VFC Motorenwahl 2022 – Entscheidungen stehen, Einschätzung der Redaktion

Die Wahl für die Motoren 2022 ist nun schon seit einigen Tagen vorbei. Die Teams haben sich für ihre Hersteller und vice versa entschieden und die Tokenvergabe untereinander diskutiert. Dabei gibt es eine kleine Überraschung, zumindest wenn man von außerhalb auf die Vergabe schaut.


Ausnahmslos alle Teams haben sich für den 900er und 915er PS-Motor entschieden. Dahinter dürfte der Gedankengang stehen, ein leichtes Auto zu haben und dies nicht für einen schweren, wenn auch starken Motor zu opfern. Gerade nach der letztjährigen VFC-Saison sehnten sich wohl alle Teams und Fahrer nach einem leichten und weniger untersteuerlastigen Auto. Zwei Fahrer bzw. Teamchefs, die anonym bleiben wollen, haben sich hierzu geäußert: "Überrascht hat es mich schon ja (dass keiner den 930er genommen hat), da der 930 PS Motor im Vorfeld auf den meisten Strecken doch schneller war als der 900 PS Motor. Das Gewicht drückt natürlich auf den Reifenverschleiß welches die Wahl einiger Teams erklären könnte, auch wenn ich die Wahl nicht für die beste halte aber da kommt es natürlich auch darauf an in welche Richtung die Teams ihr Auto entwickeln möchte."


Große Gedanken wegen etwaiger Leistungsunterschiede sollte man sich ohnehin nicht machen. Zwischen 900 und 915 PS liegt kein großartiger Unterschied, ebenso dürfte das Setup und auch das Chassic eher den Unterschied machen. "Unterschiede wird es geben auch wenn diese nicht so groß sein werden wie in der Vergangenheit da die Motoren dafür nah genug beieinander sind. Ich bin mir ziemlich sicher wir werden kein Auto sehen was auf der Geraden 15 km/h schneller ist als der rest. Die Hosen werden sowieso erst beim 1. Rennen runtergelassen.", so ein weiterer, anonymer Fahrer/Teamchef.



Im weiteren Artikel folgt nun ein Überblick der Motorenhersteller, welche Teams sie nutzen und was man nach Einschätzung der Redaktion erwarten könnte.


Gerard: Die Franzosen besitzen in 2022 den günstigsten Motor, der aber auch das Problem mit sich bringt, dass nur vier Tokenpunkte zur Verfügung stehen. Für das französische Motorenaggregat haben sich Clipper und Cliffort entschieden, dazu hat man sich auf den 900er Motor geeinigt, Mappingstufe 1 und Spritverbrauchstufe 2. Dahinter dürfte die Philosophie stehen, die Cliffort und Clipper schon in der Saison 2021 zu mehreren Siegen auf Strecken mit hohem Downforce verholfen hat. Ein

leichter Motor und damit ein wendiges Auto zu günstigen Konditionen. Damit dürfte man genug Geld gespart haben, um andersweitig zu investieren. Gerade aus der Richtung von Cliffort hört man dieser Tage, dass man sich vor Geld gar nicht retten kann.


Hobbs: Die US-Amerikaner wollen es nochmal wissen. Nach zwei gescheiterten Projekten seit 2014 will man das Thema VFC endlich mal ernsthaft angehen. Bei der Wahl der Teams scheint man aber auch sehr konservativ vorgegangen sein. Denn nur ein Team wird den US-Motor einsetzen, nämlich Falcon-Russia GP. Es wirkt wie eine unheilige Partnerschaft, ein amerikanischer Motor treibt ein russisch-deutsches Auto an. Ob diese Kooperation Früchte tragen wird? Bei der PS-Zahl hat man sich für die 915-Variante entschieden, dazu Mappingstufe 1 sowie Spritverbrauchstufe 1. Damit ist Hobbs vom Spritverbrauch gegenüber den anderen Herstellern der durstigste Motor mit der quasi meisten Leistung. Der FR-GP-Wagen dürfte damit auf Highspeedstrecken weiter vorne stehen, wenn auch nicht signifikant.


Herault: Auch in 2022 stellen die Franzosen von Herault einen guten Mittelklasse-Motor zur Verfügung. Für die kommende Saison wird man mit Manziel GP und SCMM zusammenarbeiten und

dabei auf einen 915er PS-Motor und einer Spriverbrauchsstufe 2 setzen. Überraschend ist hierbei, dass keine Mappingstufe gewählt wurde. Mit Herault haben dabei beide Teams

einen für ihre Verhältnisse wohl guten Fang gemacht.

Manziel GP mit Teamchef Travis Carter dürfte sich nach 2021 sehr über den günstigeren und gleichzeitig kraftvollen Motor freuen, SCMM hingegen über die größere Power, die gerade auf Motorenstrecken in 2021 doch sehr gefehlt hat. Der 915er PS Motor mit weniger Spritverbrauch verspricht hierbei eine spannende Kombination zu werden.


Hamasaki: Große Ziele habe man bei Hamasaki und die werde man erreichen. So klang das bei der Verkündung in Japan, dass man eine werksunterstützende Rolle für Razor GP einnehmen wird. Ungewöhnlich für Japaner, die doch eigentlich eher zurückhaltender sind. Aber der große Optimismus ist berechtigt. Hamasaki unterstützt ab 2022 Razor GP und das neue Team Buttler-Pal (Name noch nicht final), welches r-Cademy übernommen hat. Mit der Werksunterstützung kommt eine engere Kooperation, gerade bei der Tokenvergabe. Und diese hat Bastian Paislers Handschrift. Ein 900er PS-Motor, Mappingstufe 1 und Spritverbrauchsstufe 3. Paisler ist aus 2020 als bekenennder Fan des Langen Fahrens bekannt, seine Rennen mit 0 oder 1 Stops sind schon länger ein Running Gag in der GSO. Das hat dieses Jahr nicht ganz funktioniert, aber wer sagt, dass die Strategie aus 2020 nicht wieder nächste Saison funktioniert? Möglicherweise investiert Razor GP dann noch in den größten Tank?


MWN: In eine gänzlich andere Richtung als Hamasaki geht MWN, die Motorenwerke Nürnberg. Diese hatten nach 2014 ihre Rückkehr in die höchste Klasse der GSO angekündigt und ersetzen damit D&G. Wie schon Dawson&Greenberg versprach MWN dem Newman Racing Team die Werksunterstützung. Interessanterweise hat niemand anderes Interesse am MWN-Motor gehabt. Somit konnte Newman sich ohne Diskussionen seine Token selbst aussuchen. Und diese Vergabe scheint in die Richtung eines richtigen Allrounder-Motor zu gehen. Man hat sich den 915er PS-Motor ausgewählt, dazu die Mappingstufe 1 und Spritverbauchsstufe 2. Viel gibt es dazu nicht zu sagen, es deutet sich, wenn alles funktioniert, ein gutes Allrounder-Auto an, was auf jeder Strecke gut dabei sein dürfte. Das sollte auch Yannik Barwig und Sven Schubert entgegenkommen.


VM + Cesario: Die beiden Top-Hersteller der VFC werden hier zusammengefasst, da ihr Konzept sich kaum bis gar nicht unterscheidet. Beide gehen auf den 900er PS-Motor, Mappingstufe 1 und Spritverbauchsstufe 3. Damit will man auf ein leichtes, wendiges und spritsparenden Auto gehen. Das ist eine komplette 360 Grad-Kehre, nachdem man 2021 im Feld die stärksten Motoren hatte. Möglicherweise will man bei VM und Cesario bzw. Saldo und Beta Giulia über

das Chassic genug Speed auf den Geraden generieren, während man in den Kurven angreifen will. Gerade Jannis Wollborn dürfte dies entgegenkommen. Der hohe Spritsparmodus führt dann zu noch mehr taktischen Möglichkeiten.

Ein wenig verärgert äußerte man sich dann auch bei der Ligaleitung über die Anzahl der Token. Zwangsläufig blieb immer ein Token bei allen Vergaben und Möglichkeiten übrig. Ein Fakt, den vor allem Cesario-Teamchef Gonzalez Cattivo mehrmals aufzählte. Es bleibt abzuwarten, wie sich das System für 2023 entwickelt.



Autor: Jörn Georg Dicks