VFC-Interview: Andrews mit Saison 2021 sehr zufrieden – Nächstes Jahr wird Übergangsjahr


An einem trüben Herbsttag treffe ich Peter Andrews in der Braunschweiger VM VFC Fabrik. Ganz und gar nicht trübe ist die Stimmung. Weil „der Chef“ mit mir eine kleine Führung durch die Fabrik unternimmt bevor wir uns zum Interview treffen, sehe ich viele motivierte Mitarbeiter die freundlich grüßen und den Daumen nach oben recken. Nach einer soliden Einstiegssaison 2020 und dem Konstrukteurstitel in diesem Jahr ist man motiviert und zufrieden. Es wird ein entspanntes Gespräch werden.


Redaktion: Herr Andrews, ihr Team konnte im Jahr 2021 mit Sven Schubert den Vizemeistertitel einfahren und die Kostrukteursweltmeisterschaft gewinnen. Bereits im zweiten Jahr nach dem Einstieg und im ersten Jahr ihres Einstiegs als Investor und Teamchef, also dieser Erfolg. Da muss man doch sehr stolz sein, oder?


Andrews: Darauf bin ich stolz. Vor allem stolz bin ich aber auf das Team. Dass wir aus zeitweise schwierigen Umständen doch viel gemacht haben und die Jungs trotz der angespannten Teamatmosphäre ihre Leistung brachten ist eine tolle Sache. Der Titel tut gut und ist die Bestätigung unseres Planes und der Arbeit über die laufende Saison. Klar wäre es perfekter gewesen, wenn Sven noch den Fahrer-Titel eingesackt hätte, aber ganz im Ernst, dafür waren wir nicht stark genug. Glückwunsch an Jannis für eine tolle Saison und seinen zweiten Titel!

R: Die Stimmung ist nun ausgezeichnet, doch zeigen sich einige Wolken am Horizont, wie einige Leute im Fahrerlager sagen. Durch die Abgänge von Vize- und Ex- Weltmeister Schubert und Peters scheint klar, dass man hier qualitative Abstriche im Bereich Fahrer hinnehmen muss. Wie sehr schmerzen diese Abgänge und was erwarten Sie von ihrem neuem Duo Hess/Dicks? Was ist die Zielsetzung für 2022?


A: Was wir 2022 anstreben ist eine radikale Konzeptänderung. Dessen sind wir uns bewusst und die Jungs genauso. Mit Sven und Kevin hatten wir zwei Topfahrer die in der Lage sind über die Saison konstant Punkte zu holen sowie zeitweise um Siege zu fahren. Wir glaubten, dass wir mit beiden die Team-WM packen können. Für die nächste Saison haben wir ganz andere Zielsetzungen. Den Titel werden wir nicht verteidigen können. Jörn und Alex sind zwei vielversprechende junge Talente, die bereits ein bisschen VFC Luft geschnuppert haben. Beide haben sich auch durch die intensive D2 Saison extrem weiterentwickelt. Dennoch müssen wir realistisch sein und feststellen, dass wir sehr harte Konkurrenz haben werden mit gestandenen VFC-Toppiloten und Weltmeistern. Da müssen sich meine beiden Piloten erst einmal finden. Mein Wunsch für die Saison ist vor allem, dass die beiden Spaß haben, Erfahrungen sammeln und vielleicht in der Lage sind das ein oder andere Podium zu ergattern. Ich denke dann wären wir schon absolut happy!

R: Ebenfalls ist in diesem Zusammenhang der Abgang von Schubert als Konstante und Peters als Entwicklungsfahrer zu verzeichnen. Wie stark werden Sie die beiden quasi VFC-Rookies in die Entwicklung des Wagens einbinden und wie verändert sich in diesem Bereich die Zusammenarbeit?


A: Keine Frage, gerade Kevin Peters war im letzten Jahr für die Entwicklung des neuen Wagens hauptverantwortlich. Ich habe immer gesagt, dass hier vor allem die Fahrer aktiv an der Entwicklung arbeiten sollen und ich ihnen freie Hand lasse. So werden wir auch dieses Jahr vorgehen. Das ist für Jörn und Alex auch eine wichtige Erfahrung. Es verändert sich nur die Herangehensweise bzw. die Voraussetzungen. Denn ein Kevin Peters wird anders an eine Wagenentwicklung herangehen als Jörn Dicks.


R: Man ist also geneigt anzunehmen, dass es im Jahr 2022 vielleicht nicht für ganz vorne reichen könnte, womit Sie scheinbar selbst gerechnet haben. Steht, wie manche vermuten, im Jahr 2022 also ganz offiziell ein Jahr des Übergangs und der finanziellen Konsolidierung an?


A: Definitiv! Gerade dieser Begriff „Übergangsjahr“ ist aus meiner Sicht sehr treffend. Wir haben zwei junge Fahrer, die jetzt ihren Weg finden müssen um den nächsten Step zu machen. Dazu müssen wir ein vernünftiges Auto bauen, welches eine gute Arbeitsgrundlage für die beiden darstellt. Wenn wir es schaffen, dass sich beide bis Ende nächsten Jahres im Top-8 Feld etabliert haben, wäre das ein wichtiger Schritt um 2023 vielleicht wieder oben angreifen zu können.

R: Sie persönlich sind mit der letzten Saison in den Kreis von Teamchefs vorgestoßen, die nun etwas vorzuweisen haben. Wie sehen sie aktuell generell die Gemengelage und welche Teams werden im nächsten Jahr eine Rolle spielen? Haben Sie vor langfristig bei VM zu bleiben?


A: Die Lage ist unglaublich schwierig einzuschätzen. Ich gehe stark davon aus, dass wir 2022 ein deutlich engeres Feld haben werden und einige Teams haben tolle Fahrerpaarungen am Start. Alleine Cliffort hat mit Cooper McAllister und Kevin Peters wirklich eine weltmeisterliche Fahrerpaarung am Start. Cesario hat mit Jannis Wollborn und Jan Winter einen absoluten klasse Fang gemacht. Ich finde diese Paarung absolut interessant und glaube, dass die Roten so endgültig zurück in die Erfolgsspur finden können - wenn man sie lässt… Auch toll, dass Knezevic zurück ist, dadurch wird das Fahrerfeld weiter verbessert. Newman Racing kann bei einem guten Fahrzeug ebenfalls wieder eine Rolle spielen. Wenn Sven Schubert Weltmeister wird, dann in einem Newman. Ich drücke Sven die Daumen. Meine Zukunft bei VM beschäftigt mich ehrlich gesagt momentan nicht. Wir sind voll fokussiert auf unsere Arbeit, bis 2023 geht mein Plan bisher, alles weitere wird sich zeigen.


Interviewer: Michael Kosbau