VFC Ungarn-Analyse – Teil 3: Der Kampf um die Krone

Mit dem Ungarn GP steht das letzte Back-to-Back Rennen der laufenden VFC-Saison an. Gelegenheit für einen turbulenten Rennabend, haben doch auch die Topteams weniger Zeit um sich auf das Rennen vorzubereiten. Die aktuelle Situation im Vorderfeld in der Analyse:


Scuderia Cesario: Schlägt Hoffnung die Realität?

Es ist dieses allzeit bekannte Gefühl, welches auch Gonzalez Cattivo am Nürburgring wieder gespürt haben dürfte. Den Eindruck eines Deja-Vus. Denn genau als solches war das Rennen in der Eifel für den italienischen Rennstall Scuderia Cesario zu betrachten. Ein strategisches Deja-Vu Erlebnis.

Denn selbiges passierte bereits in Italien. Lukas Schmidt, am Nürburgring meist um Platz fünf bzw. sechs herum zu finden, hätte sicherlich gute Karten auf einen Podestplatz gehabt. Grund dafür wieder einmal die alternative Strategie zur Konkurrenz, welche durch den harten Durzaam Reifen möglich gemacht wurde. Mit Sicherheit hätte man den Doppelweltmeister so zumindest unter den Top-5 gesehen, doch die einsetzende Full-Course-Yellow Phase zum für ihn ungünstigsten Zeitpunkt half der Konkurrenz und egalisierte den strategischen Vorteil. Genau wie bereits das Safety-Car beim Heimrennen in Monza. Dementsprechend bewertet Schmidt die Situation der letzten beiden Rennen: "Die letzten beiden Rennen verliefen strategisch tatsächlich extrem unglücklich, beide Male hätten wir sonst die chance auf ein Podium gehabt, trotz fehlender 1-Lap Pace."

Und so gingen Schmidt und der Scuderia wichtige Zähler durch die Lappen. Ein Umstand, der auch den Verlust der WM-Führung in der Fahrermeisterschaft zur Folge hat. Zuvor hatte Schmidt diese seit dem Spanien Grand Prix in Jerez inne gehabt und verlor diese nun nach sechs Rennen. Für gute Stimmung im Lager der Italiener dürfte das also wohl nicht sorgen. Umso mehr wenn man bedenkt, dass die zurückliegenden Kurse dem Wagen noch am meisten entgegenkamen.

Ob der nächstjährige Wechsel innerhalb der Nummer 1 Cockpits hier aktuell einen Einfluss hat bleibt aber reine Spekulation. Laut Gerüchten aus dem Fahrerlager zumindest hat Teamchef Gonzalez Cattivo über die bisherige Saison einigen Glauben und Vertrauen in seinen Nummer eins Fahrer verloren. Diesen Eindruck verkörperte der Mexikaner gegenüber der Presse momentan allerdings nicht. Stattdessen hob Cattivo das Mittelfeld sowie die zerstörte Strategie als Grundprobleme heraus: "Ob wir nun mit einem Punkt vorne liegen, oder knapp dahinter spielt keine große Rolle. Die FCY Phase hat uns viele Punkte gekostet und während Lukas sein mögliches Podium verlor und die VMs um den Sieg geparkt wurden, fuhr auch noch Maleika in Lukas rein. Unser Grundproblem ist aktuell, dass wir mit solchen Fahrern, denen egal sein kann ob sie ins Ziel kommen oder nicht, in Berührung kommen während des Rennens. Auch in Monza hat uns das ein sicheres Podium gekostet. "

Bei all dem Trubel um den WM-Kampf wäre das VFC-Debüt von Dominik Wiesner beinahe untergegangen. Wiesner ist aktuell Stammfahrer innerhalb der Division 2 beim TDD by Kostec Team und sprang für den verhinderten Max Hayman ins zweite Cockpit. Schnell wurde klar, dass es bei dem sehr kurzfristigen Einsatz ums reine Erfahrungen sammeln geht. Dazu gehörte bei diesem Rennen auch die des Unfalls. Durch ein Missverständnis beim Überrunden verursachte Wiesner unglücklich einen Auffahrunfall von Yannik Barwig. Für Wiesner war das Rennen durch den folgenden Reifenverlust auf dem letzten Platz liegend vorbei. Da der Newman Pilot Barwig das Rennen glücklicherweise fortsetzen konnte und Wiesner sich anschließend bei ihm entschuldigte, sollten diese Ereignisse aber keine weiteren Wellen schlagen. Auch der Teamchef nahm seinen Nachwuchsfahrer in Schutz: "Ich mache Domi keinen Vorwurf. Er sprang kurzfristig ein, weil gegen einen Hayman Einsatz wichtige persönliche Gründe sprachen. Er hatte mit dem Wagen und technischen Problemen zu kämpfen und wollte einfach nett sein und Barwig schon vor der Kurve vorbeilassen. Für Yannik tut mir diese Sache sehr leid und auch für uns selbst."

Fest steht, die Lage für die Italiener ist prekär. Der Druck für die nächsten Grand Prix hoch. Lukas Schmidt braucht in den nächsten Rennen Erfolgserlebnisse gegen seinen Kontrahenten Jannis Wollborn. Andernfalls droht der Meisterschaftskampf eindeutig in Richtung Newman Racing zu kippen und auch VM-Pilot Sven Schubert sitzt dem Cesario nun im Nacken. Dabei sieht man sich nun in der Verfolgerrolle und die Konkurrenzteams deutlich stärker aufgestellt. "Ich persönlich gebe nie auf, sehe es aber auch realistisch, dass es ohne Ausfälle von Jannis wohl nicht mehr möglich sein wird, da der Newman in den folgenden Rennen nochmals deutlich schneller wird im Vergleich zum Cesario. Auch VM scheint nun mehr aus ihrem immer noch sehr schnellen Auto (zumindest im Vergleich zum Cesario) rausholen zu können, was die Sache nicht einfacher macht, genauso wie der Russia, welcher ebenfalls extrem schnell ist." so Schmidt gegenüber der Presse.


Der zweite Kampfschauplatz für die Roten ist die Team-WM. Hier droht immer mehr der Absturz. Mit den letzten Ergebnissen musste man deutlich zu den beiden Führungsteams Newman und VM abreißen lassen, so weit, so wenig überraschend. Dass man mit dem Europa Grand Prix nun auch noch hinter Cliffort Royal Racing zurückfiel und nun Druck von Russia GP bekommt verschlimmert die Lage zusätzlich. Ein Abrutschen auf den fünften Rang in der Team-WM droht und damit ein Jahresresultat, welches man sich so zu Beginn der Saison nicht erhofft hatte. Zuletzt holte man beim dritten Saisonrennen in Brasilien Punkte mit beiden Fahrzeugen. Zu wenig um sich dauerhaft an der Spitze zu etablieren. Die Seifenoper rund um den Cattivo-Fischer Konflikt mit anschließendem Fahrerwechsel hat nicht die nötige Ruhe und Resultate gebracht. Zurecht wird im Fahrerlager derzeit dieser Wechsel im Nachhinein hinterfragt. Umso überraschender, dass der Mexikaner die Team-WM im Interview deutlich abhakt: "Die Konstrukteurswertung ist mir dieses Jahr ehrlich gesagt völlig egal. Ob wir nun 4., 5. oder doch 3. werden wird sich einfach ergeben."

Nun liegt der Fokus auf dem Hungaroring. Während Schmidt in Budapest mit älterem Motor antreten wird, hat sich Teamkollege Max Hayman einen neuen Antrieb eingebaut und hofft auf ein erstes positives Punkteerlebnis. Der Brite gegenüber der Presse: "Die Frage ob Punkte möglich sind stellt sich nicht. Eine Top 12 Platzierung ist Pflicht. In jedem meiner bisherigen vier Rennen waren Punkte „möglich“. Durch eigene Fehler, falsche Strategien und Pech (u.a. Wetter) hab ich das aber leider verpasst. Das Ungarn Rennen wird sicherlich nicht einfach, da der Durzaam Reifen hier nicht richtig funktioniert. Dennoch sollte am Ende ein gutes Teamergebniss möglich sein."


Nach den aktuellen Trainingszeiten könnte das ungarische Pflaster aber ein heraus-forderndes für die Italiener werden. Lukas Schmidt liegt noch mehrere Zehntel hinter der Spitze in der Hotlapliste und auch Max Hayman hat noch mit den Zeiten zu kämpfen. Stellt sich die Frage wieviel dieses Mal über die Strategie möglich sein wird, die in Ungarn wieder einen entscheidenden Faktor abbilden könnte.


Die Strecke gehört zu den reifenfeindlichsten im Rennkalender und dementsprechend wichtig wird der Umgang mit den Pneus. Gerade die Konkurrenzteams mit den Yasuda und Pironi Reifen dürften hier etwas größere Probleme haben als die Scuderia. Wie groß dieser Vorteil ist und ob der strategische Ansatz von Zwischenfällen und Unterbrechungen erneut gefährdet wird, dürfte den Verlauf sowie das Resultat für den morgigen Sonntag bestimmen.

Cliffort Royal Racing: Ungarn als letzte Sieghoffnung?

Cliffort Royal Racing erlebt in der jetzigen Saisonphase so etwas wie Festspielwochen. Dürfte Teamchef Röhken vor einem Monat beim Blick auf den Rennkalender die gute Laune noch gründlich vergangen sein, erlebt man den GSO-Veteran aktuell wieder deutlich positiver gestimmt. Schenkte man unter anderem den Italien Grand Prix mit alten Motoren noch her, zeigte man sich nun mit frischeren Aggregaten auf dem Nürburgring wieder deutlich konkurrenzfähiger und fuhr mit Platz fünf und sieben das beste Teamergebnis seit dem Deutschland Grand Prix ein.

Gerade Cooper McAllister konnte gut mit der Spitzengruppe mithalten und fand sich am Ende nur 11 Sekunden hinter Sieger Jannis Wollborn im Ziel wieder. Sein Teamkollege Fabian Walter hingegen hatte schon in der Qualifikation größere Probleme und wurde letztlich nach einem guten Rennen mit alternativer Strategie immerhin noch guter Siebter. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Röhken nach dem Rennen.


Mit dem direkt anschließenden Grand Prix in Ungarn stößt man nun auf das persönliche Highlight der zweiten Saisonhälfte. Das Rennen, in welches Röhken seinen ganzen Optimismus setzt. Mit der Charakteristik des Hungarorings sollte das Fahrzeugkonzept des Cliffort gut harmonieren. Dementsprechend ließ man beiden Fahrzeugen im Vorfeld neue Motoren einsetzen. Ob das reicht um in Budapest ein Big Point Rennen zu setzen muss man aber abwarten. In den Trainings zumindest zeigte man sich bisher stark und nah dran an der Spitzengruppe. Auf einen Sieg jedoch hofft Röhken dennoch nicht und stapelt vor dem Rennen in Budapest tief: "Der Sieg wird eher schwierig werden, allerdings ist ein erneuter Top 5 Platz unser Ziel, da Ungarn warscheinlich auch mit die letzte Strecke ist, wo wir halbwegs mithalten können."

Ein Nachteil für die Briten könnte letztlich auch der Pironi Reifen werden. Zwar gelten Cooper McAllister und Fabian Walter im Feld als eher reifenschonende Fahrer, dennoch dürfte der Gummi unter der hitzigen Sonne Ungarns so oder so dahinschmelzen. Ob so die Strategie am Ende der Knackpunkt wird? Ein weiterer Belasungspunkt für Fabian Walter zumindest ist der vorherige Einsatz beim 24-Stunden Rennen von Le Mans innerhalb der P1 Liga. Walter selbst sieht die Doppelbelastung als große Herausforderung, hofft aber auf ein gutes Rennresultat: "Nach nem 24h Rennen, ist da schon die Müdigkeit da, würde eher auf ein Top-5 Ergebnis ausgehen, wenn natürlich ein Podium raus springt, würde ich nicht nein sagen."



Newman Racing: Vom Jäger zum Gejagten

Lange war Jannis Wollborn als die Hoffnung des restlichen VFC-Fahrerfeldes angesehen worden. Als derjenige, der es mit dem galaktischen Lukas Schmidt und damit mit der bei nicht bei allen Teams beliebten Scuderia Cesario im Kampf um die Meisterschaft auf-nehmen kann. Und das obwohl Wollborn lange mit deutlich größerem Abstand als Sven Schubert, hinter Schmidt in der Fahrer-WM gelistet war. Spätestens nach dem Nürburgring dürfte sich der Wind zumindest teilweise gedreht haben. Mit vermeintlich moralisch frag-würdigen Aktionen hatte sich Wollborn in der Eifel den Sieg gesichert und damit nun die WM-Führung übernommen. Der Weltmeister von 2019 beteuerte auch im Nachhinein die Unabsichtlichkeit hinter den Boxenvorfällen, ein Versuch die Wogen zu glätten. Ob dieser erfolgreich war darf zumindest angezweifelt werden. Doch unterstreicht auch das Wollborns Siegermentalität. Alles für den Triumph, selbst wenn die Art und Weise nicht gut ankommt und erst recht nicht sportlich fair ist. Kein Fehl- aber zumindest moralisch fragwürdiges Verhalten. "Wir haben das Teamintern besprochen." war die knappe Aussage von Teamchef Patrick Newman zu den Geschehnissen des vergangenen Grand Prix.

Damit ist der Jäger nun zum Gejagten geworden und die bewaffneten Verfolger niemand geringeres als Lukas Schmidt und Sven Schubert. Man könnte sich leichtere Kontrahenten wünschen. Patrick Newman zumindest vertraut auf seinen Schützling und sieht nun die Kehrwende in der Meisterschaftssituation nicht als zusätzlichen Nachteil: "Jannis kommt sehr gut klar mit dem Druck des WM-Führenden."

Dabei hat sich Wollborn mit den Siegen der letzten Rennen einen enormen Vorteil verschafft. Gerade in Belgien und Italien war ein Newman Sieg grundsätzlich ausgeschlossen. Letztlich machte es vor allem der Regen möglich, dass Patrick Newman und sein Team auf den Außenseiterstrecken Big Points einfuhren. Hinzu kam der bereits jetzt sehr stark entwickelte Newman Wagen, welcher bis zum Saisonende noch deutlich Leistung auf den Asphalt packen dürfte. Ein weiterer Pluspunkt sind die kommenden Strecken. Angefangen mit dem Hungaroring folgen nun Kurse, auf denen der Newman sich heimisch fühlen dürfte und entsprechend optimistisch blickt man auf den morgigen Sonntag. Gegebenenfalls könnte dabei sogar Wollborn selbst in den Hintergrund rücken. Teamkollege Yannik Barwig ließ sich für das Rennen in Budapest einen nagelneuen Motor einsetzen und wetteifert damit mit Cliffort als größten Kontrahenten um den Sieg am Ring. Nach den bisherigen Trainingszeiten zumindest stehen die Chancen auf einen weiteren Erfolg nicht allzu schlecht. Wollborn setzte bisher die zweitschnellste Rundenzeit während Barwig noch keine abgetankten Zeiten auf den Asphapt brannte.


Überraschenderweise ist Patrick Newman selbst skeptisch was die Trainingszeiten angeht. Der gesunde Optimismus gepaart mit einem ernstnehmen der Konkurrenz: "In Ungarn können wir bestimmt wieder gute Punkte mitnehmen. Allerdings sehen die Trainingszeiten nicht so aus, wie sie es erwartet haben. Peters Zeiten scheinen stark zu sein. Aber das Rennen ist erst entschieden, wenn die Karrierte Flagge gezeigt wird."


Ob Jannis Wollborn am Ende den nächsten großen Schritt in Richtung des zweiten WM-Titels schafft und Yannik Barwig vielleicht seinen ersten Sieg in der Königsklasse seit dem US Grand prix von 2014 holt, wird uns der morgige Sonntag offenbaren.

Volksmobil-Blue-Horns: Den Skandal als Motivationsturbo?

Dem Rennstall von Volksmobil-Blue Horns wird der vergangene Europa Grand Prix wohl für 2021 besonders in Erinnerungen bleiben. Nachdem der Rennstall nach gutem Saisonstart Entwicklungstechnisch immer mehr zurückfiel war man zuletzt eigentlich kaum mehr materiell in der Lage um einen möglichen Sieg mitzufahren. Am Nürburgring war es anders. Bereits im Vorfeld merkte man dem amtierenden Weltmeister Kevin Peters die Vorfreude an. Trotz älterem Motor als sein Teamkollege Sven Schubert setzte er in den Trainings die absolute Bestzeit und setzte selbiges Tempo dann auch in der Qualifikation um. Das kuriose: Damit gelang Peters das, was in der gesamten Meistersaison 2020 nicht klappte. Eine Pole-Position und damit die erste seiner VFC-Karriere. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte die Lust auf einen Sieg alles andere übermannt haben. Noch motivierender sicherlich, dass der Teamkollege neben ihm in der ersten Reihe stand und zumindest in der Qualifikation nur Jannis Wollborn und Marc Schlüter konkurrenzfähig erschienen.


Das Rennen war dann das was Peters von sich selbst als das perfekte Rennen beschrieb. Fehlerlos kontrollierte der VM-Pilot lange das Rennen, spulte die meisten Führungsrunden ab. Zudem hilfreich: Der eigene Teamkollege verteidigte sich hart gegen Verfolger Jannis Wollborn und verschaffte dem Weltmeister so Puffer.

Mit der ersten Boxenserie begann sich das Blatt dann zu wenden. Sven Schubert und Jannis Wollborn besuchten zeitgleich die Boxengasse. Der Boxenplatz des Newman Piloten lag direkt vor der VM-Box. Nichtsahnend machten beide Halt. Doch schon beim Stehenbleiben von Jannis Wollborn wurde klar, für Sven Schubert war nicht genug Platz zum losfahren vorhanden. So musste der VM-Pilot warten und verlor den Rang gegen Jannis Wollborn an der Box. Im Nachhinein vielleicht der Knackpunkt im Rennen von Volksmobil, denn Wollborn schien kaum in der Lage auf der Strecke überholen zu können.

Zum handfesten Skandal aus VM Sicht wurde der Grand Prix dann bei den zweiten Boxenstopps. Wollborn hatte die Lücke zu Kevin Peters mittlerweile geschlossen und kam wie zuvor mit Schubert im Paarflug an die Box. Peter Andrews sagte im Nachhinein, kein Holzbalken der Welt hätte sich so quer vor seinen Piloten legen können. Wieder konnte der VM-Pilot hinter Jannis Wollborn nicht losfahren und so gelang dem Newman abermals das Überholmanöver auf zumindest fragwürdige Weise. Ein zurücküberholen auf der Strecke schien für Peters auf Grund des Verschleißnachteils der Pironis unmöglich und so brachte Wollborn seinen wohl umstrittensten Sieg für Newman Racing nach Hause.

Was blieb war ein sichtlich angefressener Peters, der wohl noch nie so viele Pfeile schoss wie auf der anschließenden Pressekonferenz. Von Freude über sein bestes Saisonergebnis und dem Doppelpodium für VM war nichts zu spüren.

Stattdessen gab eine klare Kampfansage an den Kontrahenten Wollborn und ein Bekenntnis zum bisher so ungeliebten Teamkollegen Sven Schubert im Meisterschaftskampf. Es schien beinahe so, als hätte man bei VM endlich den benötigten Schulterschluss vollzogen. Teamchef Andrews stellte sich nach dem Grand Prix ebenfalls nochmal der Presse und versuchte die Gemüter zu beruhigen: „Wir verstehen natürlich den Unmut von Sven und Kevin. Heute wäre ein Doppelsieg zumindest in Griffweite gewesen. Ich bezweifle, dass Jannis uns ohne Fehler auf der Strecke hätte überholen können. Im Boxenduell mit Sven unterstelle ich ihm da auch keine Absicht, aber die zweite Sache mit Kevin muss man ihm übel nehmen. So quer wie er stand, stehen nicht einmal meine Holzbalken im Dachstuhl. Natürlich war hier aber auch die Strecke ungünstig was die Boxenplätze betraf, Jannis hat damit gegen keine Regel verstoßen. Nur musst du dir bewusst sein, was die Reaktion auf ein solches Verhalten ist. Wenn das dafür sorgt, dass Sven und Kevin jetzt SO sind (klatscht beide Handflächen aufeinander) dann nehmen wir das gerne mit. Mit der Punkteausbeute bin ich letztlich natürlich trotzdem zufrieden, wir konnten den Vorsprung auf Newman ausbauen und das zählt. Der fade Beigeschmack bleibt aber.“

Mit dementsprechend viel Wut und Motivation im Bauch dürfte der Rennstall an das kommende Back-to-Back Rennen in Ungarn herangehen. Bekanntlich gehört der Hungaroring zu den Lieblingsstrecken des Kevin Peters. Schon letztes Jahr holte er sich noch im FSR souverän den Sieg und machte einen entscheidenden Schritt Richtung Meisterschaft.

Dieses Jahr stehen die Sterne wohl schlechter. Mit Cliffort Royal Racing und Newman Racing stehen zwei Teams in den Startlöchern denen die Streckencharakteristik wohl sehr gut entgegen kommen dürfte. Mehr als dem VM-Fahrzeug. Erschwerend hinzukommen dieses Mal wohl auch die äußeren Bedingungen. Über 30 Grad Celsius werden zum Rennstart erwartet und damit dürfte der Pironi Reifen des Teams wohl noch deutlich extremer als sonst beansprucht werden, eine 4-Stopp erscheint kaum unrealistisch. Die Trainingszeiten zumindest machen Hoffnung für Kevin Peters, auf seiner Strecke wieder erfolgreich zu sein. Aktuell setzt der Deutsche die Bestzeit in der Hotlapliste. Teamkollege Sven Schubert hat bisher gewohnt die Hände vom Lenkrad gelassen und wird wohl erst am Renntag wieder ins Cockpit steigen. Sorgen bereiten dem Schwaben momentan vor allem die Temperaturen vor Ort: "Die hohen Temperaturen spielen uns definitiv nicht in die Karten deshalb sehe ich in der Kombination unserer Reifen + Den Temperaturen keine wirkliche Siegchance. Die Top 6 sind wie immer irgendwie drin." Angesporchen auf die Ereignisse mit Jannis Wollborn vom Nürburgring entgegnete Schubert nur Trocken: "Wir haben einen Plan um uns für den Nürburgring zu revanchieren mehr sagen wir dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht."

Volksmobil sollte man also in Ungarn auf dem Zettel haben, wie problematisch die Rennstints allerdings werden ist wohl auf Grund der Temperaturen im Vorfeld kaum abzuschätzen. Mit einem weiteren starken Teamresultat dürfte das Team aber dem großen Ziel der Konstrukteursmeisterschaft einen ordentlichen Schritt näher kommen. Letztlich wird es wohl auch davon abhängen, ob der feurige Funke, welcher in der Eifel entfacht wurde, zum großen ungarischen Buschbrand wird. Am Ende findet vielleicht auch Kevin Peters sein Happy End für die Saison 2021.


Autor: Julian Kopp


Hier gehts zu den aktuellen Trainingszeiten des Ungarn GP:

https://www.race-view.com/server?user_id=Virtual%20Formula%20Championship&server_id=VFC%202021