennsieg ist. Jannis Wollborn dürfte dabei auch ein Wörtchen mitreden wollen, aber bleibt hier ruhig: "Jannis zu schlagen ist nicht mein Ziel, sondern mein eigenes Rennen so gut wie es geht zu beenden." Die Team-WM dürfte für Peters dabei ohnehin wichtiger sein, vor allem selbstsicher gibt sich der Trierer bei diesem Thema. Schließlich läuft das Auto in dieser Phase der Saison besser als erwartet: "Natürlich ist die Team WM schon sicher. Wir sind das mit Abstand beste Fahrerduo des Feldes und haben die Saison halbwegs gut überstanden."


Sven Schubert währenddessen kommt ohne Training und ohne eine Runde vor dem eigentlichen Rennen aus dem Urlaub zurück. Der Süddeutsche war mit Manziel Fahrer Sebastian Steinhauer in Italien unterwegs, was die Gerüchteküche zusätzlich anheizen dürfte, wenn es um die Zukunft von Schubert geht. Teamchef Travis Carter gab hierzu keinen Kommentar ab, allerdings sind die Verbindungen zwischen Carter, Steinhauer und Schubert bekannt und freundschaftlich.

Im Bezug auf das Rennen dürfte es für Schubert schwierig werden, vor allem wegen der Reifen. Silverstone dürfte dem Reifenfresser der VFC deutliche Schwierigkeiten bereiten. Für eine Top 6 dürfte es aber reichen, trotz älterem Motor.



Autor: Jörn Georg Dicks


Hier geht es zu den aktuellen Zeiten: https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021