VFC Ungarn-Analyse: Teil 1 – Des einen Freud, des andren Leid

Der Grand Prix in Ungarn dürfte eine heiße Angelegenheit werden, für alle Teams vorne wie hinten. Und das liegt nicht nur am Wetter. Die Rennställe im hinteren Teil des Feldes rücken punktetechnisch immer näher zusammen und werden um jeden Punkt doppelt und dreifach kämpfen. Hier nun die Analyse der ersten vier Teams für den Grand Prix in Ungarn.



Manziel GP – Kampf um die rote Laterne

Den Punkten so nah und doch so fern. Das ist bei Manziel dieses Jahr eines von vielen Mottos des Rückkehrerteams. Sebastian Steinhauer verfehlte am Nürburgring die Punkteränge um sechs Sekunden und dadurch auch ein erneutes Punkteergebnis nach dem Italien GP. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis als positiv anzusehen, schließlich hatte man sich wieder weiter hinten erwartet. Gerade in der Qualifikation konnten Steinhauer und Teamchef Travis Carter durch Startplatz 16 und 19 überraschen. Und im Rennen gewann Steinhauer durch seine konstante Fahrweise drei Positionen.


In Ungarn dürften die Aussichten jedoch weniger rosig sein. Man könnte die Aussagen von Travis Carter vom letzten Rennen nochmal wiederholen; das Auto kann trotz Aero-Update nicht aus eigener Kraft in die Punkte fahren und man müsse auf den Regengott hoffen. Der dürfte an diesem Sonntag jedoch nicht erscheinen, denn es werden 35 Grad und sonniges Wetter vorausgesagt. Dazu hat man bei Manziel das erste Aggregat eingebaut, welches schon sechs Rennen auf dem Buckel hat. Viel darf man sich also nicht erhoffen, die Zeiten sehen nicht gut aus und reichen nur für die hinteren Positionen, die man sich mit Beta Giulia teilt. Im Rennen jedoch könnten unvorhergesehene Ereignisse und ein konstanter Sebastian Steinhauer wieder für einige Überraschungen sorgen. Sollte aber alles normal ablaufen, wird man hinten um die rote Laterne fahren.



r-Cademy – Etwas Zählbares muss her

Beim Schwesterteam von Razor fällt man in der Teamwertung zurück. 13 Punkte zählt das Nachwuchsteam von Bastian Paisler, damit liegt man auf dem vorletzten Platz. Dazu hat sich die Scuderia CM Motorsport im letzten Rennen von r-Cademy leicht abgesetzt, so dass nun ein Unterschied von vier Punkten herrscht. Das liegt mittlerweile auch an der Fahrersituation im Razor-Konzern: Mal fehlt Tim Brendel und Alexander Kraft muss ihn ersetzen, mal fehlt Kraft im r-Cademy oder auch Paisler selbst. Lorenzo de Ciutiis ist zwar in den Rennen da, macht aber vor allem durch wenig Training und viele heikle Situationen auf sich aufmerksam. Das kostet Punkte.


Doch die kommende Strecke sollte dem r-Cademy-Auto genauso liegen wie schon der Nürburgring. Das Auto ist griptechnisch weiterhin sehr stark und dürfte daher auf Ungarn gut performen, gerade im Rennen. Das könnte aber auch zum Problem werden, schließlich ist das Auto von r-Cademy eher schwächer in der Qualifikation. Und von einem schlechten Startplatz in Ungarn aus will man nicht gerade starten, schließlich ist Überholen auf dem Hungaroring schwierig bis unmöglich. Abhilfe könnte hier aber Heiko Kolvenbach bieten, der für den sich im Urlaub befindlichen Alexander Kraft wieder in den Wagen steigt. Der Kölner hat schon in den D2-Rennen gezeigt, dass er in den Qualifikationen über sich hinauswächst und immer ein bisschen aus dem Auto herausquetschen kann. Das dürfte auch in Ungarn weiterhelfen.

r-Cademy ist im kommenden Rennen im hinteren Mittelfeld zu erwarten. Es dürfte schwierig werden, in die Punkteränge zu fahren, auch aufgrund eines alten Motors. Allerdings sind diese Punkte schon möglich und auch bitter nötig.



Scuderia CM Motorsport – Hochmotiviert in die Hitzeschlacht

SCMM befindet sich in einer einigermaßen zufriedenstellenden Phase. In den letzten drei Rennen konnte man zweimal punkten und in Monza wäre ohne das Pech von Alexander Ruett und Gino Gaggiano wohl ein weiteres Punkteresultat rausgesprungen. Trotzdem haben diese beiden Punkteausbeuten für den Sprung auf Platz 10 in der Team-WM gereicht, dazu ist man an Beta Giulia dran, welches nun mit Strecken zu kämpfe hat, die absolut nicht für den Wagen konzipiert ist. Dazu schwächeln r-Cademy und Manziel.


Somit befindet man sich sprichwörtlich im Aufwind. Der neunte Platz in der Team-WM ist in Reichweite und beide Fahrer haben sich nach der schwierigen ersten Saisonhälfte gefangen zu haben. Jetzt geht es ins heiße Ungarn, welches ein Stolperstein werden könnte. Durch das Wetter dürften die Pironi-Reifen zusätzlich belastet werden, allerdings werden viele Teams mit diesen Problemen zu kämpfen haben. Somit ist Gaggiano weniger besorgt: "Trotz des Wetters denke ich dass wir mit den meisten Teams mehr oder weniger die gleichen Probleme haben werden. So richtig getestet haben wir noch nicht wirklich, aber wir wissen schon ungefähr, was auf uns zukommen wird. Wir rechnen allerdings nicht mit Punkten, schön wäre es aber."


In Ungarn fällt allerdings Gaggianos Noch-Teamkollege Alexander Ruett aus, der noch mit den Folgen des Hochwassers zu kämpfen hat. "Leider kann Rütt durch den Folgen der Überschwemmungen erstmal nicht teilnehmen. Wir sind da im ständigen Austausch und hoffen, dass er bald wieder mit an Bord ist." so Gaggiano. Dementsprechend wird Alexander Hess, zukünftiger VM-Pilot, wieder in den SCMM steigen. Der Essener hat nach dem unglücklichen Verlust der Punkte in Monaco noch eine Rechnung hoffen und ist dementsprechend hochmotiviert. "In unserem kurzen Gespräch hat er klar verdeutlicht, punkten zu wollen, da ihm dieser Erfolg in Monaco leider nicht gegönnt war. Wir gehen also mit vollster Motivation ins kommende Rennen.", so Gaggiano. Es dürfte somit ein spannender Grand Prix für SCMM werden, bei dem man auch ein Auge auf Hess werfen sollte.



Beta Giulia – Hoffnungslos im hinteren Feld?

Beta Giulia ist momentan in einer nicht gerade vorteilhaften Phase. In Monza hatte man sich mehr erhofft, hier schlug der Regen den Italienern ein Schnippchen. In Österreich wurde ein Massencrash ausgelöst und in Spa verlor man die Punkte durch viele kleine Fehler. Am Nürburgring letzte Woche wurde es nicht besser, obwohl Daniel Bentenrieder trotz schwachem Motor und Auto den BG überraschend auf den elften Platz stellte. Nur im Rennen verlor man dann die Plätze und sah wenig Land. Anzeichen, dass sich dies nun ändern dürfte, gibt es leider keine.


Denn mit dem Hungaroring geht es auf eine Strecke, die dem Auto von Beta Giulia absolut nicht liegt. Die vielen Kurven werden dem Beta Giulia viele Probleme bereiten, der alte und schwache Motor, welcher Aggregat Nummer 1 ist, tut dabei sein Übriges. Das zeigt sich auch in den bisherigen Zeiten, in denen beide Beta Giulia-Piloten sich mit Manziel um die letzten Plätze streiten. Alles keine guten Aussichten. Daher wird man sich bei Beta Giulia wohl erstmal auf die Rennen nach Ungarn konzentrieren.


Das dürfte vor allem Daniel Bentenrieder frustrieren, der einen eigentlich starken Saisonbeginn hatte, aber sich momentan in einer schwächelnden Phase befindet. Bentenrieder benötigt einen Befreiungsschlag, dem ihm die Strecke in Ungarn aber nicht liefern dürfte. Aber schon öfters zeigte sich, dass Bentenrieder auf kurivgen Strecken über sich hinauswuchs und starke Ergebnisse, vor allem in der Qualifikation, herausfuhr. Vielleicht sehen wir dann auch am Sonntag wieder diesen Bentenrieder, der das Auto trotz aller Voraussagen plötzlich in die Punkte fährt. Realistisch gesehen ist das zwar sehr schwierig, aber nicht unmöglich. Ansonsten dürfte man sich aber bei diesem Grand Prix darauf einstellen, Beta Giulia im hinteren Teil des Feldes zu sehen.



Autor: Jörn Georg Dicks


Hier geht es zu den momentan besten Zeiten vor dem Ungarn GP: https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021