VFC Italien-Analyse – Teil 3: Ein weiterer Schritt im WM-Kampf

Der Italien Grand Prix stellt jedes Jahr aufs Neue eine wichtige Hürde im Meisterschafts-kampf dar. Auch für die Top-4 Teams der VFC 2021 wird dieses Rennen immens wichtig werden. Wie die Voraussetzungen der Rennställe vor heute Abend sind liest du hier:


Scuderia Cesario

Es ist das Highlight des Jahres für den italienischen Traditionsrennstall. Jahr für Jahr liegen hier die großen Hoffnungen der Tifosi und dieses Jahr wieder von Teamchef Gonzalez Cattivo. Dabei waren die letzten Jahre nicht immer von Erfolg geprägt. 2019 ging das Rennen im heimischen Wohnzimmer gehörig schief. Yannik Barwig warf kurz vor Schluss gegen den Italiener Lorenzo de Ciutiis eine gute Platzierung weg. 2019 erlangte zumindest Pascal Pohlenz einen starken zweiten Rang. Der letzte Sieg der Scuderia liegt dabei aber bereits einige Jahre zurück. 2014 gelang dem Bosnier Aleksandar Knezevic der Triumph für die Roten. Damals noch für die Scuderia Ferrari. Ähnliche Ambitionen dürfte Teamchef Gonzalez Cattivo am heutigen Rennabend haben. Das Ziel gab der Mexikaner zuvor klar aus: „Wir wollen natürlich gewinnen, aber haben die Meisterschaft im Blick.“


Die Italiener kommen mit einem doppelten Update nach Monza und zeigten sich in den Trainings extrem stark bisher. Doch es gibt auch Wehrmutstropfen: Genau wie Volksmobil verpasste die Scuderia die Abgabefrist und hat so keinen brandneuen Antrieb im Heck. Das scheint der Pace aber keinen Abbruch zutun und so dürfte Lukas Schmidt ein klarer Kandidat für den Sieg sein. Der Schweizer sieht das persönlich jedoch etwas anders: „Bezüglich Pace sieht es erneut nicht gut aus. (…) Ich denke aus eigener Kraft können wir nicht gewinnen. Wir werden es also über die Strategie machen müssen. (…) Ich denke, dass es in den Fights für uns dank der Bremse schwierig sein wird. Ich freue mich aber sehr auf das Rennen und bin gespannt wie es ausgeht.“


Ob die turbulenten Ankündigungen der laufenden Woche ein Hindernis sein könnten glaubt Cattivo hingegen nicht. Die Tage zuvor verkündeten die Italiener ihre komplett neue Fahrerpaarung für 2022, bestehend aus Jannis Wollborn und Jan Winter. Der Mexikaner dazu: „Die Fahrer Ankündigungen haben wir intern längst kommuniziert und sind mit uns im Reinen. Das Ziel ist klar dieses Jahr zu einem besonderen zu machen!“


Lukas Schmidt bewies bereits beim letzten GP in Belgien wieder seine Qualität und fuhr trotz kaum idealer Voraussetzungen auf den zweiten Platz. So landete der Schweizer sein siebtes Podium in Serie. Das Achte in neun Rennen. Diese dominante Konstanz spült den Doppelweltmeister derzeit auf den ersten Platz der Fahrer-WM mit sechs Zählern Vorsprung auf Sven Schubert (VM). Dennoch gibt es Kritiker. Schmidt gewann bisher erst einen Grand Prix. Eine Bilanz, welche noch ausbaufähig ist. Die wohl größte Chance für den zweiten Erfolg bietet sich wohl beim heutigen Heimrennen.


Unterstützung könnte es dabei das erste Mal von Max Hayman geben. Der Rookie konnte in seinen bisherigen Rennen zwar noch keinen Zähler holen, der 1-Rennen frische Motor zeigte aber bereits in den Trainings sein Potenzial und so findet sich Hayman derzeit auf Rang drei in den Hotlaps hinter seinem Teamkollegen wieder. Die Hoffnungen auf einen erfolgreichen Heim-GP sind somit so groß wie noch nie. Einziger Spielverderber könnte wohl unter anderem ein Marc Schlüter (Russia) werden oder der drohende Regen, welcher sich bereits leicht für das Rennende ankündigt. So oder so wird der heutige Abend ein Meilenstein für die Scuderia in der laufenden Saison werden.



Cliffort Royal Racing

Für die Briten stellt der Italien GP in der laufenden Saison eine Nemesis dar. Wie Dominic Röhken bereits im Vorfeld sagte, würde das Rennen in Monza von Seiten der schwarz-gelben komplett ab geschenkt werden. Schon in Belgien hatte man mit der schwachen Motor-isierung einen schweren Stand, holte am Ende trotz Strategie-Fail im Wetterchaos dennoch einige Zähler und zeigte sich so zumindest in Ansätzen zufrieden.


In Italien hingegen sieht man bereits an den Trainingszeiten, dass man bei Cliffort mit dem möglichst ältesten Antrieb an den Start geht. Dementsprechend pessimistisch stellt sich die Situation dar. Momentan findet man weder Cooper McAllister noch Fabian Walter in den Top-12 wieder. Ein ähnliches Quali-Ergebnis wie in Belgien droht. Dennoch könnte es Hoffnung am Cliffort Horizont geben. Zumindest auf dem Papier besteht gerade in der zweiten Rennhälfte ein gewisses Regenrisiko, welches dem Rennstall zumindest etwas entgegen kommen dürfte. Ob das genügt um doch ein Wörtchen um die Top-10 mitreden zu können muss aber abgewartet werden. Ob die Bekanntgabe der laufenden Woche, dass Walter 2022 für Russia GP ins Cockpit greifen wird, Auswirkungen auf dessen Fokus in der aktuellen Saison hat, bleibt ebenfalls ein großes Fragezeichen.


Walter selbst sagte auf Nachfrage nach der Herausforderung Monza: „Ziel ist es durch-zukommen und auf Unfälle bzw. Ausfälle der anderen zu hoffen. Da wir Pacemäßig das bestenfalls achtstärkste Auto sind werden Punkte schwierig. Vielleicht helfen uns eine alternative Strategie und einsetzender Regen, wenn er denn kommt.“


Den Briten droht damit nach dem heutigen Abend erstmals 2021 ein Absturz aus den Top-3 der Team-WM. Nach dem starken Saisonstart eine schwierige Situation, die nicht alle erwartet hatten. Doch nach dem Italien Grand Prix kommen auf dem Papier auch für Cliffort wieder bessere und größere Chancen im Rennkalender. Dominic Röhken fokussiert die Seinen also auf das Wesentliche und die kommenden Möglichkeiten und wer weiß? Vielleicht kann man in Monza dennoch den einen oder anderen Zähler abstauben.



Newman Racing

Die Planungen des deutschen Rennstalls im Vorfeld des Italien-Rennens waren nicht ganz einfach. Gerade rund um das zweite Cockpit von Yannik Barwig gab es einige Irritationen. Im Training verletzte sich der Heidelberger an der Hand und drohte erst auszufallen. Comeback-Gerüchte rund um den ehemaligen Newman Piloten Kevin Borell machten die Runde. Dann am vergangenen Abend doch die Nachricht, dass Barwig selbst ins Lenkrad greifen wird.


So kommt Newman Racing in der gewohnten Fahrer-Kombination nach Monza und dürfte trotz gewissen Nachteilen im Vergleich zu Cliffort Racing schon bessere Karten haben. Gerade Jannis Wollborn zeigte in den Trainings gute Zeiten mit frischem Motor und konnte die Lücke zur Scuderia Cesario beinahe schließen. Ein Indiz dafür, wie gut der Newman mittlerweile auch weiterentwickelt ist. Dennoch stellt Italien auch für die Deutschen einen Übergangs-Grand Prix dar, bei welchem man beinahe nur gewinnen kann. Die wahren Meilensteine stehen in den kommenden Monaten noch an mit Strecken wie Silverstone oder dem Hungaroring, wo Wollborn selbst zu den Favoriten zählen dürfte.


Wie gut man am heutigen Abend abschneidet wird auch das Wetter entscheiden. Ähnlich wie in Belgien hofft man auf einsetzenden Regen denn hier zeigte Wollborn auch in Spa wieder, dass er der GSO-König der Regenrennen ist. Ein Sieg wäre so vielleicht sogar in Monza unter den richtigen Bedingungen in Reichweite. Mit einem guten Ergebnis hat der Weltmeister von 2019 die Möglichkeit in der Fahrer-WM an Kontrahent Sven Schubert (VM) vorbeizugehen und so auch auf dem Papier zum ärgsten Schmidt-Verfolger zu werden. Gleiches gilt in der Team-WM, in welcher man noch eine Lücke von 39 Punkten zu Volksmobil aufweist. Wollborn zumindest gibt sich vor dem Italien Rennen gegenüber der Presse vor-sichtig positiv gestimmt: "Wie Nico es sagen würde "schwierig" Ich denke mal, dass uns der Regen am Ende des Rennens vielleicht nochmal etwas entgegenkommt. Mal sehen, was möglich ist. Die Pace sieht aktuell auf jeden Fall nicht so schlecht wie eigentlich erwartet aus."


Nach der dies wöchigen Ankündigung, dass Wollborn 2022 seinen langjährigen Rennstall im guten verlassen wird, dürfte der Antrieb für einen letzten Titel umso größer geworden sein und wenn es nur dazu dient, seinem langjährigen Ziehvater und Förderer Patrick Newman noch einmal ein tolles Abschiedsgeschenk zu machen.



Volksmobil-Blue Horns

Bei Volksmobil steht am heutigen Abend einiges auf dem Spiel. Nicht nur, dass man droht den großen Abstand in der Team-WM nach und nach einzubüßen, so steht auch der Kampf um die Fahrer-WM für Sven Schubert auf dem Spiel. Gleiches gilt sowohl für die Punkteserie beider VM-Fahrer. Diese halten die aktuell längsten Serien von beendeten Rennen in den Punkten. Peters schaffte es nun bereits 32 VFC-Rennen am Stück in die Zählerränge und auch sein Teamkollege kann stolze 25 Rennen in Folge vorweisen.


Umso ärgerlicher war der verwaltungstechnische Faux-Pas von Teamchef Peter Andrews. Dieser gab das Formular für die neuen Motoren in Monza nicht rechtzeitig ab und so müssen beide Piloten nun mit einem gebrauchten Antrieb an den Start gehen. Peters Motor hat dabei schon sechs Rennen auf dem Buckel und so dürfte der Weltmeister um seine Serie am meisten zu zittern haben. Schuberts VM-Fabrikat hingegen hat erst zwei Grand Prix gesehen und dürfte so leistungstechnisch deutlich konkurrenzfähiger sein. In den Trainings sah man den Schwaben bisher dennoch wie gewohnt kaum auf dem Kurs. Positiv zeigte sich hingegen, dass VMs Doppelupdate scheinbar Wirkung zeigt. Trotz älterer Motoren macht das Team einen Konkurrenzfähigen Eindruck und könnte wieder für Überraschungen an der Spitze sorgen, zumindest in Form von Sven Schubert.


Wie sich das Kräfteverhältnis bei einsetzendem Regen noch verändern könnte bleibt aber schwer abzuschätzen. Peter Andrews zumindest gibt sich optimistisch: „Ich denke die Updates haben unseren Motoren-Nachteil zwar nicht ganz ausgleichen können, aber dennoch sind wir zum Glück nicht so schlecht aufgestellt wie zunächst befürchtet. Kevin wird zwar einen schweren Stand haben, aber wenn ihm nichts dazwischen kommt wird es Punkte geben und Sven ist auch heute in der Lage in die Top-5 zu fahren. Wir gehen nicht mit hängenden Köpfen in dieses Rennen, soviel ist klar!“


Für Volksmobil wird es also vor allem wichtig sein, seine beiden Piloten in Monza gute Punkte sammeln zu lassen und so den Abstand in der Team-WM aufrecht zu erhalten. Denn dieser Titel ist wohl der realistischste der laufenden Saison.


Autor: Julian Kopp


Hier gehts zum Livestream aus Italien ab 17:45 Uhr: