VFC-San Marino Analyse: Scuderia Cesario - Erleichterung nach Befreiungsschlag


Für den mexikanischen Teamchef Gonzalez Cattivo dürfte der vergangene Brasilien Grand Prix eine Erlösung gewesen sein. Nach der verkorksten letzten Saison und der lauter werdenden Kritik war der Sieg von Lukas Schmidt in Interlagos auch für den Teamchef ein großer Befreiungsschlag.


Nicht nur, weil Cattivos Vergangenheit und sein WM-Titel 2013 maßgeblich mit den Roten zusammenhängt. Es war auch das Ende einer Durststrecke. Dennis Schneider war derjenige, der zuletzt im Roten Flitzer gewann. An den 2015er Grand Prix von Deutschland werden sich die wenigsten der heutigen VFC-Teilnehmer noch genau erinnern können. Damals fuhr der Rennstall noch unter dem Vorbild der Scuderia Ferrari und galt seit 2012 stets als Top-Team in der Königsklasse. Dann kam die Pause zwischen 2016 und 2018. Wie unterschiedlich ein Wiedereinstieg laufen kann merkte man, als 2019 die Italiener unter dem neuen Namen Scuderia Cesario zurückkehrten. Es wäre vermessen gewesen von einer schlechten Saison zu sprechen. Insgesamt sieben Podiumsplätze (sechs Pascal Pohlenz - einmal Larry Fischer) und Platz drei in der Konstrukteurs-WM sprachen eine deutliche Sprache. Nur der heiß ersehnte Comeback Sieg gelang nicht. Wie eng Gonzalez Cattivo schon damals wieder mit dem Team verbunden war, zeigten seine beiden Gastauftritte, bei welchen zumindest ein vierter Platz heraussprang. Dann kam 2020 und damit der Absturz auf den letzten Platz in der Team-WM. Bereits ab der Türkei übernahm Cattivo den Rennstall als Leiter, machte das Projekt Cesario zur Herzensangelegenheit. Retten aber konnte der Mexikaner die Saison nicht mehr. Von einer absoluten Fehlkonstruktion war die Rede und dennoch gab es Hoffnungsmomente wie der Malaysia Grand Prix von Larry Fischer. Doch auch hier zog sich der Rote Faden weiter, so dass Fischer mit der Aussicht auf eine Top-5 Platzierung letztlich mit Motorschaden kurz vor Schluss ausschied.


Nun schreiben wir 2021 und die Scuderia ist zurück in der Erfolgsspur. Der doppelte Weltmeister und Comebacker Lukas Schmidt bringt wieder Freude zurück in die Herzen der Italiener. Nach dem Podium in Australien und der Enttäuschung von Südafrika also nun der Sieg in Brasilien. Auch für Schmidt eine ungeheure Erleichterung: „Endlich! Die ersten beiden Rennen ist ja echt ziemlich viel bei mir schief gelaufen und jetzt hat's endlich mal alles geklappt und wir konnten unsere gute Pace mal zeigen. Bin mega zufrieden! Im ersten Stint hat man schon gesehen, dass Kevin zu Beginn des Stints einfach schneller sein wird, da er auf dem Soften war, da haben wir in ziehen lassen und dann beim Boxenstopp einfach überholt. Im letzten Stint hab ich dann auch den Boost runtergedreht und bin das Ganze dann nach Hause gefahren und habe nichts mehr riskiert."


Doch bei all der Schmidtschen Euphorie durfte man auch nicht Teamkollege Larry Fischer außer Acht lassen. Der Deutsche sicherte sich mit Rang fünf sein bestes Resultat für die Scuderia seit Japan 2019, als er selbst aufs Podium fuhr. Dementsprechend groß war auch bei ihm die Last, welche von den Schultern fiel.


Das gewonnene Selbstvertrauen will man nun in positive Energie für den maßgeblich zweiten Heim-GP neben Monza umwandeln. Dessen Wichtigkeit unterstrich Cattivo gegenüber der Presse im Vorfeld: "Der San Marino Grand Prix ist für uns sehr wichtig. Viele Cesario Unter-stützer erwarten von uns ein gutes Ergebnis. Wir sind uns dessen bewusst! In unserer aktuellen Verfassung wäre ein Trockenrennen natürlich am Besten. Im Regen weiß man-chmal keiner was passiert. Unsere Rennpace im Trockenen wird gut sein, allerdings sorgt uns noch die Quali Pace." Ob die Sorgen für die Qualifikation berechtigt sind muss abgewartet werden. Derzeit steht Schmidt auf Rang zwei der Hotlapliste, welche sich allerdings zum jetzigen Stand noch stark verändern könnte. Fischer hängt mit einer 1:17.7 noch neun Zehntel hinter seinem Teamkollegen. Die Sorgen über ein Regenrennen scheinen sich aber nun, fast 24 Stunden vor Grand Prix Start zu verflüchtigen. Die Wetterprognose hat das Regenrisiko deutlich gesenkt, weshalb nach jetzigem Stand sogar ein komplett trockener Rennabend erwartet werden könnte. Auch Lukas Schmidt sieht seinen Vorteil eher bei normalen Bedingungen ohne Regen: "Klar ist es immer das Ziel zu gewinnen. Vom Auto her wirds hier jedoch deutlich schwieriger. Vor allem in den bergab Bremszonen hier kosten uns unsere schlechten Bremsen sehr viel Zeit. Zudem ist auf dieser Strecke der Reifenverschleiss deutlich geringer, was sicherlich nicht zu unserem Vorteil ist. Die Setup- und Strategiearbeit lief jedoch gut, wir sind auf jeden Fall beide bereit, das Maximum aus unserem Paket herauszuholen. Ich sehe die Hürde der Wetterprognose zumindest für mich sehr gross, ich hoffe definitiv auf ein trockenes Rennen, da mir nasse Bedingungen generell vom Fahrstil her nicht liegen."

Und Larry Fischer? Auch der geht mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen in den Grand Prix. Gibt aber zu Bedenken, dass auch gerade die in den ersten beiden Rennen auffällig schwache Cesario Bremse wieder ein Hindernis darstellen könnte. "Mit solch einer Leistung geht man definitiv mit viel Rückenwind ins nächste Rennen und noch mehr durch unsere Tifosi in Imola. Ob wir an das Ergebnis anschließen können, bleibt abzuwarten, da hier die Bremsen mehr beansprucht werden als zuvor. Aber die Confidence nehmen wir sicherlich mit." so Fischer.


Bei der Scuderia ist man also gewappnet für das wohl zweitemotionalste Rennen der Saison. Ob man auf der aufkeimenden Welle der Euphorie mitschwimmen kann oder im schlimmsten Fall wieder baden geht, wissen wir erst mit Sicherheit wenn der morgige Grand Prix vorbei ist.



Hier findest du die aktuellen Trainingszeiten für den San Marino GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021



Autor: Julian Kopp