VFC-Südafrika Analyse: Scuderia Cesario - Das ungewohnte Gefühl


Mit Fug und Recht kann man wohl behaupten, dass die Scuderia Cesario neben dem Cliffort Royal Racing Team zu den großen Gewinnern des Australien Grand Prix zählt. Das erste Podium seit Japan 2019 dürfte den Italienern nach der schweren Seuchensaison 2020 sehr gut getan haben. Maßgeblich dafür verantwortlich war der zurückgekehrte Weltmeister Lukas Schmidt, für den sogar der Rennsieg in Frage gekommen wäre.


Doch bereits im Quali war das Glück nicht unbedingt auf Schmidts Seite. Durch eine nicht gewertete Runde rutschte der Schweizer auf Rang vier und schöpfte so nicht das volle Potenzial aus. So kam Schmidt auch im Rennen nicht an den Konkurrenten Pascal Pohlenz (Clipper) und Sven Schubert (Volksmobil) vorbei. Die eigene Bremse verhinderte immer wieder Manöver auf den letzten Metern. Doch taktisch agierte man an diesem Tag so gut wie schon lange nicht mehr. Die Zeitpunkte von Schmidts Stopps waren gut gewählt und so avancierte er unerwarteter Weise in der Schlussphase, auch dank Full-Course-Yellow, noch zum Sieganwärter. Am Ende reichte es knapp nicht und so blieb dennoch ein zweiter Platz. Vergleichbares gelang Pascal Pohlenz zuletzt 2019 mit der Scuderia. Eine lange Durststrecke, welche nun beendet ist und für gute Stimmung sorgte. Auch für Larry Fischer wendete sich der Grand Prix, nach anfänglichen Problemen, zum Guten. Nachdem sein Quali auf Grund technischer Schwierigkeiten ins Wasser fiel, fuhr der Deutsche am Ende aus der Box bis auf Rang zehn nach vorne. Auf Grund einer Strafe für Marc Schlüter (Russia GP) wurde er am Ende sogar als neunter gewertet. Ein Resultat, dass auch für den geschundenen Fischer balsam für die Seele war. "Nach dem Chaos im Quali .. aber hat Spaß gemacht. Abwarten und aufholen. Mal schauen was noch so kommt. " sagte Fischer gegenüber der Redaktion. Im Hinblick auf den Südafrika GP äußerte er sich weiterhin optimistisch: "Man munkelt, dass es regnen kann. Da wird die Angelegenheit oft zur Lotterie. Sofern es jedoch trocken bleibt, ist Top 8 definitiv drin. Gerne auch besser."


Auch Teamchef Gonzalez Cattivo dürfte Australien gut getan haben. Der Mexikaner gab sich der Presse gegenüber kämpferisch, weiß aber auch, dass Südafrika für die Scuderia einen Übergangs-Grand-Prix darstellt. "Wir arbeiten an einem Update aktuell, ich konnte mich persönlich von dem Fortschritten überzeugen. Das wird sehr wahrscheinlich bis Brasilien am Fahrzeug sein. Für Kyalami bedeutet das: Noch einmal gut Punkten, vielleicht geht ja sogar mehr als in Australien."


Die bisherigen Trainingszeiten untermauern die positive Stimmung. Schmidt liegt derzeit mit vier tausendsteln Rückstand hinter Kevin Peters (Volksmobil) auf dem zweiten Platz. Ein Umstand der hoffen lässt, auch wenn das Gesamtbild noch mit Vorsicht zu genießen ist. Larry Fischer ist mit einer 1:14.697 ebenfalls nicht weit von den Spitzenzeiten entfernt. Ob das trockene Training für Sonntag überhaupt maßgeblich ist bleibt fraglich. Laut der Wetterprognose besteht am Sonntag Abend eine zeitweise 33 % Chance auf Regen. Eine Situation, welche sowohl für Cesario, als auch für die Konkurrenz eine neue Lernsituation darstellt. Darin sieht Gonzalez Cattivo aber nur bedingt ein Problem. "Wir haben ein paar Runden im nassen gedreht, aber sicher wird es für alle schwierig werden. Das heißt natürlich auch für uns im Umkehrschluss, dass wir auch profitieren könnten. Wir nehmen jede Herausforderung an!"


Die Scuderia kommt also mit dem mittlerweile ungewohnten Erfolgsgefühl nach Südafrika. Eine Stimmung in der man scheinbar jede kommende Herausforderung annehmen möchte. Ob man diese auch bewältigen kann, wird eine der großen Fragen am Sonntag Abend sein.


Hier gehts zu den aktuellen Trainingszeiten des Südafrika GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021



Autor: Julian Kopp