VFC-San Marino Analyse: Razor GP - Die Macht der roten Laterne


Im MIttelfeld der VFC-2021 geht es so eng zu, wie bisher noch nie zuvor. Durch die Erweiterung auf 12 Teams kämpfen die hinteren Rennställe noch verbissener um die 12 verfügbaren Punkteplätze. Dass dies in der neuen Saison die größte anfängliche Hürde für Razor GP sein dürfte, hätte wohl niemand gedacht.


Nach dem Brasilien GP und damit dem dritten Rennen der laufenden Saison, ahnt man vor welch großen Herausforderung Bastian Paisler und sein Team stehen. Als einziges der 12 Rennställe steht man noch mit leeren Händen da. Selbst das eigene Nachwuchsteam R-cademy hat dank Alexander Kraft bereits drei Zähler sammeln können. Die Gründe dafür sind verschiedener Natur und zeigten sich auch in Interlagos wieder in voller Breite. Wie Bastian Paisler bereits sagte, ist der diesjährige Razor das exemplarische Beispiel einer Fehlkonstruktion verschiedener Komponenten. Dementsprechend klar war auch Tim Brendels Aussage nach dem Brasilien Rennen: "Das Rennen hat sich besser angefühlt als die Rennen in Melbourne und Kyalami. Man muss aber auch sagen, dass das Auto kein Spaß macht. Auf den Geraden werden wir einfach geschluckt. Das Gesamtpaket stimmt einfach nicht." Auch Teamchef Paisler sieht Licht am Ende des Tunnels, sah die Ursache für das Abschneiden in Brasilien vor allem in der Startphase: "Die Pace war zumindest da, nur der Startunfall hat unser (und vorallem mein) Rennen ziemlich zerstört. Lorenzo war während des Rennens eine Zeit lang dort, wo auch wir hätten landen können. Außerdem haben wir durch das, aus dem Startunfall resultierende, überrunden lassen zusätzlich einiges an Zeit verloren. Generell konnten wir die Entscheidung der Rennleitung nach dem Unfall überhaupt nicht nachvollziehen..."


Ein gewisses Potenzial zeigte der Wagen also beim vergangenen Rennen. Dass es bisher nicht für Zähler reichte, hat noch weitere Gründe. Sieht man das Rennen in Interlagos, so muss man auch ganz klar andere Schwächen berücksichtigen. Auch eigene fahrerische Fehler und Mängel sorgten dafür, dass man in den bisherigen Grand Prix von den klaren Fehlern der Konkurrenz nicht profitieren konnte. Die Möglichkeiten ergaben sich, ohne dass sie genutzt wurden. Die Durchfahrtsstrafe für Tim Brendel im letzten Drittel des Brasilien GP steht exemplarisch dafür, dass wenn es nicht läuft, auch eigene Fehler unausweichlich sind und am Ende teuer werden können. Doch auch das kann ein Antrieb für den Wendepunkt sein. Wenn man am Boden liegt kann die Saison in zwei Richtungen laufen. Dass man mit dem Rücken zur Wand kaum noch etwas zu verlieren hat und die Konkurrenz einen ohnehin unterschätzt. Oder man bleibt stecken wie in in frischem Beton und bekommt in der Folge keinen Schritt mehr vor den anderen. Ersteres muss die Hoffnung für Razor GP sein. Die Entwicklung des Wagens könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, zudem man als Nutzer des Bi-Turbo Motors auf Grund einer neuen Vereinbarung mit den V4-Lieferanten ab Imola mit 10 zusätzlichen PS rechnen kann. Ein Grund, welcher der Motivation helfen könnte. Eines zumindest steht fest. Die Konkurrenten des Rennstalles werden auch in Zukunft weiter Fehler machen, ob man dann zu den Profiteuren gehören wird, entscheidet letztlich die eigene Konstanz.


Im kommenden San Marino Grand Prix kann dafür der erste Grundstein gelegt werden. Die Strecke könnte dabei dem Fahrzeug eher entgegenkommen. Zwar verfügt Imola mittlerweile über eine lange Start-Ziel-Geraden, könnte in den Kurvenpassagen den Nachteil des Motors aber ggf. ausgleichen. Da die offiziellen Trainings allerdings noch nicht begonnen haben, fällt es schwer hier bereits Ersteindrücke zu analysieren. Tim Brendel zumindest zeigt sich für das kommende Rennen optimistisch: "Für Imola hab ich aber ein ganz gutes Gefühl, dass es da was Richtung Punkte gehen könnte. Ist so´n Bauchgefühl." und auch Bastian Paisler kann dem ganzen etwas abgewinnen: "Die "üblichen" Zwischenfälle der ersten beiden Rennen blieben diesmal auch aus (wenn man den Start mal nicht berücksichtigt) und das macht etwas Hoffnung. Für Imola gibt es außerdem frische Motoren..."


Razor GP kann also nicht mehr tun als weiterzumachen und zu hoffen, dass sich das Blatt so zeitig wie möglich wendet. Dazu muss man alle positiven Aspekte, die sich einem auf tun ergreifen und wenn es nur ein Bauchgefühl ist...


Hier findest du im Laufe der Woche die aktuellen Trainingszeiten zum San Marino GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021


Autor: Julian Kopp