VFC-Großbritannien GP – Rennbericht: Cliffort verliert den Sieg in der letzten Runde


Die britische GSO-Woche ist mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen. Nachdem das Rennen in Silverstone bereits in der Division 2 einiges zu bieten hatte, ging es am vergangen-en Sonntagabend in der VFC ebenfalls heiß her. In einem dramatischen Rennen crashte der WM-Führende Jannis Wollborn (Newman) mit Marc Schlüter (Russia) und ließ wie von der Konkurrenz erhofft Punkte liegen. An der Spitze verlor Cliffort indes in der letzten Runde den dritten Sieg mit dem dritten Fahrer in der laufenden Saison. Nutznießer war am Ende der aktuelle Weltmeister Kevin Peters (VM), welcher nach dem Nürburgring etwas verspätet seinen ersten Saisonsieg einfuhr. Für die zahlreichen Ersatzpiloten war es ein Abend der gemischten Gefühle.


Dabei hatte es bereits in der Qualifikation nach einer engen Geschichte ausgesehen. Marc Schlüter zeigte sich zumindest in dieser Session an diesem Abend absolut kaltschnäuzig. Schon früh fuhr der Deutsche mit einer 1:28.888 die schnellste Runde und sicherte sich so knapp vor Kevin Peters und Pascal Pohlenz (Clipper) die dritte Pole-Position der laufenden Saison. WM-Leader Jannis Wollborn hatte spürbar Probleme auf dem Kurs und landete nur auf Startplatz sechs hinter Rivale Sven Schubert (VM) und dem Cliffort Pilot Fabian Walter. Zu einer der Überraschungen der Qualifikation avancierte unterdessen Walters Teamkollege Philipp Feckeler. Der Ersatzmann aus der D2 legte eine ordentliche Pace an den Tag und eroberte sich so Startplatz elf. Cesario Rückkehrer Larry Fischer, welcher für Lukas Schmidt einsprang, bekam hingegen seine Qualifikationsrunde nicht zusammen und ging so mit Platz 18 nur als zweiter Cesario ins Rennen. Alexander Kraft hingegen bestätigte das eigene Potenzial und wurde nach bereits guten Trainings in der Qualifikation letztlich im R-cademy Zehnter.

Zu Rennbeginn ging es dann beinahe gewohnt wild zu. Gerade Pascal Pohlenz hatte einen starken Start und konnte sich an der Spitze Marc Schlüter schnappen. Weiter hinten schepperte es indes ordentlich. In einer unübersichtlichen Situation in den ersten Kurven drehten und berührten sich mehrere Fahrzeuge im Mittelfeld. Mit beteiligt unter anderem beide Cesarios, welche im Nachhinein beide Durchfahrtsstrafen erhielten. Unter den Opfern waren auch wieder einmal beide SCMM mit Ersatzfahrer Jörn Dicks und Alexander Rütt. Durch die anschließenden Reparaturen deutete sich früh eine weitere Nullnummer für die Italiener an.


Einen guten Start erwischte Sven Schubert (VM), welcher sich schnell auf Rang zwei nach vorne schob, während Teamkollege Peters bis auf Rang sechs zurückfiel. Der amtierende Weltmeister hatte zum Start auf harte Reifen gesetzt und so auf den ersten Metern Boden verloren. Alexander Kraft im R-cademy hingegen bestätigte in den ersten Runden die Qualifikation und kam sogar bis auf Platz sieben nach vorne. Kurz darauf schaffte er den Sprung auf Platz fünf.

Vorausgegangen war eine der entscheidenden Rennsituationen, welche auch großen Einfluss auf den Meisterschaftskampf haben sollte. Beim Herausbeschleunigen aus Kurve vier vertauschten sich bei Marc Schlüter auf Grund eines technischen Problems die Schaltwippen. So schaltete der Russia Pilot runter statt hoch. Der dahinter fahrende WM-Leader Wollborn konnte nicht mehr schnell genug reagieren, fuhr auf und beide verloren ihre jeweiligen Flügel. Auch die Aufhängung des Newmans wurde noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen, da der folgende Kraft nicht ganz ausweichen konnte und ihm so noch einen Schlag auf die Vorderachse gab. Sowohl für Wollborn als auch für Schlüter wurde es so ein langer Weg zurück zur Box mit anschließend langen Reparaturstopps die ein Punkteergebnis ohne Safety-Car unmöglich machten.


An der Spitze ergab sich so ein möglicher Vierkampf um den Sieg. Bereits ab Runde 8 gab es hier die ersten Boxenstopps, welche mit Sven Schubert begannen. Pascal Pohlenz (Clipper) hingegen versuchte an der Spitze den Stint auf den weichen Pironi möglichst lang zu ziehen. Durch die einbrechenden Rundenzeiten verlor er so allerdings vorerst Positionen und fand sich danach auf Rang Vier wieder. Unterdessen absolvierte Daniel Bentenrieder die erste gefeierte Führungsrunde für Beta Guilia.

Vorne attackierten kurz darauf Fabian Walter (Cliffort) und Kevin Peters auf den frischeren den WM-Anwärter Sven Schubert. Dabei musste sich der VM-Pilot erst Walter geschlagen geben während er anschließend den Teamkollegen vorbei ließ. Bereits hier deutete sich an, dass diese beiden am Ende den Sieg unter sich ausmachen würden. Peters attackierte Walter hart und ging nach zwei gescheiterten Versuchen mit Berührungen schließlich in Runde 16 vorbei. Dahinter verlor Teamkollege Schubert Platz drei gegen den frischer bereiften Pohlenz.


Unterdessen hatte sich der Equipo Saldo Pilot Jannik Maleika eine eigene gute Ausgangssituation auf Rang fünf kaputt gemacht. Wegen Speeding in der Box kassierte er eine Stop-and-Go Strafe und verlor so viel Zeit und ein paar Positionen. Im Kampf um die hinteren Punkteränge zeigten indes die eigentlichen D2 Piloten Heiko Kolvenbach (R-cademy) und Alex Woitala (Newman) einen tollen Fight. Kolvenbach hatte allerdings auf Grund einer Kollision mit Johannes Greulich eine 5 Sekunden Strafe erhalten und ging so mit einem Handicap in die Schlussphase.

Schließlich wurde der Grand Prix auch ein strategischer Krimi. Am Ende des zweiten Stints kristallisierten sich nämlich unterschiedliche Strategien an der Spitze heraus. Fabian Walter (Cliffort) zog seinen Stint erheblich länger als den ersten und ließ so eine 2-Stopp Strategie vermuten, während Kevin Peters (Volksmobil) auf 3-Stopp unterwegs war. So kam der amtierende Weltmeister nach seinem letzten Boxenstopp ganze 11,5 Sekunden hinter Walter heraus und begann seine Aufholjagd mit teilweise 1,5 Sekunden besseren Runden-zeiten. Dennoch drohten gegen Ende die Runden auszugehen. Umso bitterer, dass in Umdrehung 38 Walters Teamkollege Philipp Feckeler beim Überrunden dem VM kurz den Weg versperrte und dieser knapp sechs Zehntel liegen ließ.


Den Höhepunkt der Dramatik sparte man sich so bis in die letzte Runde auf. Peters kam erst jetzt an die Sekundengrenze heran und gerade als eine der letzten Überholmöglichkeiten überwunden war machte Fabian Walter den entscheidenden Fehler. Beim Herausbesch-leunigen auf die Alte Start-Ziel Geraden verlor der Cliffort Pilot auf den rutschigen alten Reifen den Wagen und drehte sich. Kevin Peters fuhr vorbei und holte sich damit den ersten Sieg seit Italien 2020. Am Ende gab es so strahlende Gesichter bei Volksmobil, während Cliffort Teamchef Dominik Röhken sich im ersten Moment enttäuscht zeigte. Letztlich war dieser zweite Rang aber auch für die Briten ein gutes Ergebnis, selbst wenn die Art und Weise am Ende unglücklich gelaufen war.

Pascal Pohlenz (Clipper) komplettierte letztlich das Podium vor Sven Schubert (VM) und einem starken Fabian Jungbluth auf Rang fünf, welcher Russia wichtige Zähler für die Team-WM sicherte, da Schlüter am Ende leer ausging. Auch die weiteren Punkteplätze waren an diesem Abend eher ungewohnt. Daniel Bentenrieder zeigte sein vielleicht bestes Saisonrennen und setzte den Beta Guilia letztlich auf Rang sechs. Damit kommen die Italiener in der Team-WM immer näher an Razor GP heran, welche mit Platz 10 in Form von Tim Brendel zumindest drei Pünktchen mitnahmen.


Genauso stark wie Bentenrieder dürfte auch die Leistung von Alexander Kraft zu bewerten sein, wenn nicht sogar größer. Der R-cademy Pilot fuhr ebenfalls sein bestes Saisonrennen und lieferte mit Rang sieben am Ende viele Argumente für ein Cockpit 2022. Dahinter kam auf Rang 8 (Jannik Maleika) und Rang 9 (Luca Zorn) das Saldo Team ins Ziel. Gerade für den Schweizer Zorn ein wichtiges Ergebnis, hatte dieser zuletzt vor vier Monaten in Brasilien Punkte geholt.

In die Statistikanalen der laufenden Saison reihte sich auch Alex Woitala ein. Der D2 Pilot und Newman Ersatzfahrer in Großbritannien zeigte eine konstanten Leistung an diesem Abend. Diese sorgte dafür, dass er am Ende als 11. ins Ziel kam und als zweiter D2 Ersatzfahrer in der laufenden Saison Punkte in der VFC holte. Er war damit auch der einzige, dem dies schon im ersten Einsatz gelang.


Den letzten Trostpunkt sammelte am Ende Larry Fischer ein, welcher mit dem gesamten Verlauf des Rennabends trotzdem nicht zufrieden gewesen sein dürfte. Der Deutsche meldet sich damit allerdings direkt mit Punkten zurück bei der Scuderia Cesario. Ein Ausrufezeichen gerade in Richtung von Max Hayman dem es auch im sechsten und letzten diesjährigen Cesario Stammfahrereinsatz nicht gelang etwas Zählbares mitzunehmen.


Mit diesem Rennen schaffte Volksmobil wohl den vorentscheidenden Schritt Richtung Meisterschaft. Gerade in der Fahrer-WM verdichtet sich die Situation hingegen. In den Malaysia Grand Prix geht Jannis Wollborn so mit fünf Zählern Vorsprung vor Sven Schubert. Lukas Schmidt ist durch seine Abwesenheit in Silverstone auf einmal in der klaren Außenseiterrolle und sechs Zähler hinter Schubert.


Autor: Julian Kopp


Hier gehts zur Wiederholung des Großbritannien GP:


Das komplette Rennergebnis des Großbritannien GP:


Der aktuelle WM-Stand nach dem Großbritannien GP: