VFC Kanada-Analyse – Teil 2: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Für die Teams des Mittelfeldes könnte Kanada ein weiterer wichtiger Schritt in der Saisonschlussphase sein. Gerade da bei einigen Teams und Piloten noch Entscheidungen für 2022 getroffen werden. Wer mit welchen Vorraussetzungen nach Montreal fährt zeigen wir euch im Überblick.


Razor GP

Ausgangssituation: Das, was prophezeit worden ist, tritt nun immer mehr ein: Razor steigerte sich durch die Updates vom Hinterbänkler zum Mittelfeldteam und ist regelmäßig im Kampf um die Punkte dabei. Dies war auch schon im letzten Rennen in Malaysia so, wo Brendel und Paisler auf P13 und P11 landeten. Die Ausgangslage ist somit nicht schlecht.


Trainingsvorbereitung: Paisler hat um die 57 Runden gedreht hat und steht mit seiner besten Zeit aus einem Rennstint auf Platz 11. Brendel hat währenddessen nur 19 Runden gefahren, kann aber mit seiner starken Zeit den neunten Platz für sich festmachen.


Updates: Keine Updates für Razor zu diesem Rennen, der Kampf im Mittelfeld bleibt also hart.


Motor: Bei Razor hat man das frischste Aggregat, welches drei Rennen alt ist, bei beiden Fahrern eingesetzt. Dies dürfte beiden Piloten trotz der niedrigen PS helfen, auf der Geraden mit anderen Teams Schritt zu halten.


Fahrervoraussetzungen: Paisler und Brendel stehen im Gegensatz zu Beginn der Saison deutlich besser da als zuvor. Gerade Paisler dürfte mit einem großen Batzen Selbstvertrauen nach Kanada kommen, schließlich konnte er in den letzten Rennen immer um die letzten Punkteplätze mitkämpfen. Brendel auf der anderen Seite ist ebenfalls konstant unterwegs, der Mann mit den meisten Pole-Positions aus 2020 scheint sich im Endspurt der Saison langsam zu fassen; aus den letzten vier Rennen stehen zwei Punkteresultate zu Buche. Das einzige, was Brendel noch verunsichern könnte, ist seine Zukunft. Allerdings ist Bastian Paisler als loyaler Partner und Teamchef bekannt, weshalb ein neuer Vertrag nur eine Formsache sein dürfte.


Platzierungstipp: Bei Razor dürfte man um die letzten Punkteplätze kämpfen, allerdings ist die Konkurrenz hart. Von P11 bis P18 ist alles möglich.



Clipper Motorsport

Ausgangssituation: Des einen Freud des andren Leid. So kann man das letzte Rennen bei Clipper beschreiben. Während Pascal Pohlenz vorne den Grand Prix von Malaysia dominierte und ruhig zum Sieg fuhr, hatte Leif Nordic nach einem starken Qualy mit Hardwareproblemen zu kämpfen und konnte das Rennen gar nicht erst starten. Damit ist die letzte Chance auf einen fünften Platz in der Team-WM quasi verflogen, Clipper hat damit das Maximum erreicht. Von Saldo dürfte ebenfalls keine Gefahr kommen.

Dazu ist die Personalfrage noch nicht offengelegt für 2022, aber laut konkreten Gerüchten steht diese schon länger fest.


Trainingsvorbereitung: Pascal Pohlenz ist bei 40 Runden unterwegs und hat eine extrem starke Qualifikationszeit aufgestellt, die ihn drei Zehntel vor Marc Schlüter stellt. In den Rennzeiten ist es aber sehr eng, gerade mit Sven Schubert und Schlüter. Leif Nordic drehte auf der anderen Seite der Garage seine ersten Runden erst am Samstagmittag.


Updates: Bei Clipper gibt es kein neues Update, dass dürfte dem starken Wagen aber keinen Abstrich tun.


Motor: Der neue Motor aus dem letzten Rennen in Malaysia wird weiterhin in beiden Wagen eingesetzt werden und ist dementsprechend weiterhin extrem stark. Clipper wird auf den Geraden also vorne mitfahren.


Fahrervoraussetzungen: Pascal Pohlenz reitet auf einer absoluten Welle der Euphorie; aus den letzten drei Rennen nahm der Clipper-Pilot drei Podien mit, die Kirsche auf der Sahnetorte war dabei der dominante Sieg in Malaysia. In Kanada ist Pohlenz dann wieder der Favorit auf den Sieg, das Auto liegt grandios und der Speed des Motors bringt nochmal mehr. Das zeigt sich auch in den Zeiten; Pohlenz dürfte dabei nur Konkurrenz von Marc Schlüter und Sven Schubert, zumindest zeitentechnisch, befürchten. Nordic drehte dabei am Samstag seine ersten Runden, es ist dabei jedoch schwierig festzulegen, wie er klar kommt. Ein gutes Ergebnis braucht der Este auf jeden Fall, vor allem wegen seiner ungewissen Zukunft.


Platzierungstipp: Pascal Pohlenz dürfte vorne um den Sieg mitfahren und sich in den Top 3 wiederfinden. Leif Nordic ist schwer einzuschätzen, dürfte aber in die Top 10 fahren.



Equipo Saldo

Ausgangssituation: Kontinuität ist das Stichwort bei Equipo Saldo. Oder besser Jannik Maleika. Der langjährige GSO Pilot sorgt mit regelmäßigen Punkteplatzierungen für ein gutes Zählerkonto und aktuell Rang sieben in der Team-WM für den spanischen Rennstall. Dagegen hängt der Schweizer Luca Zorn leistungstechnisch stark hinterher. Der Teamchef hat auch abseits der Strecke Sorgen. Ungewiss ist die zukünftige Fahrerpaarung für 2022 und ob Zorn selbst überhaupt weitermacht. Etwas Kontinuität für die Zukunft wird also momentan durchaus gesucht.


Trainingsvorbereitung: Hier zeigten sich die beiden Piloten wieder etwas rückständig. Zwar drehte Maleika bereits einige Runden und findet sich im Zeitentableau aktuell auf Platz sieben wieder. Dieses Bild könnte sich zwar noch etwas nach hinten verschieben, die Vorraussetzungen scheinen allerdings gut zu sein. Zorn hingegen trainierte bisher nicht. Ob er wieder erst am Renntag auf die Strecke gehen wird oder im schlimmsten Fall gar fehlt muss man wohl abwarten.


Updates: Wie viele andere Teams reisen auch die Spanier ohne Update nach Montreal.


Motor: Das Team hat den Antrieb für den Kanada GP ordentlich aufgepimpt. Man entschied sich mit Aggregat 3 für den frischensten Motor. In Sachen Topspeed sollte man also durchaus konkurrenzfähig sein.


Fahrervoraussetzungen: Jannik Maleika befindet sich in guter Form und hält mittlerweile eine Serie von sieben Punkteplatzierungen in Serie. Diesen Schwung scheint der Deutsche in den bisherigen Trainings mitgenommen zu haben und gepaart mit dem Auto geht er mit einer guten Vorbereitung in den Grand Prix. Dabei geht es für Maleika auch um Präsentation. Noch hat er kein bestätigtes Cockpit für die VFC-2022. Eine zusätzliche Motivation. Luca Zorn hingegen wird mit der schlechten Vorbereitung eher einen schweren Stand haben, zumindest wenn er am Rennabend teilnimmt. Als Teamchef hat Zorn dabei allerdings weniger Druck sich für 22 zu präsentieren.


Platzierungstipp: Jannik Maleika sollte man bei einem normalen Rennverlauf wieder in den Top-10 finden können. Mit Glück ist vielleicht sogar ein Überraschungsrennen in Richtung der Top-6 möglich. Zorn hingegen wird eher versuchen dahinter auf Punktejagd zu gehen.



Scuderia Cesario

Ausgangssituation: Bei der Scuderia ist so etwas wie Ernüchterung eingekehrt. Das große Ziel in diesem Jahr den Fahrer-Titel mit Lukas Schmidt holen zu können gerät seit Beginn der zweiten Saisonhälfte immer mehr in Schieflage. Dass Schmidt das Ruder noch rumreißen kann erscheint selbst Teamchef Cattivo als unrealistisch. Dementsprechend geht der Blick in Gedanken wohl schon vor allem auf die kommende Saison mit der vielversprechenden Fahrer-Paarung Jannis Wollborn und Jan Winter. Kanada könnte die letzte Möglichkeit sein doch noch einmal vorne anzugreifen.


Trainingsvorbereitung: Beide Cesario Piloten konnte man bereits in der ein oder anderen Stunde auf dem Kurs entdecken, auch wenn das Trainingspensum nicht überdurchschnittlich hoch war. Während Larry Fischer in den Zeiten noch hinterherhinkt findet man Schmidt im Klassement bereits wieder in der Nähe der Spitze. Bei der Scuderia wird es aber wohl wieder viel auf Taktik ankommen. Dementsprechend dürfte man sich hier vorbereitet haben.


Updates: Die Italiener reisen ebenfalls ohne Updates nach Kanada.


Motor: Hier setzt man wieder auf asymmetrische Vorgehensweisen. Während Lukas Schmidt den fast nagelneuen Motor 3 eingebaut hat, wird Fischer mit einem deutlich ramponierteren Aggregat antreten. Der Materialvorteil liegt somit klar bei Lukas Schmidt.


Fahrervoraussetzungen: Beide Piloten dürften sich neben dem Geschehen auf der Strecke noch mit einem Cockpit für 2022 beschäftigen. Nachdem Schmidt bei Cesario keinen neuen Vertrag bekam und bei Newman laut Gerüchten wohl abgelehnt wurde, werden die Optionen für ein neuerliches Schmidt-Jahr in der VFC geringer. Gleiches gilt für Larry Fischer, welcher momentan wohl recht sicher nicht mehr Teil des Grids wäre. Gerade Schmidt befindet sich aktuell ergebnistechnisch nicht in der besten Verfassung. Fünf Rennen in Folge fand man Schmidt nicht auf dem Podium nachdem er zuvor sieben Mal hintereinander auf das Podest trat. Larry Fischer wird vor allem auf Punkte aus sein. Nach den letzten Auftritten könnte dies aber erneut zur Herausforderung werden.


Platzierungstipp: Lukas Schmidt geht mit guten Vorraussetzungen in den Grand Prix und dürfte wieder ein Kandidat für das Podium werden. Dabei wird vor allem die Taktik entscheidend sein. Teamkollege Fischer hofft derweil auf eine Top-12 Platzierung.


Autor: Julian Kopp


Hier gehts zu den aktuellen Trainingszeiten des Kanada GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021