VFC-Malaysia GP – Rennbericht: Pohlenz holt souveränen Sieg - Regenchaos in Sepang


Der Große Preis von Malaysia war bereits im Vorfeld für viele VFC-Fahrer nur eines: ein notwendiges Übel. Eine Station, welche man schnell hinter sich bringt um weiterzuziehen. Dabei hatte Sepang in den vergangenen Jahren immer einges an Chaos und so in den letzten drei Jahren drei verschiedene Sieger zu bieten. Das liegt vor allem an den Wetter-kapriolen. Selbige waren im Vorfeld der 2021er Ausgabe allerdings als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt worden und so gingen die Fahrer fokussiert in den Grand Prix. Was dann folgte überraschte wohl alle. Die Wolken öffneten auch vergangenen Sonntag ihre Schleusen und fokussierten erstmals in der VFC-2021 ein richtiges Regenrennen. Beim folgenden Chaos gab es am Ende abermals Gewinner und Verlierer sowie einen Pascal Pohlenz, welcher an diesem Abend in seinem Clipper allen überlegen war.


Bereits in der Qualifikation zeigte sich Pohlenz gnadenlos. Nachdem er zuvor in den Trainings deutlich die absolute Bestzeit gefahren hatte, lieferte der Deutsche auch dieses Mal und sicherte sich so seine vierte Pole der laufenden Saison. Überraschend waren dagegen eher die nachfolgenden Positionen. Kevin Peters, welcher Malaysia zu seinen Lieblingskursen zählt und im VM auch in den Trainings wieder Stärke zeigte, bekam die eigene Runde wie schon öfter 2021 nicht zusammen und musste sich so den Newman Racing Fahrzeugen geschlagen geben. Der WM-Führende Jannis Wollborn sicherte sich so den Vierten Startplatz und übertraf die eigenen Erwartungen. Noch mehr allerdings sein Teamkollege Yannik Barwig der mit Platz drei die persönlich beste Qualifikation seit langer Zeit fuhr. Auch Leif Nordic (Clipper) konnte mit einem 8. Platz durchaus überzeugen.

Bereits vor Beginn des eigentlichen Rennens erlebte der Grand Prix seinen dann aber den ersten Ausfall. Auf Grund technischer Schwierigkeiten konnte Leif Nordic nicht ins Rennen starten. Ein Lenkradausfall machten die Hoffnungen auf Punkte von einem guten achten Startplatz zu Nichte. Umso besser lief es zu Beginn für seinen Teamkollegen.

Pascal Pohlenz konnte bereits am Start seine Pole gegen die Konkurrenz verteidigen und fuhr sofort eine Lücke zum WM-Leader Wollborn heraus. Dieser verwaltete von Beginn an seinen zweiten Platz und versuchte Abstand zwischen sich und seinen Teamkollegen Yannik Barwig sowie beiden VM zu bekommen. Der Plan ging auf. Barwig konnte sowohl die VM als auch Marc Schlüter (Russia) hinter sich gut in Schach halten. Weiter hinten ging dieses Mal zum Start weitestgehend, bis auf kleinere Dreher im Mittelfeld, alles glimpflich aus. Gar nicht gut liefen die ersten Kurven indessen für den WM-Dritten Lukas Schmidt. Der Cesario Pilot verlor in den Gruppenkämpfen zu Beginn auf der Außenbahn in Kurve vier an Abtrieb und fiel so bis auf Rang 11 zurück. WM-Kontrahent Sven Schubert (VM) schaffte indessen durch einen fast wie gewohnt guten Start den Sprung bis auf Platz vier hinter Yannik Barwig.

Auch beide Cliffort Royal Racing Piloten erwischten eine gute Startphase und konnten sich so aus den kritischten Situationen im Mittelfeld heraushalten. Die Briten traten mit altem Motor an und hatten so bereits in der Qualifikation einen schweren Stand. In dieser Anfangs-phase sind es aber nun vor allem die Cesarios die mit Überholmanövern glänzen. Der zurückgefallene Lukas Schmidt überholte in Runde zwei gleich drei Kontrahenten und schob sich so wieder auf den achten Rang nach vorne. Auch Larry Fischer sammelte erste Erfolgserlebnisse. Der Rückkehrer der Italiener setzte sich vorerst gegen Alexander Kraft auf Platz 12 im R-cademy durch.

Krafts Teamkollege Heiko Kolvenbach hatte indessen noch weniger Glück im Zweikampf. Im Fight mit Manziel Fahrer Sebastian Steinhauer wurde der R-cademy am Heck vor Kurve vier touchiert. Die leichte Berührungen verursachte Schaden an Kolvenbachs Heck und brachte den Ersatzfahrer ins Schlingern. Der Wagen pendelte in die Wand mit anschließendem Überschlag. Der D2-Pilot fuhr zwar vorerst weiter, stellte den Boliden dann allerdings in der Box ab. Damit bleibt Kolvenbach auch im dritten Ersatzeinsatz ohne Zähler in der VFC.

Der nächste Abflug ließ nicht lange auf sich warten. Auf der Start-Ziel-Geraden schaltete sich kurz das Lenkrad von Alexander Rütt aus, welcher zu diesem Zeitpunkt auf einem aussichts-reichen elften Platz zu finden war. Der Wagen schlug in die Wand und büßte den Heckflügel ein. Das Rennen des SCMM Piloten war damit wieder unglücklich gelaufen. Dennoch setzte Rütt in der Hoffnung auf Wetter und Safety-Car Chaos den Grand Prix nach der anschließ-enden Reparatur fort.


Ab Runde 8 begannen dann wie gewohnt die Soft-Pironi Reifen langsam abzubauen. Das machte sich gerade bei Sven Schubert bemerkbar, welcher hinter sich einen Train aus Marc Schlüter (Russia), Kevin Peters (VM) und Lukas Schmidt (Cesario) verursachte. Schmidt nutzte die Situation um einen Undercut zu ziehen. Mit folgender freier Fahrt konnte er die benötigte Zeit herausfahren um nach den Stopps der Konkurrenz vorne zu sein und so fand sich der Schweizer nach der ersten Boxenserie schon auf dem dritten Rang vor Yannik Barwig (Newman), welcher seine Position somit ebenfalls verlor. Sven Schubert übte unterdessen unfreiwillig das Beamen. Durch einen Lag verlor er direkt zwei Positionen gegen Marc Schlüter und den Teamkollegen.

In dieser Phase zeigten auch die Mittelfeldpiloten rund um Razor GP, Equipo Saldo und Beta Guilia tolle Zweikämpfe im Mittelfeld, während sich die Lage im Vorderfeld während des zweiten Stints etwas entspannte. Gerade nachdem ein Teil der Spitze bereits den zweiten Boxenstopp absolvierte, begannen die ersten Regentropfen auf den Sepang Circuit niederzugehen. Bei den bisherigen Regenrennen der laufenden Saison blieb es allerdings nie so anhaltend nass, dass es sich für die Piloten gelohnt hätte auf Regenreifen zu wechseln. Von diesen Erfahrungen zehrend ging beispielsweise Jannis Wollborn zu diesem Zeitpunkt an die Box und nahm sich ebenfalls wieder Trockenreifen.


Doch entgegen der bisherigen Saison endete der Regen nicht. Im Gegenteil, er nahm eher noch zu und so kamen die Piloten langsam an den Punkt, es doch auf die Regenreifen zu wagen. Den ersten Versuch dazu tat schließlich Fabian Walter in Runde 24, welcher bis dahin einen schwarzen Tag unter anderem wieder mit eigenen Drehern erlebte. Die Entscheidung bei Cliffort stellte sich allerdings als die richtige heraus. So reagierte man nun auch an der Spitze. Pascal Pohlenz zog genau wie die meisten der Verfolger nun Regenreifen auf, nachdem vermehrt Piloten gerade im Mittelfeld auf den Trockenreifen abgeflogen waren.

An der Spitze waren zu diesem Zeitpunkt nur Jannis Wollborn und Lukas Schmidt auf Trockenreifen draußen geblieben. Ein Fehler wie sich zeigte. Der frisch bereifte Pohlenz fuhr anschließend in den S-Kurven an Wollborn vorbei und zeigte deutlich den Vorteil der Regenreifen. So kam der Newman bei der nächsten Gelegenheit zur Boxengasse. Bei Cesario traf Teamchef Cattivo hingegen die folgenschwere Entscheidung beide Piloten draußen zu lassen und so verlor Lukas Schmidt vorne wichtige Zeit und Positionen, schlich in der Folge um den Kurs während die Konkurrenz lockerleicht vorbeifuhr. Für den zweiten Piloten der Italiener, Larry Fischer, war die Situation umso unangenehmer. Fischer kam kaum noch zurecht, drehte sich unter anderem in der letzten Kurve und verursachte so einen Unfall mit dem Führenden Pascal Pohlenz, welcher glücklicherweise normal weiterfahren konnte. Die Hoffnungen der Scuderia, dass der Regen und damit die Nässe zurückgehen würden, erfüllte sich nicht.


In der Folge stellte Fischer mit über 5 Minuten den traurigen Rekord für die langsamste VFC-Runde 2021 und wahrscheinlich seit Erfassung der Rundenzeiten in der Königsklasse auf. Als beide roten Flitzer schließlich in Runde 27 zur Box kamen war das Rennen beinahe komplett verloren. Fischer lag aussichtslos im hinteren Mittelfeld, während Schmidt auf Rang 11 wieder herauskam und zumindest noch Aussichten auf 1-2 Positionen hatte.

So kam es dann letztlich auch. Schmidt überholte innerhalb seiner Aufholjagd noch Fabian Walter, Alexander Kraft und Jannik Maleika, was letztlich zumindest zu einem 8. Platz reichte. Da vorne Pascal Pohlenz und Jannis Wollborn souverän auf Platz eins und zwei ins Ziel fuhren, verliert der Schweizer weiter deutlich Boden in der Fahrer-WM und dürfte selbige genau wie sein Teamchef bereits abgeschrieben haben. Auch beide Volksmobil verloren mit diesem Rennen Punkte. Sowohl Schubert als auch Peters drehten sich während des Regenstints und kamen so nur auf Rang fünf und sieben ins Ziel.


Trotz Platz zwei war dieser Rennabend für Jannis Wollborn somit ein voller Erfolg. Gleiches darf wohl auch Marc Schlüter behaupten, welcher im Regen noch Yannik Barwig überholte und sich den letzten Podestplatz sicherte. Bitter für Barwig: Der Newman Pilot hatte bei seinem Stopp zu wenig Sprit mitgenommen und musste den ersten Podestplatz seit langer Zeit so kampf- und chancenlos hergeben. Wichtige Zähler holte unterdessen Cooper McAllister für das Cliffort Team trotz altem Motor auf einem starken 6. Platz.

Alexander Kraft (R-cademy) bewies trotz altem Antrieb wieder seine Klasse und bestätigte das starke Resultat aus Silverstone mit einem neunten Rang vor Jannik Maleika (Saldo). Bastian Paisler (Razor) und Fabian Walter (Cliffort) schlossen die Punkteränge ab.


Autor: Julian Kopp


Hier gehts zur Wiederholung des Malaysia GP: