VFC Italien-Analyse – Teil 2: Licht und Schatten im Temple of Speed

Die VFC findet sich ein zweites Mal in der Heimat des Motorsports in Italien ein. Ist in Monza ein spannender Grand Prix zu erwarten, wie zu Anfang der Saison in Imola? Inwiefern sich die Teams im Mittelfeld um Punkte streiten werden, lest ihr in diesem Artikel.



Equipo Saldo: Mit dem bulligen Stier nach Italien

Die Jungs am Steuer des Saldos haben bewiesen, dass sie auf schnellen Strecken durchaus performen können. Betrachtet man Spa und Spielberg, so haben sie dort durchaus gute Resultate eingefahren; Platz 6 in Spielberg und Platz 10 in Spa.

Bei letzterem ist Jannik Maleika auf dem 16. Rang gestartet und fuhr in dem nicht vorhandenen Rennchaos gleich sechs Plätze vor. „Klar habe ich mit mehr Regen gerechnet, war aber zum Glück bin ich lange genug mit Slicks draußen geblieben, sodass ich nicht für die Regenreifen reingefahren bin.“, so der junge Erfolgsgarant. „Insgesamt war Spa ein solides Rennen, wenn man in Betracht zieht, dass die Vorbereitung aufgrund einer Meisterschaftsentscheidung am Vorabend (Meisterschaft in der P1 GTS; Anm. d. Red.) bei mir noch kürzer kam als sonst.


Und nun hat Saldo mit Monza wieder eine schnelle Strecke, wo sie ähnlich gut abschneiden können. Jedoch dämpft Maleika die Erwartungen: „Tendenziell hat man ja in Österreich gesehen, was der Saldo auf so einer Strecke leisten könnte. Jedoch kenne ich die aktuelle Motorensituation nicht und weiß auch nicht, ob die Konkurrenz im Vergleich zu Österreich die Flügel noch weiter runterschrauben kann und wird.



Razor GP: Paisler is back

Die Redaktion konnte kurzfristig ein kurzes Interview mit Bastian Paisler führen . Dabei bemerkte man schon zu Beginn des Gespräches, dass Paisler momentan mehr als zufrieden ist.


Bastian, wie bist du zufrieden mit den Resultaten in Spa?

Doch recht zufrieden, wenn man die Umstände und den Rennverlauf berücksichtigt. Tim hat einen Punkt geholt und Lorenzo hat durch sein super Rennen auch noch Punkte geholt, womit er eventuell einige Kritiker verstummen lassen konnte. Leider konnte Alex, trotz der sehr guten Ausgangslage und Pace, auf P15 nur Schadensbegrenzung betreiben. Es wäre für ihn deutlich mehr drin gewesen, das ist sicher. Naja und unser Ersatzmann Heiko...leider nicht ins Ziel gekommen. Schlimmer noch: Nicht ins Ziel gekommen, was nicht wirklich gut für die Entwicklung des R-cademy sein dürfte. Man kann halt schnell sein, wenn man es allerdings dann nicht ins Ziel bringt, nützt das leider nichts. Schade.“


Hast du auch mit mehr Regen gerechnet?

Ich habe das Rennen lediglich mit einem Auge verfolgen können, daher kann ich nicht viel zum Wetter sagen. Aber ich drücke es mal so aus: Mehr Regen hätte uns sicherlich in die Karten gespielt.“


Wie läuft die Vorbereitung für Monza?

Bis jetzt recht zufriedenstellend. Zwar werden wir das, mit Abstand, langsamste Auto auf der Geraden haben, allerdings versuchen wir das mit Kurvengeschwindigkeit und Reifenmanagement zu kompensieren...irgendwie.“


Wo seht ihr euch in Monza?

Ich befürchte außerhalb der Punkte...Wenn uns nicht das Wetter in die Karten spielen sollte. Aber darauf sollte man nie spekulieren und einfach seinen Stiefel runterfahren, auch wenn es nichts zu holen geben wird.“



Clipper: In Spa ein Opfer des fehlenden Regens?

In Vorbereitung auf diesen Artikel hat Pascal Pohlenz klargestellt, dass er nicht zufrieden war mit dem Ausgang des Rennens in Spa. Klar, denn wer fährt sich schon gerne seinen Heckflügel weg und muss nach einer langen Reparatur dem Feld hinterherhinken?


Dennoch gab es trotz Platz 20 hier einen Lichtblick, denn er fuhr nicht nur die schnellste Qualifikations-Zeit, sondern auch die schnellste Runde. Pohlenz selbst sagt dazu: „Mit dem Qualifying und der ersten Runde bin ich sehr zufrieden. Doch durch die Ausrichtung des Setups auf Regen war ich auf der Gerade natürlich ein leichtes Opfer für alle anderen. Hätte es mehr geregnet wäre mindestens das Podium drin gewesen - Die Pace hat man ja im Qualifying gesehen.“ Somit ein weiteres Opfer des nicht vorhandenen Unwetters.


Für Monza verspricht sich Pohlenz Besserung, jedoch dämpft er die Euphorie, was an der fehlenden Motorpower liegen könnte: „Die bisherigen Zeiten sehen gut, jedoch nicht vielversprechend aus. Momentan rechne ich maximal mit den Top 6, da der Clipper doch eher in den Kurven seine Stärken hat.



Russia GP: Schlüter nach Spa „on fire“

In letzter Zeit ist bei Russia und vor allem bei Marc Schlüter ein deutlicher Aufwind zu sehen, welches man vor allem am Trainingspensum des Deutschen bei den letzten Rennen erkennen kann. Auch dieses Mal zeigt Schlüter wieder übermäßigen Fleiß. Keiner ist öfters während der Trainingsphase auf der Strecke, wie er. Der Grund dafür mag sein großes Ziel in dieser Saison sein: Die oberste Podestposition auf dem Treppchen. Dass er das Material sowie die nötige Pace für dieses Ziel besitzt, zeigte er schon in Spa und Spielberg.

Jedoch schleichen sich vermehrt kleinere Fehler bei dem jungen Piloten ein, worunter die Konstanz mächtig leidet. Schlüter wird also hoffen, dass dies sich in Monza ändern wird.


Schlüter selbst gab vor dem Rennsonntag an: „Die Vorbereitung läuft gut. Das Auto funktioniert gut und hat eine gute Balance.Fabian Jungbluth bestätigt die Aussage seines Teamkollegen ebenfalls: „Die Vorbereitungen laufen gut, das passende Setup ist schon gefunden. Jetzt muss ich nur noch an Marcs Zeiten rankommen.

Es stellt sich dementsprechend die Frage wo die russischen Boliden im Rennen landen werden. Schlüter ist der Meinung, dass man dies „aktuell nur schwer sagen kann. Cesario wirkt durch ihr Heimspiel und dem Doppelupdate stark. Das werden unsere ersten Verfolger sein. Ich denke aber wir haben noch den Vorteil, vor allem durch die Bremse und den schnelleren Reifen. Aber auch Newman mit Wollborn, Clipper mit Pohlenz und sogar SCMM wirken ebenfalls stark. Das wird, denke ich, nicht so einen Vorsprung geben wie in Spa von uns aus. Bei Beta Giulia muss man schauen, ich denke die haben noch nicht alles gezeigt. Auf die muss man auch gespannt sein mit diesem Topspeed-Monster.

Sein Teamkollege Jungbluth hingegen gibt sich noch ein wenig ambitionierter: „Top 5 ist absolute Pflicht, Podium wäre natürlich ein Traum. Für Marc rechne ich mit einem Sieg in Monza.“

Ein Ziel welches durchaus möglich für Schlüter ist. Man wird sehen ob er dieses erreichen kann.




Letztendlich lässt sich sagen, dass sich der Großteil des Mittelfeldes eher bedeckt gibt: Saldo fehlt weiterhin die Anreize zu trainieren, Razor rechnet sich Flexibilität dank großem Tank aus und Clipper fehlt die Motorpower, um gegen die VM- und Cesario-Aggregate bestehen zu können. Nur Russia GP rechnet sich weiterhin Chancen für ein starkes Rennen des formstarken Schlüters aus. Die Tendenz des jungen Deutschen geht immer noch in Richtung erster Saisonsieg.



Autor: Johannes Greulich